Mit 59 Jahren

Buggenhagen holt ihre dreizehnte Paralympics-Medaille

Paralympics-Urgestein Marianne Buggenhagen hat in London Silber im Kugelstoßen gewonnen. Dabei hatte sie die beste Weite.

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Sie kann es immer noch: Paralympics-Urgestein Marianne Buggenhagen hat im Alter von 59 Jahren Silber im Kugelstoßen gewonnen. Die querschnittsgelähmte Berlinerin musste sich am Samstagabend nur der Chinesin Liwan Yang geschlagen geben. Überraschen konnten Claudia Nicoleitzik und Heinrich Popow, die über die 200 Meter jeweils zu Bronze sprinteten. Und auch auf die Dressurreiterinnen ist Verlass: Britta Näpel und Angelika Taubert sicherten sich in der Championatsaufgabe Silber und Bronze.

Buggenhagen unter eigenen Erwartungen

Buggenhagen hat seit 1992 insgesamt neun paralympische Goldmedaillen gewonnen, in London musste sich die 59-Jährige allerdings mit Platz zwei zufriedengeben. Zwar stieß Buggenhagen mit 8,32 Metern deutlich weiter als die siegreiche Chinesin Liwan Yang, nach Verrechnung der Punkte blieb aber unter dem Strich nur Rang zwei.

Sprinterin Claudia Nicoleitzik erreichte im Finale über 200 Meter in 32,08 Sekunden als Vierte das Ziel, erhielt jedoch nachträglich Bronze, weil die drittplatzierte Argentinierin Yanina Andrea Martinez der 22 Jahre alten Völklingerin nach 100 Metern in die Bahn gelaufen war. „Das war eindeutig, sie hat mich total irritiert“, sagte die Athletin, die an der Nervenkrankheit Ataxie leidet, nach ihrem Lauf. Kurz nach dem Rennen hatten die Kampfrichter die Argentinierin Nadia Schaus disqualifiziert, ihre Entscheidung dann jedoch nochmals revidiert.

Bereits am Vormittag gewann Heinrich Popow nach dem undankbaren vierten Platz im Weitsprung überraschend über die 200 Meter seine erste Medaille. „Heute Nacht hatte ich wahnsinnige Krämpfe und habe nur drei Stunden geschlafen. Dass ich dann hier heute Morgen meine Bestleistung noch mal eine Sekunde runterschrauben konnte, ist der Wahnsinn, und das auf der Innenbahn. Die Kurve hat sich so geil angefühlt“, sagte der oberschenkelamputierte Leverkusener, der mit 25,90 Sekunden Bronze holte.

„Einfach saugeil“

„Das war schon beim Reiten ein unbeschreibliches Gefühl, ich bin noch nie vor so einer Kulisse geritten, einfach saugeil“, sagte Reiterin Näpel und wischte sich ein paar Tränen aus dem Gesicht. Im Sattel ihrer geliehenen Stute Aquilina zeigte die 44-Jährige, die seit einer Vergiftung durch Insektenschutzmittel an spastischen Lähmungen leidet, einen harmonischen Ritt im Viereck.

Vor vier Jahren hatte die Langenhagenerin in der Championatsaufgabe gewonnen und dem deutschen Team die erste Goldmedaille in Hongkong beschert. „Eigentlich habe ich das Pferd aus einer Notlage heraus bekommen, weil meines zu den Weltreiterspielen 2010 nicht fit war. Dass es dann hier so klappt, ist einfach unglaublich“, sagte die Pferdewirtschaftsmeisterin.

Den deutschen Erfolg beim Sieg der Britin Natasha Baker komplettierte Angelika Taubert auf Ariva Avanti. „Wir haben das Beste aus uns herausgeholt. Ich bin total glücklich, dass es heute so gut lief“, sagte die 44-Jährige, die ohne Beine und nur mit drei Fingern an der rechten Hand auf die Welt kam. Beim Team-Test vor zwei Tagen hatten die Beiden vor den Preisrichtern im Greenwich-Park noch nicht überzeugt. „Ariva Avanti war wegen der Kulisse so nervös“, erklärte sie.