Hertha BSC

Luhukay gibt Wiederaufstieg in erste Liga als Ziel vor

Zum Trainingsstart gibt Hertha-Coach Luhukay den Aufstieg als Ziel aus. Die ungeklärten Personalien im Kader findet er „nicht ideal“.

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Da es bei den Spielern keine großen neuen Namen gab, konzentrierten sich die Fans auf die Details. Dass die Trainingskleidung in der neuen Saison die Farben hell- und dunkelblau hat, wurde sofort registriert.

„Endlich ist das triste Grau der vergangenen Jahre abgelöst worden“, sagte ein Trainingskiebitz. Noch mehr Aufmerksamkeit zog das neue Emblem auf sich. Statt des üblichen Vereinslogos von Hertha BSC prangt „Fahne pur“ auf der Brust.

Der lang ersehnte Fan-Wunsch wurde also nicht nur für die künftigen Trikots umgesetzt, sondern wird von den Profis auch bei der täglichen Arbeit getragen.

11.20 Uhr zeigte die Uhr, als Spieler und Trainerteam durch ein Spalier von rund 500 applaudierenden Anhängern die Arbeit zum Abenteuer Zweite Liga aufnahmen. Die Zuneigung war Jos Luhukay, dem neuen Cheftrainer, sehr wohl aufgefallen.

„Ich spüre, dass hier viele Emotionen um mich herum vorhanden sind. Auch wenn die Rückrunde enttäuschend war, gibt es jetzt eine positive Stimmung, der Verein lebt. Es liegt an uns, die Fans zu begeistern.“

Raffael mit Mittelohrentzünung

Luhukay hatte sich vor dem Trainingsauftakt des Bundesliga-Absteigers seiner neuen Mannschaft vorgestellt. Und war gleich zur Sache gekommen. „Ich habe der Mannschaft als erstes gesagt, dass wir aufsteigen wollen. Das wird ein hartes Stück Arbeit.“

Überhaupt scheint der Niederländer, der zuvor beim FC Augsburg überzeugt hatte, ein Freund klarer Worte zu sein. Zum Start fehlten die Urlauber Roman Hubnik, Adrian Ramos, Levan Kobiashvili, Änis Ben-Hatira, Nikita Rukavytsya, Nico Schulz und Philip Sprint.

Im letzten Moment hatte zudem Raffael Flugverbot erhalten, der Spielmacher laboriert an einer Mittelohr-Entzündung und weilt bis auf weiteres in seiner Heimat Brasilien. „Wenn man ehrlich ist“, sagte Luhukay, „möchte ich als Trainer am ersten Tag 24, 25 Spieler auf dem Platz haben und, dass die Mannschaft zu 95 Prozent steht.“

Bei Hertha waren es jedoch nur 20 Spieler, darunter mit Domian Diring (20) ein Verteidiger vom FC Mulhouse, der für die U23 getestet wird. Gravierender für die Saisonvorbereitung ist, dass derzeit offen ist, welche großen Stellschrauben für die Kaderplanung bewegt werden können und wie sie zu ersetzen sind.

Manager Michael Preetz sagte, dass es entgegen der öffentlichen Diskussion für Raffael bisher keine Angebote vorliegen. „Derzeit ist Raffa krank. Sobald er reisefähig ist, wird er hier in Berlin erwartet, um bei uns zu trainieren.“

Luhukays Stil ist anders

Solange aber die Zukunft von Raffael und Ramos, den beiden mutmaßlichen hochkarätigen Abgängen, noch offen ist, kann Hertha auf dem Transfermarkt nicht tätig werden. Dabei sucht der Bundesliga-Absteiger drei bis vier neue Spieler für die Offensive. Gesucht werden nicht Ergänzungsspieler, sondern Stammkräfte, die die Mission Wiederaufstieg beflügeln sollen.

Die Folge: Auch, wenn jetzt die reguläre Vorbereitung mit täglich zwei Einheiten sowie einer großen Zahl an Testspielen beginnt (siehe Infokasten) – derzeit kann sich keine Stammformation einspielen. „Die ideale Situation ist nicht da“, sagte Luhukay.

Und wurde kämpferisch. „Da werde ich jetzt rumjammern. Wir wollen einen guten Saisonstart hinlegen. Sollte uns das nicht gelingen, werde ich nicht unsere Richtung ändern.“

Er kenne das, dass es im September/Oktober eine schwierige Phase geben könne. „Das haben wir aber immer noch hinbekommen.“

Beim Auftakttraining wurde deutlich, dass Luhukay einen anderen Stil pflegt als etwa sein Vorgänger. Otto Rehhagel hatte die gesamte Arbeit auf dem Platz seinen Cotrainern überlassen und nur hin und wieder korrigierend eingegriffen.

Derby wichtig für die Fans

Ganz anders der Nachfolger: Luhukay schaute sich das Aufwärmprogramm von Cotrainer Markus Gellhaus an. Dann übernahm der Niederländer. „Als Cheftrainer stehe ich in der Verantwortung. Ich will nicht nur im Besprechungszimmer reden, sondern die Übungen zur Technik und Taktik selbst leiten.“ Bei Hertha gibt ab sofort Luhukay die Richtung an.

Als Konkurrenten um den Aufstieg sieht der neue Trainer die Mitabsteiger 1. FC Köln und 1. FC Kaiserslautern. „Von der Tradition und dem Selbstverständnis her, wollen die auch erstklassig spielen.“ Dazu erwartet er als Rivalen St. Pauli, 1860 München und „eine weitere Überraschungsmannschaft“.

Ähnlich wie der letzte Aufstiegstrainer, Markus Babbel, blieb Luhukay beim Thema der beiden Stadtduelle gegen den 1. FC Union zurückhaltend. „Derbys sind immer etwas besonderes, vor allem für die Fans. Ich weiß, dass sie eine hohe Bedeutung haben. Aber in der Regel sind das nicht die Spiele, die entscheiden, ob man sein Saisonziel erreicht.“