Tischtennis

Zwei Berlinerinnen führen Deutschland zum EM-Titel

Das Team der deutschen Tischtennis-Spielerinnen feiert die sechste Goldmedaille in der Geschichte des Wettbewerbs. Shan Xiaona und Petrissa Solja triumphieren gegen Österreich.

Foto: Tiago Petinga / dpa

Deutschlands Tischtennis-Spielerinnen haben ihren EM-Titel erfolgreich verteidigt. Im Finale behielt das Team von Bundestrainerin Jie Schöpp gegen Österreich mit 3:0 die Oberhand und feierte die sechste Goldmedaille in der Geschichte des Wettbewerbs. Das eindeutige Ergebnis drückt jedoch nicht annähernd die Dramatik des Endspiels aus.

Sowohl Han Ying als auch Shan Xiaona standen vor einer Niederlage. Sie lagen jeweils mit 0:2 Sätzen zurück, ehe sie sich ins Spiel kämpften. Shan triumphierte gegen Sofia Polcanova in Lissabon bereits zum vierten Mal im entscheidenden Durchgang, Han hatte bis zum Finale noch keinen Satz abgegeben. Die 31 Jahre alte Abwehrspielerin hatte mit Ex-Europameisterin Liu Jia, die sie beim 3:0 in der Vorrunde noch klar bezwungen hatte, schwer zu kämpfen. Erst nach 46 Minuten verwandelte Han ihren dritten Matchball.

Österreichs Widerstand war gebrochen: Für den dritten Punkt sorgte Petrissa Solja gegen Li Qiangbing mit dem einzigen klaren Erfolg des Tages (3:0). Shan und Solja starten für den Deutschen Meister TTC Eastside Berlin. Auf der Bank jubelten Sabine Winter und Irene Ivancan, die in Lissabon ebenfalls ihren Teil zum Triumph beigetragen hatten.

Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), fand lobende Worte für die Auftritte des Quintetts: „Alle Spielerinnen sind im Vergleich zum vergangenen Jahr noch einmal stabiler geworden.“ Gemeinsam leben und trainieren die Fünf in Düsseldorf, das hohe Niveau im Trainingszentrum ist für Schimmelpfennig der Schlüssel für die Erfolge: „Um halbwegs an die asiatische Spitze heranzukommen, brauchen wir dieses Niveau.“ Der Blick der deutschen Frauen geht längst in Richtung der alles überragenden Chinesinnen – und in Richtung Brasilien. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 ist die erste Tischtennis-Medaille deutscher Frauen das erklärte Ziel.

Männer überraschend besiegt

Die Serie der deutschen Männer ist dagegen unverhofft gerissen. Nach sechs Titeln in Folge musste sich das Team um Timo Boll mit Silber begnügen. Im Finale unterlagen Boll, Dimitrij Ovtcharov und Steffen Mengel gegen Portugal 1:3 und kassierten damit die erste EM-Niederlage nach neun Jahren. Umjubelter Star der Gastgeber war Marcos Freitas, der seine Mannschaft mit einem 3:0 gegen Steffen Mengel (Bergneustadt) nicht nur in Führung brachte, sondern auch den entscheidenden Punkt zum 3:1 holte, indem er Boll in vier Sätzen bezwang.