Bundesliga

Bayern lassen bei Liga-Neuling Fürth nichts anbrennen

Zurück zu alter Stärke: Der FC Bayern muss sich neu erfinden. Das 3:0 bei Greuther Fürth war dafür ein guter Anfang.

Am Ende wurde es standesgemäß, doch lange Zeit mühte der FC Bayern München sich gegen den Bundesligaaufsteiger SpVgg Greuther Fürth. Erst durch eine beherzte Schlussoffensive kam der Rekordmeister zu einem ungefährdeten 3:0 (1:0)-Auftaktsieg und beendete damit eine Sommerpause, die geprägt war von der Aufarbeitung der vergangenen Saison, die bekanntlich alles andere als glücklich für die Bayern gelaufen war. „Wir haben insgesamt sehr souverän und klug gespielt. Wir haben den Spielrhythmus bestimmt und hochverdient gewonnen“, sagte Heynckes nach dem Spiel. Und Nationalspieler Thomas Müller scherzte: „Im Fernduell mit Dortmund sind wir vorne – unser Torverhältnis ist besser. Jetzt müssen wir nicht jeden Tag in den Gazetten lesen, dass wir dem BVB wieder hinterherlaufen.“

Die Fürther hätten ihr Stadion gleich mehrfach füllen können. Zum einen, weil nur 18000 Zuschauer in die Mini-Arena passen, zum anderen, weil die Bundesliga-Euphorie riesengroß ist beim Neuling. Und dann noch das Auftaktspiel gegen den großen Nachbarn aus München – Fußballherz, was willst du mehr?

Der FC Bayern musste neben dem verletzten Stürmer Mario Gomez, dem Anfang August freie Gelenkkörper operativ aus dem Sprunggelenk entfernt wurden, auch auf Franck Ribery verzichten. Der Franzose hatte sich mit Grippe abgemeldet. Und auch Bastian Schweinsteiger stand nicht bei Anpfiff auf dem Platz, Trainer Jupp Heynckes setzte ihn nach langer Verletzung und damit einhergehender Formschwäche zunächst auf die Bank und brachte statt dessen Luiz Gustavo. Erst in der 72. Minute wurde er eingewechselt. Dafür durften die Zugänge Dante, Mandzukic und Shaqiri von Beginn an ran. Nicht dabei war logischerweise Javi Martinez. Den würden die Münchner zwar gern verpflichten und für den spanischen Nationalspieler sogar die Bundesliga-Rekordablösesumme von 40 Millionen Euro zahlen. Doch dessen aktueller Arbeitgeber Athletic Bilbao sträubt sich gegen den Transfer, und so war auch am Sonnabend noch kein Vollzug zu vermelden. „Es gibt keine neuen Fakten. Es kann erst neue Fakten geben, wenn Bilbao uns die Möglichkeit gibt, seriös ein Angebot zu unterbreiten. So lange dies nicht der Fall ist, werden wir dies nicht tun“, sagte Sportdirektor Matthias Sammer.

Aufregung um Heynckes

Mehr Aufregung als um den dezimierten Kader und die Hängepartie im Fall Martinez hatte es zuvor um Heynckes selbst gegeben. Der hatte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ offen von Abschied gesprochen: „Ich sage es ganz ehrlich: Wir haben einen Zwei-Jahres-Vertrag, der endet am 30. Juni 2013. Und dann geht wieder ein Lebensabschnitt zu Ende.“ Offenbar war er dann doch etwas überrascht von seiner forschen Formulierung und ruderte vor der Partie in Fürth zurück: „Ich habe nicht gesagt, dass ich dann aufhöre. Das hat natürlich Interpretationsspielraum, das ist schon richtig.“ Im Frühjahr 2013 werden er und Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sich zusammensetzen, „und dann werden wir schauen, wo der Weg hingeht“, sagte Heynckes.

Es gibt also einiges zu klären beim Rekordmeister, doch zunächst ging es darum, unfallfrei in die Saison zu starten, nachdem Rivale Borussia Dortmund schon tags zuvor einen Sieg vorgelegt hatte. Es herrschte ja eine merkwürdige Mischung aus Frustration und Aufbruchstimmung in München während der fußballfreien Zeit. Drei zweite Plätze in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League in der vergangenen Saison hatten das Selbstverständnis des FC Bayern erschüttert. Nun will sich der Klub neu erfinden und verpflichtete neben Spielern auch Sammer als neuen Kopf des Klubs.

Letztlich lockeres Spielchen für Rekordmeister

Als es dann losging, war es der Mannschaft deutlich anzumerken, dass sie in der Konstellation noch nie zusammengespielt hatte. Zwar erspielte sie sich rund 75 Prozent Ballbesitz. Doch dem Tor des Fürther Schlussmanns Max Grün kamen sie nur selten nah. Zu konsequent räumten die Gastgeber ab, die dabei jederzeit bereit waren, auch auf rustikale Techniken zurückzugreifen.

Erst kurz vor der Pause gab es die erste Chance für die Gäste aus der Landeshauptstadt – und den ersten Treffer. Shaqiri schaufelte von rechts eine Ecke nach innen, Dante köpfte und griff sich schon entsetzt in die Lockenpracht, weil Heinrich Schmidtgal den Ball auf der Linie geklärt hatte. Doch der Fürther traf einen Mitspieler, Thomas Müller bewies Torinstinkt und staubte zum 1:0 (43.) ab.

Ähnlich effektiv ging es weiter beim FC Bayern. In der 59. Minute enteilte Arjen Robben seinen Verfolgern, wunderbar in Szene gesetzt von Shaqiri. Der Niederländer scheiterte zwar am stark reagierenden Torwart Grün. Doch von dessen Armen prallte der Ball zu Mandzukic, der den Ball nur noch ins leere Tor nicken musste.

Zwölf Minuten vor dem Ende war Robben erneut stark an einem Treffer beteiligt. Über die linke Seite drang er in den Fürther Strafraum ein, wollte eigentlich flanken und sah dann ebenso erstaunt wie erfreut zu, wie der Ball in hohem Bogen über Max Grün flog und im langen Eck einschlug. Der Fürther Thomas Kleine hatte das Spielgerät fatal abgefälscht – Eigentor (79.). So wurde es doch noch ein lockeres Spielchen für den Rekordmeister.