Fifa-Gala

Ronaldo ist der Weltfußballer 2014 - Neuer auf Platz drei

Cristiano Ronaldo ist Weltfußballer 2014. Bei der Fifa-Gala setzte sich der Superstar von Real Madrid gegen Lionel Messi Bayern-Schlussmann Manuel Neuer durch. Joachim Löw wurde zum Welttrainer gekürt.

Cristiano Ronaldo ist ein Gockel. Falls das bisher unbemerkt geblieben sein sollte, so weiß die Weltöffentlichkeit spätestens seit Montagabend Bescheid. Da wurde in Zürich bei einer pompösen Gala der Weltfußballer des Jahres 2014 ausgezeichnet. Ronaldo gewann den Ballon d’or, den Goldenen Ball – zum dritten Mal nach 2008 und 2013.

In seiner Dankesrede erzählte der 29 Jahre alte Stürmer von Real Madrid, dass er – nun ja – schon immer der Beste von den Besten sein wollte und sich glücklich schätze, dass ihm dies nun gelungen sei. Als das gesagt war, beendete er den Abend mit einem Kraftmeier-Gebrüll, das in etwa so klang: „Uiiiiiiii.“ Die muskulösen Arme hatte er angespannt, die Fäuste geballt – und es ist zu vermuten, dass es ein paar Leute im Saal gab, die das ziemlich peinlich fanden.

Messi heizt Wechselgerüchte an

Es bleibt also festzuhalten, dass Cristiano Ronaldo immer noch nicht der sympathischste Spieler des Planeten ist. Der Fußball aber hat ein paar Gesetze und eines davon lautet: Wer trifft, hat recht. Weil keiner eine derart formidable Trefferquote wie der Portugiese vorweisen kann – er traf in 60 Partien der vergangenen Saison 61 Mal – geht dieser Titel bei allen Befindlichkeiten zurecht an Cristiano Ronaldo. Gewählt hatten die Nationaltrainer und Kapitäne der Nationalteams sowie je ein Sportjournalist aus jedem Mitgliedsland der Fifa. Ronaldo traf nicht nur wie kein anderer. Er führte seinen Klub zudem im vergangenen Mai zum so ersehnten zehnten Champions-League-Titel und gewann mit den Madrilenen später auch die Klub-WM. Mit 17 Treffern stellt er in der Königsklasse einen neuen Torrekord auf. Acht Treffer erzielte er allein in der K.o.-Runde.

Die WM in Brasilien freilich musste ohne große Ronaldo-Momente auskommen. Das war das einzige Manko in diesem ansonsten brillanten Jahr. Portugal schied schon in der Vorrunde aus. Doch dass sein Land überhaupt dabei war, hatte es ihm zu verdanken: Mit vier Toren schoss Ronaldo die Portugiesen im Play-off gegen Schweden erst zur WM.

Neuer auf Rang drei

Als Ronaldo brüllte, stand ein anderer Modellathlet, dessen Jahr 2014 auch nicht das schlechteste war, ein wenig angespannt neben ihm auf der Bühne: Manuel Neuer. Der Weltmeister und Torhüter des FC Bayern hatte es ja ebenfalls unter die letzten Drei geschafft, musste sich aber hinter Ronaldo (37,66 Prozent der Stimmen) und auch knapp hinter dem viermaligen Gewinner Lionel Messi vom FC Barcelona (15, 76) mit Rang drei zufrieden geben. Gebrüll gab es deshalb von ihm aber nicht, auch wenn im Vorfeld nicht nur die Verantwortlichen der Münchner Neuer als Weltfußballer gefordert hatten.

„Ich verlasse dieses Haus mit einem Grinsen. Es ist ein gewonnener Tag für mich“, sagte Neuer. „Das ganze Jahr 2014 war einfach unglaublich für mich, wir haben so viele Erfolge feiern dürfen. Es wird für immer in Erinnerung bleiben.“ Der 28-Jährige wäre der erste Torwart überhaupt gewesen, der die Trophäe seit der Einführung 1991 in Empfang nehmen darf. Vor ihm war Oliver Kahn 2002 in der Runde des letzten Drei gescheitert. Unter die besten Zehn schafften es auch die Weltmeister Thomas Müller (5.), Philipp Lahm (6.) und Toni Kroos (9.). Lahm und Kroos wurden neben Neuer zudem in die Weltauswahl gewählt.

Messi im Übrigen nutzte den Abend, um die Wechselgerüchte um seine Person anzuheizen: „Ich weiß nicht, was passieren wird. Ich weiß nicht, wo ich im kommenden Jahr sein werde“, sagte der Argentinier, der sich derzeit im Streit mit seinem Vereinstrainer Luiz Enrique in Barcelona befinden soll.

Keßler siegt bei den Frauen

Ein deutscher Abend aber wurde es auch ohne Neuers Krönung: Denn der Titel des Welttrainers ging an Bundestrainer Joachim Löw, der sich mit 36,23 Prozent vor Reals Coach Carlo Ancelotti (22,06) und Diego Simeone von Atlético Madrid (19,02) durchsetzte. Löw brüllte nicht. Er sagte lieber Sätze wie diesen: „Das ist das Sahnehäubchen auf den WM-Pokal.“ Und er bedankte sich höflich bei seinem Weltmeisterteam: „Was wäre ein Trainer ohne eine großartige Mannschaft? Es ist für mich ein riesiges Geschenk, mit euch arbeiten zu dürfen“, sagte Löw.

Einen doppelten deutschen Triumph gab es bei den Frauen: Weltfußballerin wurde die ehemalige Potsdamerin Nadine Keßler vom Triple-Sieger VfL Wolfsburg. Ihr Coach Ralf Kellermann siegte bei den Trainern. Beide Wolfsburger erinnerten in ihren bewegenden Dankesreden an den jüngst verstorbenen Vereinskollegen Junior Malanda.

Foto: FABRICE COFFRINI / AFP