20. Motorbootrennen

Berliner Motorboot-Pilot hat es in Grünau besonders eilig

Die Rennen in Grünau sind für den Berliner Mike Szymura nur Durchgangsstation zu größeren Zielen. Gleich danach bricht er nach Südchina auf – zur Weltmeisterschaft der Formel-1-Rennboote.

Foto: Mike Szymura / Foto/Szymura

Mike Szymura ist am kommenden Sonntag in Eile, es muss definitiv schnell gehen. Kunststück, denn der 20 Jahre alte Rennfahrer startet beim 20. Motorbootrennen in Grünau. Für den Berliner, der sich in der spektakulärsten Klasse des Programms (ADAC Masters) noch Chancen auf den nationalen Meistertitel ausrechnen kann, drängt die Zeit aber noch aus einem anderen Grund. Nach dem ersten von vier Rennen am Sonnabend endet sein letzter Wettbewerb in Berlin tags darauf um 15.25 Uhr. Schon gegen 18 Uhr muss er auf dem Flughafen Tegel sein, weil bereits um 19.30 Uhr die Reise in Richtung China beginnt. Szymura und sein Vater Peter, 50, fliegen nach Peking. Von dort aus geht es weiter nach Liuzhou (Südchina) – zur Weltmeisterschaft der Formel-1-Rennboote.

Ohne Eile, in einer gemütlichen Pizzeria, erzählt der momentan vielleicht talentierteste deutsche Nachwuchsrennfahrer, wie sehr er sich auf diese Doppelbelastung freut. „Da ist erst einmal das Umfeld auf den internationalen Rennplätzen. In der Formel 1, wo ich im Rahmenprogramm starte, sind die Dinge natürlich auf die exklusive Bootsklasse ausgerichtet. Die Infrastruktur ist professionell und die Betreuung ist es auch.“

Jeden Tag harte Arbeit

Dass er nach zwei Rennen in Brasilien und der Ukraine die WM-Tabellenführung der bis 160 km/h schnellen F4S-Kategorie erobert hat, erwähnt Szymura eher nebenbei. Dass weitere Rennen in Doha (Katar), Abu Dhabi und Sharjah (beides Vereinigte Arabische Emiraten) anstehen, ebenfalls.

Das alles klingt nach gut bezahltem Jetsetter wie beispielsweise Sebastian Vettel, ist es aber nicht. Szymura lernt Bäcker, kennt die tägliche Überwindung des frühen Aufstehens und ebenfalls die, in jeder freien Minute für seine Leidenschaft zu arbeiten. Ein Rennwochende kostet im Schnitt 1000 Euro. Ein ADAC-Masters-Boot gut 25.000. Dabei vergisst er nicht zu betonen, dass sein Lehrherr auch seinen Sport unterstützt. Den Kontakt in die Formel-1-Szene hat ihm ausgerechnet ein nationaler Konkurrent vermittelt. „Ich bin gut bekannt mit Stefan Hagin, der ist früher in der auch F4S gefahren. Als sein ehemaliger Teamchef einen neuen Piloten gesucht hat, hat Stefan uns in Kontakt gebracht“, sagt Szymura.

Auch Vater Peter ist mit im Boot

Nach einigen Verhandlungen, unter anderem auch mit Sponsor Hublot – der Schweizer Uhrenhersteller ist in der Motorboot-Rennszene eng verzahnt – konnten Verträge zwischen Szymura und dem portugiesischen Atlantic-Team unterschrieben werden. „Teamchef Duarte Benevente hat Mike einige Zeit beobachtet oder beobachten lassen. Er war von seiner Leistung überzeugt und ist auch jetzt zufrieden. Das Boot wird von Team Atlantik gestellt und für die Transporte ist der Promoter der Formel 1, H2O zuständig“, gibt Peter Szymura stolz preis. Natürlich steuert auch er seinen Anteil zur Finanzierung bei.

Begonnen hat die gemeinsame Leidenschaft für den Sport bei einem Rennbesuch – 2007 in Grünau. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich im Team von Uwe Brettschneider (der Berliner Anlageberater ist am Wochenende Konkurrent von Szymura, d. R.) angefangen habe. 2009 habe ich meinen ersten Deutschen Meistertitel gewonnen, 2011 den zweiten. Dieses Jahr kommt ja vielleicht noch was dazu“, lacht Szymura. Für das anstehende Wochenende erwartet er ein Duell mit dem derzeit in der ADAC-Masters führenden Edgars Riabko aus Litauen. „Edgars ist sehr stark. Er findet sich auf jedem Wasser gut zurecht“, so Szymura, der aber hinzufügt „Schlagbar ist er trotzdem“. Zünglein an der Waage in Grünau könnte Uwe Brettschneider sein. Er liegt auf Position drei in der laufenden Meisterschaft.

Gastgeber wollen Chancen wahren

Ein neuer Weltmeister wird in der Formel 500 gekürt. Als Kandidat Nr. 1 und mit 76 Punkten Tabellenführer kommt der Wahl-Österreicher Attila Havas, ein alter Bekannter in Berlin, nach Grünau. Nach bislang fünf Durchgängen nur einen Punkt zurück liegt der Ungar Robert Hencz auf Platz zwei, weitere drei Pünktchen dahinter lauert der Slovake Marian Jung. Mit viel Lokalpatriotismus können die Zuschauer auf einen neuen Europa-Champion in der Formel R-1000 freuen. Titelverteidiger Peter Heibuch reist mit 37 Punkten als Vierter an. Sieben Punkte trennen ihn vom führenden Patrick Zdralek aus Oberursel (44 Zähler). Fünf Punkte Rückstand muss der Zweitplatzierte Udo Kaschube aufholen. Das würde dem Betreiber einer Bootswerft den fünften EM-Titel sichern.