Schmiergeldaffäre

Joseph Blatter - „Ich bin ein glücklicher Präsident“

Der stark in die Kritik geratene Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, Joseph Blatter, denkt nicht an einen Rücktritt.

Seit jeher weiß Sepp Blatt sich zu verteidigen. Und so gelang es dem Schweizer auch am Dienstag wieder, sich trotz der heftigen Kritik in den vergangenen Tagen perfekt in Szene zu setzen. Ob nun während der Exekutivsitzung des Fußball-Weltverbandes Fifa oder auf der Pressekonferenz im Anschluss. Blatter mimte den starken, selbstbewussten Fifa-Präsidenten, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Nicht einmal Rücktrittsforderungen, die es in Person von Reinhard Rauball gegeben hatte. Der Präsident des deutschen Ligaverbandes hatte Blatter im Zuge der Schmiergeldaffäre am Telefon aufgefordert, sein Amt aufzugeben.

„Ich bin ein glücklicher Präsident, weil unser Reformprozess weitergeht. Ich als Präsident werde diesen Reformprozess weiter begleiten“, sagte Blatter, der sich gar als treibende Kraft im angeschlagenen Weltverband sieht.

Das Exekutivkomitee ernannte am Dienstag den deutschen Richter Joachim Eckert und den amerikanischen Staatsanwalt Michael Garcia zu den Vorsitzenden der beiden Kammern der neuen Ethikkommission, die den Kampf gegen die Korruption voranbringen soll. Der 64-Jährige Eckert leitet die 6. Strafkammer am Landgericht München und ist spezialisiert auf Wirtschaftsverfahren. Eckert war unter anderem an der juristischen Aufarbeitung der Siemens-Schmiergeldaffäre beteiligt und verurteilte 2010 den damaligen Siemens-Bereichsvorstand Michael Kutschenreuter zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung. Nun sollen Eckert und Garcia also helfen, die schlingernde Fifa wieder auf Kurs zu bringen. In einer Zeit, in der vor allem die Glaubwürdigkeit ihres Präsidenten mehr denn je gelitten hat. Doch Sepp Blatter ließ die Kritik an seiner Person abprallen. „Wenn ich jedes Mal darauf reagieren würde, wenn irgendwo auf der Welt jemand meinen Rücktritt fordert, würde ich mich blau und grün ärgern. Damit muss ich einfach leben. Wenn einer meinen Rücktritt will, muss es der Kongress machen“, sagte er und ergänzte, von keinen weiteren Schmiergeldzahlungen zu wissen.

Schmiergelder in Millionenhöhe

Am vergangenen Mittwoch hatte das Schweizer Bundesgericht bestätigt, dass Fifa-Ehrenpräsident Joao Havelange (96) und sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira (65) Schmiergelder in Millionenhöhe vom inzwischen insolventen Vermarkter ISL erhalten hatten. Blatter hatte dies verniedlicht und erklärt, erst bei der ISL-Pleite 2001 von den Zahlungen erfahren zu haben. Im Zuge dessen hatte Rauball Blatters Rücktritt gefordert. Jene Forderung, die Rauball am Dienstag noch einmal erneuerte, sei auf der Exekutivsitzung aber kein Thema gewesen. „Nein, wir haben über das Thema nicht gesprochen“, sagte Blatter und berichtete von großer Einmütigkeit sowie Geschlossenheit in der „Regierung des Weltfußballs“. Am Ende der Sitzung hätten alle Teilnehmer laut Blatter gesagt: „Wir folgen dir, denn wir sitzen alle in einem Boot.“

Und in diesem von Blatter beschriebenen Boot sitzt auch Theo Zwanziger. Der ehemalige DFB-Präsident stellte sich als Mitglied der Fifa-Führungsriege am Dienstag vor Blatter. „Aus Sicht der Fifa-Exekutive ist er absolut tragbar. Der Reformprozess wäre gar nicht weitergegangen ohne ihn“, sagte Zwanziger. Ein Rücktritt Blatters, wie ihn Rauball gefordert hatte, sei kein Thema auf der Sitzung gewesen, betonte Zwanziger: „Ich hatte keinen Auftrag, ihn zu fordern.“ Auch Zwanzigers Nachfolger beim DFB, Wolfgang Niersbach, gab sich moderat: „Das Wort Rücktritt wird sicherlich keine offizielle Initiative des DFB werden, so anmaßend sollten wir nicht sein. Die Fifa ist ein Verband von 209 Mitgliedsnationen, wir müssen die Gesamtstimmung ausloten.“

Blatter selbst sagte nach der Exekutivsitzung, dass er für sich verantwortlich sei, nicht aber für die Beurteilung seiner Person durch andere. „Wenn sie mich nicht mehr wollen in der Fifa, dann werden die Verbände aufstehen: ‚Blatter, wir wollen nicht mehr.' Ich werde sagen ‚Danke schön' und gehe dann weg. Ohne Wenn und Aber. Das ist aber der Kongress, der das macht“, sagte Blatter.

Seit Juni 1998 ist der Schweizer als Fifa-Präsident im Amt. Und wie immer, wenn es mal eng wurde, wusste sich Blatter auch diesmal, gekonnt freizuschwimmen. Als er am Dienstag vor die anwesenden Medienvertreter trat, wirkte er zwar angespannt, aber keineswegs angeschlagen. Nachdem sein Ablenkungsmanöver mit den Korruptionsvorwürfen in Bezug auf die WM-Vergabe 2006 fehlgeschlagen war und er sich daraufhin heftiger Kritik ausgesetzt sah, hatte er sich am Dienstagmorgen mit einem offenen Brief publikumswirksam via „Bild“ zu Wort gemeldet. „Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien, sondern nur an Fakten“, schrieb Blatter in seinem Brief, adressiert an „Fußball-Deutschland“. Solange keine konkreten Beweise vorlägen, dass bei irgendeiner WM-Vergabe etwas schief gelaufen sei, müsse und solle jeder „an der Rechtmäßigkeit der Wahl festhalten.“