BR Volleys

„Anderswo kann man mehr Geld verdienen“

Vor dem vierten Finalspiel gegen den VfB Friedrichshafen heute Abend äußert sich der Hawaiianer Kawika Shoji über Meistertitel mit den BR Volleys, seine Liebe zu Berlin und den Abschied einiger Stars.

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Der Hawaiianer Kawika Shoji kam 2011 zu den BR Volleys. In jeder Saison seither wurde der 27 Jahre alte Zuspieler, der außerdem trotz seiner nur 190 Zentimeter Körpergröße der beste Aufschläger seiner Mannschaft ist, mit den Berlinern Deutscher Meister.

An diesem Donnerstag (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) im vierten Finalspiel gegen den VfB Friedrichshafen könnte die insgesamt siebente Meisterschaft perfekt gemacht werden. Die BR Volleys führen in der Serie nach dem Modus „Best of five“ mit 2:1 und wollen endlich einmal vor heimischer Kulisse den Titel holen.

Das ist das Ziel einer Mannschaft, die es vermutlich in der nächsten Saison in dieser Zusammenstellung nicht mehr geben wird.

Berliner Morgenpost: Herr Shoji, beim souveränen 3:0-Erfolg am vergangenen Sonntag in Friedrichshafen haben speziell Sie, aber auch Ihr gesamtes Team eine imponierende Vorstellung geboten. Waren das einhundert Prozent Ihrer Leistungsstärke im richtigen Moment?

Kawika Shoji: Ich hoffe nicht, dass es schon einhundert Prozent waren. Ich glaube, wir können und müssen besser spielen, um diese Serie jetzt zu beenden. Unser Team ist dazu bereit, wir sind in einer sehr positiven Stimmung und freuen uns darauf. Wir dürfen uns dabei aber nicht durch äußere Einflüsse ablenken lassen, durch Erwartungen oder Vorhersagen, sondern müssen uns auf unser Spiel konzentrieren.

Sie sind sehr schwer in diese Serie gekommen, mit einer klaren Niederlage gestartet. Und das, obwohl bei Ihrem Kontrahenten mit Simon Tischer der Kapitän und Zuspieler, der wichtigste Mann, ausgefallen ist. Steckte noch das Final Four der Champions League in den Köpfen?

Nein, das ist jetzt mal abgehakt, es ist vier Wochen her! Ich habe viel Respekt vor der Mannschaft des VfB Friedrichshafen, sie haben einfach im ersten Spiel sehr gut gespielt, gut aufgeschlagen und uns deshalb besiegt. Für Simon Tischer kam mit Benjamin Toniutti außerdem ein anderer Weltklassesteller. Auch Michal Finger, der gegen uns eine starke Leistung gezeigt hat, kannten wir vorher kaum. Aber danach hatten wir die Möglichkeit, uns besser auf sie vorzubereiten. Wir haben zurückgeschlagen, jetzt liegt der Vorteil bei uns. Die Gelegenheit ist da, den Titel in Berlin zu holen.
Vor 8000 wild gewordenen Fans


Vor eigenem Publikum Deutscher Meister werden, vor vermutlich 8000 oder mehr wild gewordenen Fans in der Max-Schmeling-Halle – ein traumhafter Abschluss der Saison für Sie?

Yes! Es ist ein spezielles Spiel, auf jeden Fall unser letztes Heimspiel in dieser Saison. Ich habe eine starke Bindung an die Fans in Berlin und liebe es, für diese Stadt und diese Fans aufs Feld zu gehen. Ich kann nur hoffen, die Leute sehen meine Leidenschaft.

Es ist Ihre vierte Saison in Berlin. War es auch die verrückteste mit dem Final Four der Champions League in der Stadt und mit Ihrem Bruder Erik an Ihrer Seite?

Stimmt, diese Saison ist wirklich ganz besonders, eine neue Erfahrung. Zum ersten Mal mussten wir uns auf zwei Höhepunkte vorbereiten, das Final Four Ende März, das Meisterschaftsfinale Ende April. Es war eine Herausforderung, vor allem mental. Tja, und mit Erik zusammen zu spielen: Wir lieben es.

Zusätzliche Brisanz erhält die Situation, weil gut sein kann, dass nach der Saison viele Spieler, vielleicht auch Trainer Mark Lebedew, Berlin verlassen werden. Elf Verträge laufen aus, Ihrer eingeschlossen.

Ja, das ist eine große, offene Frage. Ich weiß nicht, was die Zukunft mir bringt. Oder meinen Mitspielern, dem Coach.
„Ich glaube an diese Stadt“


Können Sie sich denn vorstellen, bei den BR Volleys zu bleiben?

Natürlich, Berlin ist meine Heimat in Europa, ich liebe diese Stadt. Es ist nicht nur toll, hier Volleyball zu spielen. Sondern auch, als junger Amerikaner hier zu leben, neue Kulturen, Menschen kennen zu lernen. Ich glaube an diese Stadt, genauso an den Klub. Und ich bin sehr stolz, dass wir alle gemeinsam die BR Volleys ein Stückchen vorangebracht haben.

Klingt ja super. Gibt es da überhaupt noch Argumente wegzugehen?

Ja, die gibt es schon. Man kann vielleicht anderswo mehr Geld verdienen, wieder neue Erfahrungen machen, in einer besseren Liga spielen.

Das klingt sehr nach Polen, dem Land des Volleyball-Weltmeisters.

Das entscheiden wir nach der Saison. Ich habe darauf jetzt wirklich noch keine Antwort.

Ein Argument, hier zu bleiben, ist vielleicht Ihr Bruder Erik. Er hat noch ein Jahr Vertrag in Berlin. Wie war denn die Saison mit ihm?

Es war immer unser Wunsch, in einer Mannschaft zu spielen, in einer Stadt zu leben, denn wir haben ein sehr enges Verhältnis. Auch auf dem Feld verstehen wir uns sehr gut. Und dann ist es einfach toll, dies alles zusammen zu erfahren, gemeinsam in einer der besten Städte der Welt zu leben. Ich konnte ihm Berlin zeigen. Die Restaurants, das deutsche Bier, die vielen Fahrten mit der Mannschaft – ich genieße es sehr, Erik überall dabei zu haben, schließlich sind wir so weit weg von zu Hause. Es ist auch nicht immer einfach für mich in der Mitte des Winters. Aber mit dem Bruder im Team ist es leichter.
“Friedrichshafen hat den Druck“

Es muss ja nicht bei der einen gemeinsamen Saison bleiben ...

Haha, sehr gut, Sie lassen nicht locker. Wir werden sehen. Vielleicht spielen wir länger zusammen.

Aber jetzt erst mal: Meister werden. Und der Druck lastet auf Ihnen?

Bei allem Respekt: Friedrichshafen hat den Druck, nicht wir, denn Sie dürfen nicht verlieren, sonst ist es vorbei. Es gibt keine Überraschungen mehr. Es wird ein großer Kampf zwischen zwei Mannschaften, die sich sehr gut kennen. Ich wünsche mir einfach, die Saison auf eine positive Art zu beenden.