Fußball-Skandal

Wett-Razzia im EM-Trainingslager der Italiener

Vor der EM haben Ermittler in ganz Italien Räume von Spielern und Trainern durchsucht. Für Nationalspieler Criscito gibt es nun keine EM.

Foto: DAPD

Wenige Tage vor Beginn der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine hat der Wett- und Manipulationsskandal im italienischen Profi-Fußball auch die Nationalmannschaft erreicht. Am Montagmorgen hat die Polizei eine Razzia im Trainingslager des Weltmeisters von 2006 in der Nähe von Florenz durchgeführt.

Nationalspieler Domenico Criscito ist in diesem Zusammenhang aus dem italienischen Aufgebot für die Fußball-EM gestrichen worden. Dies teilte Verbands-Vizepräsident und Delegationsleiter Demetrio Albertini am Montag mit.

Criscito vom russischen Spitzenklub Zenit St. Petersburg steht unter dringendem Tatverdacht. Der 25 Jahre alte Verteidiger war zwischen 2008 und 2011 von Juventus Turin an den FC Genua ausgeliehen – er wurde von den Behörden verhört.

Der Akteur vom russischen Club Zenit St. Petersburg beteuerte seine Unschuld. „Ich habe damit nichts zu tun“, sagte Criscito. Albertini zweifelt nicht an dem 25-Jährigen. „Ich glaube seiner Version“, sagte der frühere Milan-Mittelfeldspieler.

Zeitgleich zu der Razzia im Trainingslager durchsuchten Beamte landesweit Räumlichkeiten von Spielern und Trainern. Insgesamt wurde gegen 19 Personen vorgegangen, elf davon aktive und ehemalige Profis. 14 Verdächtige wurden vorübergehend verhaftet, drei unter Hausarrest gestellt und zwei wurden aufgefordert, sich bei den Behörden zu melden.

Auch Juves Meistertrainer Conte im Visier der Ermittler

„Das sind verheerende Nachrichten“, sagte die italienische Trainerlegende Giovanni Trapattoni, der mit Irland an der EM-Endrunde teilnehmen wird. „Aber wenn die Behörden so handeln, dann meist aus gutem Grund.“ Wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtet, wurden sowohl der langjährige Profi des AC Mailand, Kakhaber Kaladze, als auch Stefano Mauri, Kapitän von Miroslav Kloses derzeitigem Klub Lazio Rom, vorübergehend verhaftet. Mauri wird sportlicher Betrug vorgeworfen.

Juventus Turins Meistertrainer Antonio Conte steht laut ANSA ebenfalls im Zentrum der Ermittlungen. Der 42-Jährige soll während seiner Zeit bei AC Siena in der Aufstiegssaison 2010/11 an Spielabsprachen beteiligt gewesen sein. „Contes Reaktion auf die Anschuldigungen ist die von jemandem, der völlig unschuldig und fest entschlossen ist, seine Unschuld zu beweisen“, sagte Contes Anwalt Antonio De Rencis. Auch Sienas Präsident Massimo Mezzaroma steht im Zentrum der Ermittlungen. Hausdurchsuchungen gab es bei zahlreichen weiteren Profis, unter anderem auch bei Sergio Pellissier, Kapitän von Chievo Verona.

Ex-Nationalspieler wurden bereits bestraft

Seit dem Beginn der Ermittlungen vor etwa einem Jahr wurden inzwischen mehr als 50 Personen in Italien verhaftet. Auch ehemalige Nationalspieler wurde eine Beteiligung in Spielabsprachen nachgewiesen: Der ehemalige Spielführer von Atalanta Bergamo Cristiano Doni wurde bereits im vorigen Sommer für dreieinhalb Jahre gesperrt. Der einstige Lazio-Kapitän Giuseppe „Beppe“ Signori wurde vergangenen Juni verhaftet.