Fußball

Bundesliga führt Torlinien-Technologie Hawk Eye ein

Die Torlinientechnik kommt. Das hat die Fußball-Bundesliga entschieden. Eine Mehrheit der Erstligisten sprach sich für das technische Hilfsmittel aus. Auch Hertha stimmte dafür.

Am Ende stimmte auch Hertha BSC für das Unterfangen – und befand sich in bester Gesellschaft. Mit einer überraschend klaren Mehrheit von 15:3-Stimmen votierten die Vertreter der 18 Bundesligisten für die Einführung der Torlinientechnik.

Damit konnte die Deutsche Fußball Liga (DFL) im zweiten Anlauf das Projekt durchbringen. Im März war die gleiche Abstimmung zu dem Thema mit 9:9 ausgegangen. Die Mitgliederversammlung entschied sich für das aus dem Tennis bekannte britische Hawk-Eye-System (englisch für Falkenauge).

Das System soll mit der Saison 2015/16 starten. Der Vertrag für Hawk-Eye läuft zunächst auf drei Jahre bis 2018. Die Kosten pro Bundesligaspiel liegen bei rund 8000 Euro.

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Diesmal stimmte Hertha mit Ja

Zunächst wird das System nur in der Bundesliga eingeführt. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird sich der Entwicklung anschließen. Im DFB-Pokal soll die Technik spätestens ab dem Viertelfinale eingesetzt werden.

Damit sollen „Phantomtore“ wie das von Leverkusens Stefan Kießling im März 2013 in Hoffenheim nicht mehr möglich sein. Auch umstrittene Situationen wie nach dem Kopfball von Mats Hummels im Pokalfinale gegen den FC Bayern sollen künftig zweifelsfrei mit Hilfe der Technik geklärt werden. „Ich glaube, dass es für den deutschen Fußball ein Schritt nach vorne und eine Hilfe für die Schiedsrichter ist“, sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Hertha BSC hatte im März noch dagegen gestimmt. Nun sagte Geschäftsführer Ingo Schiller, der Hertha in Frankfurt vertrat: „Die Verbesserungen in den wichtigen Detailfragen Fehlertoleranz, technische Umsetzbarkeit und wirtschaftliche Planbarkeit haben uns dazu veranlasst, der Vorlage der DFL-Geschäftsführung zuzustimmen. Die Vorbehalte, die Hertha BSC bei der ersten Abstimmung hatte, wurden ausgeräumt. Strittige Situationen können jetzt nahezu eindeutig geklärt werden. Die Torlinien-Technologie wird den Schiedsrichtern nützlich sein und den Fußball allgemein nicht behindern, sondern weiterbringen.“

Ballposition in Echtzeit

Das System basiert auf sechs Messkameras und einer Hochgeschwindigkeitskamera pro Tor, die am Dach des Stadions befestigt sind. Befindet sich der Ball in Tornähe, erfassen ihn die Bilder jeder einzelnen Kamera. Eine Software errechnet in Echtzeit die exakte Ballposition aus verschiedenen Winkeln. Falls der Ball die Linie überschritten hat, erhält der Schiedsrichter binnen einer Sekunde ein Signal auf seinem Kopfhörer, zudem vibriert seine Uhr am Handgelenk. Das Unternehmen HawkEye Ltd. ist eine Tochter von Sony Europe und ist in dieser Saison in sämtlichen Begegnungen der Premier League im Einsatz.

Laut Aussage von Andreas Rettig, dem Geschäftführer der DFL, ist die Technik soweit ausgereift, dass die Toleranzgrenze weniger als einen Zentimeter beträgt. „Und zwar in jedem Stadion der Bundesliga“, so Rettig.

Bayern München hatte beantragt, dass die DFL sich erneut mit dem Thema beschäftigen möge. Bayern-Präsident Karl Hopfner sagte: „Ich bin froh, dass unser Antrag mit sehr, sehr klarer Mehrheit angenommen wurde. Das Ganze wurde professionell von der DFL-Geschäftsführung vorbereitet.“

Kritik von Eintracht Frankfurt

Die Abstimmung der Bundesligisten hatte zur Folge, dass die Satzung der DFL geändert werden musste. Dafür war eine zweite Abstimmung aller 36 Erst- und Zweitligisten erforderlich. Die deutschen Profivereine votierten hier mit 34:2-Stimmen deutlich für eine Änderung.

Gegen die Entwicklung hatte von Anfang an Eintracht Frankfurt gestimmt. „Es ist ein klares Votum der Bundesliga. Und diesem Votum hat man sich zu beugen“, sagte Bruchhagen nach der DFL-Mitgliederversammlung. Mit gravierenden Folgen rechnet Bruchhagen nach der Entscheidung zur Einführung des Systems nicht. „Es wird dadurch keine entscheidenden Veränderungen im Fußball geben. Wenn wir bei der Eintracht vor zehn Jahren die Torlinientechnologie eingeführt hätten, hätten wir sie zehn Jahre lang gehabt – ohne sie einmal zu nutzen.“

Schalkes Sportdirektor Horst Heldt sagte: „Wir waren aus den verschiedensten Gründen dagegen. Wenn sich die Mehrheit dafür entschieden hat, freuen wir uns 2015/16 auf die Torlinientechnik. Wenn man bereit ist, neue Techniken einzuführen, sollten wir hin zum Videobeweis gehen.“

„Jetzt herrscht Klarheit“

Auch bei Hertha wurde das Thema diskutiert. Torwart Thomas Kraft sagte: „Die Torkamera finde ich gut. Jetzt herrscht Klarheit. Ich hatte schon solche strittigen Situationen und bin froh, dass das nun nicht mehr vorkommt.“

Herthas Torjäger Salomon Kalou sagte: „Diese Entscheidung nimmt dem Fußball und den Gesprächen danach viel von der Ursprünglichkeit des Spiels. Die ganzen Diskussionen, die jetzt nach einem zweifelhaften Tor nicht mehr geführt werden können (grinst). Aber wenn es so ist, dann machen wird das jetzt so.“