Qualifikation

Joachim Löw schwört deutsches Team auf den WM-Gewinn ein

Vor dem Qualifikationsspiel gegen die Färöer schwört sich die Nationalelf auf den WM-Gewinn ein. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

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Es hatte den Anschein, als hätten sie sich abgesprochen, so oft wurde in den vergangenen Tagen im Kreis der deutschen Fußball-Nationalmannschaft darüber geredet. Den Anfang machte Bundestrainer Joachim Löw, der davon sprach, wie wichtig es mit Blick auf die Zukunft der Mannschaft sei, endlich auch mal den letzten Schritt zu machen. Es folgte sein Assistent Hansi Flick, der sagte, dass nun verstärkt daran gearbeitet würde, um am Ende den letzten Schritt gehen zu können. Zu guter Letzt plauderte am Donnerstag auch noch Kapitän Philipp Lahm darüber, dass intern vor allem die Frage besprochen werden müsse: „Wie können wir den letzten Schritt machen?“

Wie inflationär über diesen einen, letzten Schritt debattiert wurde, zeigt, was die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) derzeit bewegt. Es ist jener Schritt bis zum lang ersehnten Titel, den die deutsche Mannschaft bei den vergangenen vier Turnieren verfehlt hat. Knapp zwar, weil sie bei zwei Welt- und zwei Europameisterschaften mindestens bis ins Halbfinale gekommen ist. Aber zum Triumph hat es eben nie gereicht. Den aber strebt die Mannschaft nun bei der WM 2014 in Brasilien an. In die Qualifikation für das Turnier in Südamerika startet sie am Freitagabend in Hannover mit dem Spiel gegen die Färöer (20.45 Uhr, ZDF).

Mit einem Sieg – es wäre der 500. im 866. Länderspiel – würde die deutsche Nationalmannschaft zumindest den ersten Schritt machen. Denn bis zum letzten ist es noch ein langer Weg. Das weiß auch der Bundestrainer. „Diese Gruppe wird kein Selbstläufer“, sagte Löw, der mit Siegen gegen die Färöer und am Dienstag in Wien gegen Österreich starten möchte: „Ich bin sehr zuversichtlich. Denn ich spüre, dass der Erfolgshunger bei der Mannschaft nach der EM-Enttäuschung absolut vorhanden ist.“

Erwartungshaltung ist gestiegen

Dem 52-Jährigen und auch seinen Spielern ist bewusst, dass sie mit dem Start in die Qualifikation unter besonderer Beobachtung stehen. Zwar ist die Nation nach wie vor davon angetan, dass inzwischen eine deutsche Mannschaft auf dem Platz steht, die Fußball auch zelebrieren kann. Gleichzeitig haben sich die Anhänger aber an die Erfolge gewöhnt, weshalb die Erwartungshaltung in den vergangenen Jahren automatisch gestiegen ist. Zumal viele Nationalspieler das hohe Anspruchsdenken auch noch regelmäßig befeuern, indem sie davon sprechen, einen Titel gewinnen zu wollen.

Auch Kapitän Lahm hat es jetzt wieder getan. Noch nicht einmal für die Weltmeisterschaft qualifiziert, sprach er vor der Partie gegen die Färöer bereits von seiner Vorfreude auf das Turnier 2014, „weil wir dann wieder um den Titel mitspielen werden“. Dies müsse der Anspruch sein, wenn die jüngste Vergangenheit betrachtet werde: „Da kann man nicht sagen, dass wir ins Viertelfinale wollen.“

Was der 28 Jahre alte Münchner und seine Kollegen schließlich zu leisten im Stande sein werden, bleibt abzuwarten. In vielen Gesprächen haben die Trainer im Sommer erst allein und in den vergangenen Tagen auch mit dem einen oder anderen Spieler zusammen versucht herauszufinden, wo die Gründe dafür liegen, dass die deutsche Mannschaft in der Vergangenheit im entscheidenden Moment versagt hat. Als erste Konsequenz daraus soll auf dem Weg zur WM 2014 wieder verstärkt daran gearbeitet werden, die Persönlichkeit jedes einzelnen Nationalspielers noch besser zu entwickeln.

Podolski ist nicht mehr gesetzt

Denn wenn es allein um fußballerische Fähigkeiten gehen würde, bräuchte sich der Bundestrainer derzeit keine Sorgen zu machen. Das Angebot an talentierten Kräften ist groß, so dass etwa ein etablierter Nationalspieler wie Lukas Podolski mit immerhin 101 Länderspielen nicht mehr gesetzt ist. Für ihn wird der Dortmunder Marco Reus auf der linken Seite zum Einsatz kommen.

Doch Löw und seinem Betreuerstab ist in der jüngsten Vergangenheit eben auch nicht entgangen, dass die Spieler mental nicht immer auf der Höhe waren, wenn es darauf ankam, den letzten Schritt zu gehen. Ob nun symbolisch auf dem Weg zum Ziel oder letztlich auf dem Platz.

So sagte Löws Assistent Flick, dass die Spieler das Gebot verinnerlichen müssten, „hoch zu attackieren“, das heißt, den Gegner durch frühes Pressing unter Druck setzen. Bei der EM in Polen und der Ukraine hätte das laut Flick phasenweise bereits ganz gut geklappt. Doch der „letzte Schritt“ habe bei einigen Spielern gefehlt. Dies zu verbessern, sei Aufgabe des gesamten Trainerteams in den kommenden Monaten.

Toni Kroos fällt aus

Den ersten Aufschluss darüber, wie lernfähig die Mannschaft ist, wird es gegen die Färöer geben. Kapitän Lahm ist überzeugt davon, dass die Mannschaft mit einem Sieg in die WM-Qualifikation starten wird. „Wir wissen, dass wir uns insgesamt noch verbessern können. Aber wir sind heiß, und wir wollen gewinnen“, sagte Lahm, der ab sofort im Nationalteam wieder rechts in der Viererkette spielen wird; wie beim FC Bayern. Links rückt der Dortmunder Marcel Schmelzer ins Team. Verzichten muss Löw auf Toni Kroos. Der Mittelfeldspieler von Rekordmeister Bayern München laboriert an einer Beckenprellung.