Formel Eins

Sauber-Mitarbeiter mobben Giedo van der Garde

Trotz erfolgreicher Klage fuhr der Niederländer am Freitag nicht beim freien Training zum Großen Preis von Australien. Vielmehr hatte der 29-Jährige einen skurrilen Auftritt im Fahrerlager.

Foto: Mark Thompson / Getty Images

Trotz gerichtlicher Anordnung hat der ehemalige Testfahrer Giedo van der Garde (29) für den Formel-1-Rennstall Sauber am Freitag nicht am freien Training zum Großen Preis von Australien (Sonntag, 6 Uhr/RTL und Sky) teilgenommen. Zu Beginn der zweiten Übungssession fuhren die beiden vom Schweizer Traditionsteam nominierten Stammpiloten Felipe Nasr (22, Brasilien) und Marcus Ericsson (24, Schweden) auf die Strecke im Albert Park von Melbourne.

Van der Garde war im Vertragsstreit mit Sauber am Donnerstag erneut das Recht zugesichert worden, in Melbourne an den Start gehen zu können. Der Supreme Court wies Sauber an, alle nötigen Schritte für den Niederländer in die Wege zu leiten – im Falle einer Zuwiderhandlung drohe die Beschlagnahmung der Rennautos.

Dementsprechend angeschlagen ist Monisha Kaltenborn. Nach dem fünften Tag in der juristischen Schlammschlacht um die Cockpit-Posse mit Giedo van der Garde wirkt die Sauber-Teamchefin mit ihren Kräften am Ende – und gerät immer stärker unter Beschuss. Die Formel 1 fragt sich: Wie konnte die gelernte Juristin nur drei Fahrer unter Vertrag nehmen, obwohl sie nur zwei Autos zur Verfügung hat?

Niki Lauda: „Fürchterlich“

Niki Lauda nannte das Hickhack „fürchterlich. Frau Kaltenborn soll sich entschuldigen und ihn fahren lassen“, sagte der Ex-Weltmeister und Aufsichtsrat des Mercedes-Teams dem Fachportal motorsport-magazin.com. Es sei „absolut unfair und falsch, Verträge zu machen, die man nicht einhält“.

Kaltenborn äußerte sich am Freitag erstmals zu dem Fall und sagte – nichts. Die Österreicherin blockte alle Fragen zu Saubers krachender Niederlage vor Gericht ab: „Es ist ein schwebendes Verfahren, dazu kann ich mich nicht äußern.“ Ob sie darüber nachgedacht hat, zurückzutreten? „Nein“, sagte die 43-Jährige.

Nachdem van der Gardes Anwälte vor Gericht sogar gefordert hatten, Kaltenborn gehöre verhaftet und müsse ins Gefängnis, weil sie sich der Auflage widersetze, alles dafür zu tun, damit van der Garde beim Großen Preis von Australien fahren kann, kam am Freitag Bewegung in den Fall.

Außergerichtliche Einigung am Sonnabend?

Denn es deutet sich eine außergerichtliche Einigung an. Richter Clyde Croft vertagte die Verhandlung auf Sonnabendmorgen 9.30 Uhr (Ortszeit) und riet: „Ich wünschte die Parteien würden ernsthaft über eine Lösung reden.“ Van der Gardes Anwalt sprach von „konstruktiven Gesprächen“, die am Abend fortgeführt werden sollten.

Was das für Sauber zu bedeuten hat, bleibt unklar. Der Schaden ist allerdings immens. Sollte van der Garde die noch nötige Superlizenz erhalten und am Sonnabend fahren dürfen, droht Sauber eine Klage der eigentlich nominierten Stammfahrer Felipe Nasr (22, Brasilien) und Marcus Ericsson (24, Schweden).

Das Duo hatte Kaltenborn ja erst verpflichtet, weil sie über Sponsoren rund 40 Millionen Euro in die leeren Kassen der Schweizer spülen. Die Geldgeber wären sicher nicht erfreut, wenn sie auf einmal außen vor sind. Van der Garde soll nur rund acht Millionen Euro versprochen haben. Sauber kann es sich im tobenden Existenzkampf allerdings nicht erlauben, ihn aus seinem Vertrag herauszukaufen.

In Ericssons Rennoverall

„Es geht einfach nicht, dass du irgendwo Geld einzahlst, und dann keine Gegenleistung bekommst. Irgendwo hört der Spaß auf“, sagte Lauda. Auch Saubers Motorenpartner erhöht den Druck. „Ich hoffe, dass das Problem so schnell wie möglich gelöst wird“, sagte Scuderia-Teamchef Maurizio Arrivabene. Sogar Adrian Sutil soll noch einen gültigen Sauber-Vertrag besitzen. Der Gräfelfinger fuhr 2014 für Sauber, wurde aber wie van der Garde von Nasr und Ericsson verdrängt.

Van der Garde war am Freitagmorgen an der Strecke erschienen und hatte für eine skurrile Szene gesorgt. Erst kam er nicht ins Fahrerlager, weil er die nötige Akkreditierung nicht bekommen hatte. Dann drehten sich viele Sauber-Mitarbeiter erst einmal weg oder verließen demonstrativ die Box, als sie den „Rebellen“ sahen. Trotzdem wurde für ihn ein Sitz angefertigt, dafür zog er den Rennoverall Ericssons über – aber fahren durfte er trotzdem nicht.