Olympia 2020

Tokio, Madrid und Istanbul in Finalrunde – Doha raus

Das Internationale Olympische Komitee hat sich gegen Sommerspiele in Doha entschieden. Die Verlierer wittern eine politische Entscheidung.

Tokio, Madrid und Istanbul gehen in die Finalrunde beim Kampf um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020. Die IOC-Exekutive reduzierte am Mittwochabend im kanadischen Québec die Kandidatenliste auf diese drei Bewerber.

Doha und Baku wurden dagegen wie vor vier Jahren aussortiert. Am 7. September 2013 wird die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) den Gastgeber der Spiele verkünden.

Tokio und Madrid wurden vom zwölfköpfigen Exekutiv-Komitee des IOC mit jeweils 12:0 Stimmen in die letzten 17 Monate des Bewerbungsmarathons geschickt. Istanbul erhielt 11:1 Stimmen. Dagegen fiel Dohas Kandidatur bei der technischen Prüfung durch eine IOC-Expertengruppe mit mageren 3:9 Stimmen durch. Baku schied mit 0:12 Stimmen aus.

„Wir sind enttäuscht und geschockt“, kommentierte Dohas Bewerbungschefin Noora Al-Mannai. Nach der Entscheidung der zwölfköpfigen IOC-Exekutive behielten die Vertreter Dohas ihre Empörung über die erneute Abreibung und die 3:9-Stimmenausbeute zunächst noch für sich. Mit jedem Erklärungsversuch für das Wahldebakel stiegen aber Frust und Verständnislosigkeit.

Noora Al-Mannai fühlte sich gar betrogen. „Die Entscheidung hat nichts mit sportlicher Qualifikation zu tun. Es ist zu 1000 Prozent eine politische Entscheidung“, wetterte sie und machte nicht kommunizierte Gründe für die Abfuhr verantwortlich.

Anders als der Fußball-Weltverband (FIFA), der das kleine Emirat zum Ausrichter der WM 2022 gekürt hat, ließ sich die IOC-Regierung vom Budget der Araber nicht berauschen. Im Gegenteil: Die Olympier wiesen in ihrem 91-seitigen Bericht über die Tauglichkeit der fünf Kandidaten Dohas beträchtlich höheren Etat im Vergleich zu anderen Olympia-Gastgebern sogar als eine der zahlreichen Schwachstellen aus. Diese finanzielle Maßlosigkeit sei konträr zum IOC-Bestreben der Kostenkontrolle, erklärte IOC-Spitzenfunktionär Denis Oswald.

Der Schweizer konnte den Unmut der Verlierer nicht verstehen. „Doha hat keinen Grund, wütend zu sein. Es gab ein paar Probleme mit der Kandidatur. Es war auf gar keinen Fall eine politische Entscheidung“, sagte Oswald. Tatsächlich klingt die Begründung der IOC-Expertengruppe für Dohas Vorrunden-Aus mehr als plausibel. Neben dem unerwünschten Gigantismus wurde auch der hohe Kohlendioxid-Ausstoß angeprangert.

Besonders kritisch wurde zudem der angestrebte Oktober-Termin für die Spiele (2.- 18.10.) bewertet, mit dem die sengende Sommerhitze vermieden werden sollte. Das spätere Datum – für das IOC sind eher die Ferienmonate Juli/August ideal – bringe reduzierte Vermarktungsmöglichkeiten und niedrigere TV-Einschaltquoten mit sich, hieß es in der Empfehlung der IOC-Tester weiter. Im Oktober laufe in zahlreichen Profiligen weltweit längst wieder der Spielbetrieb, warnte der detaillierte Sonderreport des IOC.

„Es wird entscheidend für die ganze olympische Bewegung sein, dass sie einmal ihre traditionellen Fenster verlässt“, meinte dagegen Alamayassa Al-Thani, Vizepräsidentin der arabischen Kandidatur. Ihre Chefin forderte: „Dinge müssen sich ändern. In der Vergangenheit hat es auch schon Spiele im Oktober gegeben. Wir haben viel investiert und alles getan, was das IOC von uns verlangt hat.“

Dabei war die Mängelliste des IOC noch wesentlich länger. Tausende von Hotelzimmern fehlen, es herrscht Zweifel an der notwendigen Olympia-Atmosphäre für eine positive Erfahrung der Athleten und Zuschauer, und auch die Kühlsysteme der Freiluftarenen seien noch nicht ausreichend getestet.

Auf die Frage, ob die zweite Absage an Katar bedeute, dass Doha nie Gastgeber von Sommerspielen werden könne, sagte Denis Oswald: „Manchmal ist das Leben nicht fair. Die Schweiz kann auch keine Sommerspiele ausrichten.“ Doha habe eben Grenzen. Die Trotzreaktion der Katarer ließ nicht lange auf sich warten. „Wir verdienen diese Chance“, sagte Noora Al-Mannai, „wir werden wiederkommen und stärker sein.“