Sportgymnastik

Mit viel Eleganz aus Sibirien in die Berliner Schmeling-Halle

Darja Sajfutdinova wurde in Nowosibirsk geboren. Heute ist die 16-Jährige eine der besten deutschen Gymnastinnen und startet beim Berlin Masters in der Schmeling-Halle.

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Die kleine Darja war sich nicht sicher. Fest stand nur, dass sie unbedingt intensiv Sport treiben wollte. Und elegant sollte es aussehen. Also schnürte die knapp Sechsjährige 2003 in Marzahn die weißen Eislaufschuhe und begab sich auf die spiegelglatte Fläche. Zwar gefielen dem zierlichen Mädchen die schönen Bewegungen, „aber mir war es beim Eiskunstlauf einfach zu kalt“, erinnert sich Darja Sajfutdinova an ihre sportlichen Anfänge. Gleich nebenan in der Turnhalle war es wärmer, dort trainierte gerade der Gymnastik-Nachwuchs von Fortuna Marzahn. „Das habe ich ausprobiert und es hat mir sofort viel Spaß gemacht, und so bin ich dabei geblieben“, erzählt die Berlinerin.

Es war seinerzeit offenbar die richtige Wahl, denn Darja Sajfutdinova trainierte fortan fleißig und gehörte in der Rhythmischen Sportgymnastik rasch zu den besten ihres Jahrgangs. Seit dieser Saison turnt die 16-Jährige bei den Erwachsenen, in der sogenannten Meisterklasse – und am Wochenende erlebt die Schülerin den wohl größten Moment ihrer noch jungen Karriere: sie startet beim Berlin Masters in der Max-Schmeling-Halle, vor rund 4000 Zuschauern und ihrer ganzen Familie. „Damit geht für mich ein großer Traum in Erfüllung“, sagt Darja Sajfutdinova, die als Kind das Event von der Tribüne aus verfolgt hatte. Sie lacht: „Und jetzt bin ich selbst dabei, das ist sensationell.“

Weltelite aus 16 Ländern am Start

Beim Berlin Masters (Sonnabend und Sonntag jeweils ab 13 Uhr) gibt sich die gesamte Weltelite die Ehre. Insgesamt sind 20 Gymnastinnen aus 16 Ländern dabei. An der Spitze des Starterfeldes steht die zweimalige Weltmeisterin Margarita Mamun aus Russland. Die Einzel-Wettkämpfe werden ergänzt durch einen Gruppenwettkampf der Nationalmannschaften. Aus Deutschland gehen drei Athletinnen an den Start. Neben der Berlinerin Sajfutdinova wollen sich auch die Olympia-Teilnehmerin und WM-13., Jana Berezko-Marggrander (Schmiden), und die Zweitplatzierte des Masters 2012, Laura Jung (St. Wendel), bei dem Finale der Grand-Prix-Serie in der Schmeling-Halle beweisen.

Sie sei schon ein bisschen aufgeregt vor ihrer Premiere, erzählt Darja Sajfutdinova, die seit zwei Jahren am Bundesstützpunkt der Rhythmischen Sportgymnastik in Fellbach-Schmiden bei Stuttgart lebt und trainiert. „Aber ich freue mich, dass meine Eltern in der Halle sein werden und ich sie nach dem Wettkampf in die Arme schließen kann.“ Wohnen tut sie am Wochenende mit ihren Mannschaftskameradinnen aber im Hotel. Das gehört sich im Leistungssport so. „Aber Berlin ist meine Heimatstadt, in der ich aufgewachsen bin, in der meine Familie lebt und mein Bruder Artur bei Hertha Fußball spielt. Das ist einfach meine Stadt und mein Publikum.“

Ball und Keulen sind die Lieblingsgeräte

Während die aussichtsreichen Berezko-Marggrander und Jung die Atmosphäre beim Berlin Masters schon kennen – Laura Jung wurde im Vorjahr sogar bei der Publikumswahl zur „Miss Turnier“ gewählt –, geht es für Sajfutdinova vor allem auch darum, Erfahrung vor großer Kulisse zu sammeln. „Man darf von Darja jetzt noch keine Wunderdinge erwarten“, sagt denn auch ihr Stützpunkttrainer Thomas Schütte, „immerhin geht sie als Novizin ins Berlin Masters.“

Gleichwohl hat die Berlinerin bei ihren ersten Deutschen Meisterschaften in der Meisterklasse dieses Jahr mit starken Leistungen für Aufsehen gesorgt. Im Mehrkampf gewann sie die Bronzemedaille, sie wurde mit dem Reifen Zweite, mit Ball und Band jeweils Dritte und erreichte mit den Keulen Platz vier. Ball und Keulen seien ihre Lieblingsgeräte, sagt sie. „Das Publikum aber favorisiert meistens den Reifen.“

Fachabitur und Olympia im Visier

Damit es am Ende auf der Matte so leichtfüßig und elegant aussieht, dafür trainiert Darja Sajfutdinova zweimal am Tag. Morgens und abends. Dazwischen steht natürlich noch die Schule an. Im Sommer gelang ihr der Realschulabschluss, jetzt geht die 16-Jährige in Stuttgart auf die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, gehört dort dem Zweig Berufskolleg „Sportmanagement“ an, den sie am Ende mit dem Fachabitur abschließen will. Zu ihren Mitschülern gehören auch viele Nachwuchsfußballer des Bundesligisten VfB Stuttgart.

Ihre schulische Laufbahn treibt die Gymnastin genauso gewissenhaft voran wie ihre sportliche Entwicklung. Und das nicht ohne Grund. „Mein Ziel ist es, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro zu starten“, sagt Sajfutdinova mit Nachdruck. Sie lächelt. „Vom Alter her würde das ja sehr gut passen, dann bin ich 19 Jahre alt.“ Ein klares Ziel hat die junge Frau, ein Vorbild auch. Und das trägt den gleichen Vornamen: Daria Dmitrieva. Die Russin gewann mehrere Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften, holte zudem die Silbermedaille bei den olympischen Sommerspielen 2012 in London. Und sie stammt auch aus Sibirien.

Denn Darja Sajfutdinova ist zwar Berlinerin, wurde aber vor 16 Jahren in Nowosibirsk geboren, der drittgrößten Stadt Russlands. „Ich war dreieinhalb Jahre alt, als wir nach Berlin gekommen sind“, erinnert sich die Gymnastin, „jetzt ist Berlin meine Heimat.“