Gegen Russland

Deutsche Volleyballerinnen verlieren ihr EM-Endspiel

Die deutschen Volleyballerinnen haben das Endspiel der Heim-EM verloren. Sie unterlagen in Berlin Weltmeister Russland mit 1:3 und mussten sich zum zweiten Mal in Serie mit Silber begnügen.

Foto: Soeren Stache / dpa

Der Beifall der Zuschauer sollte die deutschen Volleyballerinnen trösten. Aber nach dem Ende waren sie erst einmal untröstlich. Der große Traum, den EM-Titel im eigenen Land zu gewinnen, hatte sich nicht erfüllt. Nach dem 1:3 (23:25, 25:23, 23:25, 14:25) am Abend in der Berliner Max-Schmeling-Halle gegen Weltmeister Russland blieb „nur“ Platz zwei.

Aber dieses deutsche Team, trainiert von Giovanni Guidetti, hat ein ganz tolles Turnier gespielt und die Herzen der Zuschauer erwärmt. Die Spielerinnen trugen nach dem Spiel ein Plakat mit der Aufschrift „Danke, liebe Fans“. Es flossen viele Tränen, während der Song der Toten Hosen „Steh’ auf, wenn Du am Boden liegst“ gespielt wurde. Und wenige Minuten später tanzten sie dann wieder auf dem Parkett.

Bundestrainer lobt sein Team

„Wir sind unheimlich stolz, dass uns so viele Menschen unterstützt haben. Klar sind wir enttäuscht, wenn man zum zweiten mal ein EM-Finale verliert. Aber ich denke, jeder hat gesehen, dass wir hundert Prozent gegeben haben“, sagte Kapitänin Margareta Kozuch. Auch der Bundestrainer wollte erst gar keine allzu große Enttäuschung aufkommen lassen: „Wir müssen stolz sein auf das, was wir erreicht haben. Wir mussten immer auf Fehler der Russinnen warten, es war ein superschweres Match. Aber: Ich bin stolz auf diese Mannschaft“, so Guidetti.

Weltmeister Russland galt nach dem großartigen Auftritt im Halbfinale gegen Serbien (3:0) als Favorit, aber beseelt von ihrem 3:2 im Krimi gegen Belgien tags zuvor hatten die deutschen Spielerinnen ihren Optimismus nicht verloren. „Ich glaube fest dran, dass wir es schaffen“, hatte Kozuch vorher erklärt.

Seit dem 25. Mai, als sich Guidettis Kader traf, war alles nur auf den großen Moment ausgerichtet. Das Team hatte sich selbstbewusst unter Druck gesetzt, indem immer wieder von Gold bei der Heim-EM gesprochen worden war.

Doch die Ausgangssituation vor dem Showdown war sehr schwierig. Mal ganz abgesehen von der tollen Form Russlands hatte das Team von Trainer Juri Marischev auch noch den Vorteil, viel frischer ins Endspiel gehen zu können. Während die Deutschen am Freitagabend zwei Stunden und 14 Minuten lang kämpfen mussten, um Belgien zu schlagen, hatten die Russinnen ihre Halbfinal-Aufgabe gegen Serbien ruck, zuck in 70 Minuten erledigt. Und sie hatten zudem einige Stunden länger Zeit gehabt, um zu regenerieren.

Doch „unser Plus“, wie es Kozuch nannte, sollte – wie gegen Belgien – helfen: der Heimvorteil. Erneut gaben die Fans in der Halle alles, die Unterstützung fürs deutsche Team war grandios und toppte noch einmal die Atmosphäre vom Vortag. Die 8513 Fans in der ausverkauften Arena droschen bis zur Erschöpfung ihre Klatschpappen, schrien und sangen zu den Musikeinblendungen, trampelten.

Aber die großartige Unterstützung schien nichts zu helfen. Anfangs schmetterten die Russinnen ihren Kontrahentinnen die Bälle nur so um die Ohren – 0:4. Der Block Russlands war erst einmal unüberwindlich. Aber der Funke sprang schnell von den Rängen aufs Feld zu den deutschen Spielerinnen über. Infernalisch der Lärm, als Guidettis Team zweimal (13:12, 14:13) in Führung ging. Aber immer lag Russland, dirigiert von Ekatarina Pankova, danach vorn, Deutschland musste aufholen. Was bis zum 22:22 auch gelang. Doch den zweiten Satzball verwandelten die Russinnen dann nach 30 Minuten sicher.

Aber trotz des Satzverlustes hatten die Deutschen Mut gefasst, sie hatten gesehen, dass sie mithalten konnten gegen die an Größe klar überlegenen Gegnerinnen. Die Zuspiele von Kathleen Weiss kamen im zweiten Satz immer besser an. Auf bis zu sechs Punkte (12:6, 15:9, 19:13) wuchs die deutsche Führung an, auch weil die Blockarbeit immer besser wurde. Russland war irritiert. Die deutschen Frauen kämpften voll mit Adrenalin, von Müdigkeit keine Spur. Und mit dem dritten Satzball zum 25:23 war nach 31 Minuten der Satzausgleich geschafft.

Umstrittene Entscheidung

In Satz drei ging es gut weiter (9:7). Doch eine umstrittene Entscheidung der Hauptschiedsrichterin, die sich über den Video-Beweis hinwegsetzte, zum 9:9 schien die Deutschen aus dem Rhythmus gebracht zu haben. Doch bei 23:23 war alles offen, längst standen die Zuschauer. Dennoch waren es die Russinnen, die ihren ersten Satzball (23:25) nach 34 Minuten nutzten. Würden sich Margareta Kozuch und Co. noch einmal aufraffen können? Es gab Missverständnisse, schnell lag man 3:7 zurück, aber Aufgeben galt nicht: 7:8. Doch auf einmal war es wie abgerissen – 7:14. Die Deutschen waren platt, der Rückstand wurde immer klarer (13:24). Die Russinnen verwandelten ihren ersten Matchball.

Zuvor hatte sich im Spiel um Platz drei Belgien mit 3:2 (23:25, 25:21, 28:26, 21:25, 15:11) gegen Titelverteidiger Serbien durchgesetzt und damit die erste Medaille überhaupt für den belgischen Volleyball erkämpft.