Nationalmannschaft

„Herz und Hirn haben Ja gesagt“ - Löw verlängert vorzeitig

Joachim Löw bleibt bis 2018 Trainer der Nationalmannschaft. Bislang galt sein Vertrag bis 2016. Die Titelverteidigung bei der WM in Russland ist sein großes Ziel.

Foto: Patrick Seeger / dpa

So ganz allmählich spüre er, dass ihm sein Job Spaß mache, sagte Joachim Löw. Vielleicht war das ein Witz. Ansonsten wäre es seltsam. Denn seit 2006 ist der 55-Jährige Bundestrainer. Und es ist nun ausgemachte Sache, dass Löw diesen Job auch noch eine Weile ausüben wird. Am Freitag verkündete der Deutsche Fußball-Bund (DFB), dass der gelernte Großhandelskaufmann aus Schönau seinen noch bis 2016 datierten Vertrag vorzeitig bis zum 31. Juli 2018 verlängert hat.

„Herz und Hirn haben gleichermaßen Ja gesagt“, erklärte Löw (118 Spiele, 80 Siege, 21 Remis und 17 Niederlagen). Kopf und Brust stimmten auch bei Teammanager Oliver Bierhoff und Löws Assistenten Thomas Schneider und Andreas Köpke zu. Auch ihre Verträge wurden verlängert, was der Cheftrainer als „eine wichtige Voraussetzung“ bezeichnete. Bierhoffs neuerlicher Kontrakt läuft noch zwei Jahre länger bis 2020. Ihm wurde zusätzlich die Projektleitung für den Aufbau der DFB-Akademie übergeben. Das 89 Millionen Euro teure Leistungszentrum soll auf dem Gelände der Galopprennbahn in Frankfurt entstehen. „Das Herz für dieses Projekt schlägt riesig groß“, sagte Bierhoff.

„Erfolg von Brasilien bestätigen“

Noch Ende Dezember hatte Löw gesagt, er denke stets im Zweijahresrhythmus. Nach dem WM-Titel in Brasilien im vergangenen Sommer galt der Gewinn der Europameisterschaft in Frankreich 2016 als nächstes großes Ziel. Dafür hat der DFB auch gerade seine Prämienregelung mit den Nationalspielern überarbeitet. Nur wenn die Qualifikation für das Turnier geschafft wird, erhält jeder Spieler pro Nominierung 20.000 Euro. Trotz des aktuell unzureichenden Tabellenplatzes drei in Gruppe D, wird jenes Unterfangen wohl gelingen.

Mit Löws Unterschrift bis 2018 aber gehen die Planungen über die EM hinaus und richten sich auf die Titelverteidigung bei der WM in Russland 2018. „Es ist für uns eine unglaublich große Herausforderung und Motivation, den Erfolg von Brasilien zu bestätigen. Unsere junge Mannschaft ist noch nicht am Ende ihrer Entwicklung“, sagte Löw. Erfüllt er seinen Vertrag, steigt er in der Reihe der dienstältesten deutschen Nationaltrainer mit zwölf Jahren auf Rang drei auf – hinter Sepp Herberger (20 Jahre von 1936-42 und ‘50-64) und Helmut Schön (14 Jahre von 1964-78). In ihre Gesellschaft erweitert um Franz Beckenbauer begab sich Löw im Sommer, als er sich mit dem Triumph von Rio in die Ahnengalerie der deutschen Weltmeistertrainer einreihte. Vor dem Turnier wurde darüber diskutiert, ob Löw nach der WM abtritt – als Weltmeister, oder als Gescheiterter.

Auf Helmut Schöns Spuren

Auch vor diesem Hintergrund ist die vorzeitige Ausweitung seines Kontrakts zu verstehen. Er bettet das nächste Ziel in Frankreich ein und gibt Planungssicherheit bis Russland. Löw hat stets seine Affinität zum spanischen Fußball beschrieben. Dort gelang Vincente del Bosque, was Löw noch vorhat. Er gewann den WM- und den EM-Pokal (2010 und ‘12). Nur einer schaffte das bisher auch: Helmut Schön (1972 und ‘74). Auf die Spuren Schöns hat sich Löw nun begeben – was die Dauer seiner Amtszeit betrifft, und vielleicht auch seine Erfolge. So macht der Job dann auch Spaß.