Fifa-Wahl

Blatter-Kumpane wollen Prinz Ali einschüchtern

Beim Kongress des asiatischen Fußballverbandes haben sich die Delegierten für Sepp Blatter ausgesprochen. Sie wollen mit allen Mitteln seinen Herausforderer stürzen. Der Prinz war selber anwesend.

Foto: Lai Seng Sin / AP

Im Machtkampf beim krisengebeutelten Fußball-Weltverband setzt das Lager von FIFA-Boss Joseph S. Blatter (Schweiz) auf Einschüchterung des jordanischen Präsidentschaftskandidaten Prinz Ali bin Al Hussein. Auf dem außerordentlichen Kongress des asiatischen Kontinentalverbandes AFC in Melbourne versprach Präsident Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa (Bahrain) Blatter ohne Beschluss die geschlossene Unterstützung aller 46 Mitgliedsverbände gegen ihren eigenen Vizepräsidenten.

Kuwaits berüchtigter Strippenzieher und Verbandschef Scheich Ahmad Al Fahd Al Sabah riet Ali sogar zum baldigen Rückzug. Gleichzeitig jedoch stellte Japan zumindest für den ostasiatischen Regionalverband klar, dass noch keine Festlegung auf einen Kandidaten erfolgt sei.

„Unser Kongress hat sich damals für Herrn Blatter ausgesprochen, wir haben uns darauf festgelegt und werden unsere Meinung niemals ändern“, sagte AFC-Boss Scheich Salman bin Ibrahim Al-Khalifa in Melbourne in einer Pressekonferenz und verweigerte dem jordanischen Verbandschef Prinz Ali bin Al-Hussein die Gefolgschaft.

Isolierter Prinz

Keine halbe Stunde hatte zuvor der außerordentliche Kongress der AFC gedauert. In einem Luxushotel am Rande der Innenstadt wurden die Statuten modifiziert, freundliche Grußworte gesprochen und reichlich Vorfreude auf das Eröffnungsspiel des Asien-Cups zwischen Gastgeber Australien und Kuwait geschürt. Die Kandidatur Al-Husseins wurde nicht erwähnt, eine Debatte oder Diskussionsbeiträge gab es nicht.

Al-Hussein saß in seiner Funktion als Mitglied des AFC-Exekutivkomitees ganz am äußeren Rand des Podiums – und sagte kein Wort. „Nicht hier, nicht heute“, ließ sich der 39-Jährige lediglich beim Verlassen des Konferenzraumes entlocken.

Der Mann, der bei der Präsidentschaftswahl des Weltverbandes FIFA am 29. Mai in Zürich Amtsinhaber Blatter stürzen will, wirkte inmitten der insgesamt 45 anwesenden Delegierten der asiatischen Mitgliedsländer fast ein wenig isoliert. Und wenn man den Äußerungen der hochrangigen AFC-Funktionäre Glauben schenken darf, kann er bei seinen sportpolitischen Ambitionen auch nicht auf den Rückhalt seiner eigenen Konföderation hoffen.

Auch Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait wiederholte als Präsident der olympischen Verbände Asiens (OCA) seine Wahl-Zusage an den dann 79 Jahre alten Blatter. „Das muss Prinz Ali jetzt in seinen Überlegungen berücksichtigen, und er sollte die Sache noch einmal überdenken“, sagte Al-Sabah, der bei der Wahl zwar keine Stimme hat, als OCA-Chef aber über großen Einfluss auf dem Kontinent verfügt.

„Zeit für einen Wandel“

Am Dienstag hatte Al-Hussein angekündigt, als Herausforderer Blatters anzutreten. „Die Botschaft, die ich immer wieder hörte, war: Es ist Zeit für einen Wandel“, teilte der Präsident des jordanischen Verbandes, zugleich Vize bei der FIFA und der AFC, via Twitter mit. Doch während sich UEFA-Präsident Michel Platini „erfreut“ zeigte und auch der Deutsche Fußball-Bund mit Wohlwollen reagierte, weiß der gewiefte Strippenzieher Blatter einen Großteil der 209 stimmberechtigten Verbände, insbesondere aus Afrika, hinter sich. Auch der ozeanische Verband sprach sich bereits pro Blatter aus.

„Wir sollten realistisch sein und keine falschen Hoffnungen hegen“, sagte AFC-Chef Al-Khalifa auf die Frage, ob der asiatische Verband nicht einen asiatischen Kandidaten unterstützen müsse. Blatter („Dies ist eine Demokratie, und dies kann nur von Vorteil für die Debatte sein“) wird es freudig und gelassen zur Kenntnis genommen haben.

Prinz Ali hatte am vergangenen Dienstag seine Kandidatur für das höchste Amt in der FIFA angekündigt. Der 39-Jährige gilt als Vertrauter von Europas Verbandschef Michel Platini (Frankreich) und will Transparenz zu seinem Wahlkampf-Thema machen. Der doppelt so alte Blatter steht nach fast vier Amtszeiten seit 1998 als Symbolfigur für die zwielichtigen Machenschaften in der FIFA-Spitze und bewirbt sich bei der Wahl am 29. Mai entgegen eigener Versprechen zum fünften Mal für die FIFA-Präsidentschaft.