Vierschanzentournee

Ammann erlitt schwere Gehirnerschütterung

Nach seinem schweren Sturz in Bischofshofen bleibt der viermalige Olympiasieger im Krankenhaus. Auch die deutschen Teilnehmer sind geschockt. Dabei war es nicht der einzige Unfall in Bischofshofen.

Foto: SAMUEL KUBANI / AFP

Der Schock in der Szene nach dem Horror-Sturz von Simon Ammann sitzt tief, doch zumindest gab es keine neue Hiobsbotschaft. Nach Angaben des Schweizer Skiverbandes erlitt der viermalige Olympiasieger beim Schlussspringen der Vierschanzentournee eine schwere Gehirnerschütterung und kam damit glimpflich davon. Nähere Angaben machte Swiss Ski zunächst nicht.

Zuvor hatte Mediensprecher Christian Stahl die schlimmsten Befürchtungen bereits zerstreut und erklärt, Ammann befinde sich in einem stabilen Zustand: „Er ist ansprechbar und kann alles bewegen. Er bleibt im Spital, wo sein Zustand fortwährend überwacht wird.“ Der 33 Jahre alte Ammann, der sich im Krankenhaus von Schwarzach befindet, benötige nun viel Ruhe. Eine erste Entwarnung, wonach Ammann voll bewegungsfähig sei, hatte es am Dienstag noch an der Paul-Ausserleitner-Schanze in Bischofshofen gegeben. Unmittelbar nach dem Sturz war er noch bewusstlos gewesen.

Neben Bestürzung und Anteilnahme fanden sich auch schnell Erklärungen. „Er riskiert sein letztes Hemd, springt unglaublich nach vorne, hat eine extreme Vorlage und enorme Geschwindigkeit“, sagte Bundestrainer Werner Schuster, der bei Ammann in der Vergangenheit schon mehrmals Landungsprobleme ausgemacht hat: „Er wollte den Sprung unbedingt stehen – wenn er sich hätte hinfallen lassen, wäre nichts passiert.“

Auch Amerikaner Fairall verletzte sich

Ammanns Sturz war nicht der erste Zwischenfall in Bischofshofen. Bereits am Montag war der Amerikaner Nicholas Fairall in der Qualifikation auf ähnliche Weise zu Fall gekommen. Der 25-Jährige zog sich eine Wirbelsäulenverletzung zu und musste operiert werden. Die Masse an schweren Stürzen beim Saisonhighlight Vierschanzentournee dürfte wohl auch die Sicherheitsdiskussion im Skispringen befeuern.

Stefan Kraft erlebte dagegen während der Tournee nur die Sonnenseiten des Skispringens. Als sein Gesamtsieg feststand – der siebte in Folge für die dominierende Skisprung-Nation Österreich -, küsste der 21-Jährige den eisigen Boden im Auslauf von Bischofshofen. Für Kraft ging nur wenige Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt ein Kindheitstraum in Erfüllung: „Das war so ein genialer Tag, so etwas traut man sich gar nicht zu wünschen, weil es so schön ist“, sagte der jüngste Tourneesieger seit 1997.

Knapper Sieg für Kraft

Nach seinem ersten Weltcupsieg in Oberstdorf lag das 56-kg-Leichtgewicht die gesamte Zeit vorn, auch wenn ihm sein Zimmerkollege Michael Hayböck am Ende noch gefährlich nahe kam. Nur sechs Punkte lag Kraft am Ende noch vorn, Hayböck war durch seinen ersten Weltcupsieg in Bischofshofen dicht herangekommen. Richtig gefeiert wird allerdings „erst nach der Saison“, versicherte der Triumphator auch mit Blick auf die WM im Februar im schwedischen Falun.

Auf den zweiten Saisonhöhepunkt werden auch die deutschen Springer alsbald ihren Fokus richten. Als das Feuerwerk zu Ehren Krafts den Himmel über Bischofshofen zum Leuchten brachte, blieb Severin Freund, Richard Freitag und Kollegen erneut nur die Statistenrolle – Freitags Tagessieg bei der dritten Station in Innsbruck zum Trotz.

Deutsche setzen auf Prinzip Weitermachen

Im deutschen Lager lautet das Prinzip Weitermachen. „Ein paar Jahre zurück hatte Österreich auch Probleme, die Tournee zu gewinnen. Dann haben sie den Bann gebrochen und lassen sich jetzt nicht mehr vom Thron verdrängen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. In der Tat: Zwischen 2001 bis 2008 waren die Austria-Adler leer ausgegangen, ehe die bis heute andauernde Siegesserie begann.

Die deutschen Springer hatten wieder einmal bereits beim Auftakt Probleme mit ihrem Nervenkostüm, während Kraft und Hayböck nach ihrem Doppelsieg von Oberstdorf laut Schuster „in einen Modus reingekommen sind, in dem keine Selbstzweifel mehr existieren“.

Abhilfe schaffen könnte die Unbekümmertheit eines Andreas Wellinger, der bei der Tournee schmerzlich vermisst wurde. Schuster hofft, den 19-Jährigen nach seiner Sturzverletzung bis zur WM wieder im Team zu haben: „Bei ihm läuft alles nach Plan.“ Positiv aus deutscher Sicht: Bereits ab dem 9. Januar wartet beim Skifliegen am Kulm die Chance zur Wiedergutmachung.