Schenkendorff-Platz

Hertha füllt die Wartezeit mit Training

Während in Frankfurt verhandelt wurde, ob Hertha nochmals gegen Düsseldorf antreten darf, trainierten die Berliner – und schwiegen danach.

Kuriose Fußball-Welt. Eigentlich hatten sich die Profis auf einen ersten Urlaubstag eingestellt. Ausspannen am Strand in Brasilien, Besuch der Familie in Kolumbien, Kurz-Urlaub in Tschechien, ehe es zur Europameisterschaft geht. Nichts war es. Die Hertha-Profis Ronny und Adrian Ramos und Roman Hubnik gehörten zu den 14 Spielern, die Freitagsnachmittag zum Training auf dem Schenkendorff-Platz antreten mussten. Nach dem Hertha Protest gegen die Wertung des Chaos-Spiels von Düsseldorf (2:2 im Relegations-Rückspiel) eingelegt hat, müssen sich die Spieler fit halten für ein eventuelles Wiederholungsspiel.

Training vor 150 Fans und einem Dutzend Journalisten

Bei der Einheit herrschte eine unwirkliche Stimmung. Die Aufmerksamkeit von rund 150 Fans und einem Dutzend Journalisten, darunter sechs TV-Teams, galt nur zu einem Teil dem Treiben auf dem Platz. Co-Trainer Rene Tretschok leitete die Übungen, Trainer Otto Rehhagel stand etwas abseits und beobachtete die Szenerie.

Nicht dabei war das Spieler-Quartett, dass sich parallel in Frankfurt/Main bei der Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht aufhielt (Andre Mijatovic, Thomas Kraft, Peter Niemeyer, Christoph Janker). Außerdem fehlten der erkrankte Patrick Ebert, Maikel Aerts hatte einen privaten Termin, Raffael war angeschlagen und ließ sich in der Kabine behandeln.

Live-Ticker immer im Blick

Maik Franz kam vorbei und berichtete, wie es um das Seelenleben der Mannschaft bestellt ist. Der Verteidiger hatte nach überstandenem Kreuzbandriss zuvor eine Laufeinheit auf dem Gelände absolviert und verfolgte frisch geduscht die lockere Einheit der Kollegen von der Bande aus. „Drinnen haben alle ihre Smartphones an und verfolgen die Live-Ticker im Internet von der Verhandlung aus Frankfurt.“ Die Fans und Journalisten hielten es während des Trainings ähnlich.

Im Minutentakt machen eine Mischung aus Informationen, Gerüchten und Halbwahrheiten die Runde. Während Hertha BSC in seiner Argumentationslinie davon ausgeht, dass die Spieler „Todesangst“ gehabt hätten, wie Anwalt Christoph Schickhardt es formuliert hat, drehte der Schiedsrichter in Frankfurt die Behauptung einfach um. Levan Kobiashvili habe ihn mit der Faust an den Kopf geschlagen. Er konnte ein wenig ausweichen und sei dabei gegen ein Treppengelände gestolpert, dass ihn vor einem Sturz aus fünf, sechs Metern Höhe bewahrt habe. Die Hertha-Spieler hätten eine Hetzjagd auf ihn gemacht. Als die Formulierung auftaucht, Stark sei „den Tränen nahe gewesen“, erntet er schallendes Gelächter auf dem Trainingsplatz.

Anzeige gegen Kobiashvili

Zwei Spieler, die Stark unter anderem als Übeltäter ausgemacht hat, bewegten sich in der Gruppe der Hertha-Profis: Christian Lell (27) und Levan Kobiashvili (34). Der Georgier, von Trainer Otto Rehhagel jüngst zum „fairsten Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg“ erklärt, hat eine unrühmliche Halbserie hinter sich: Ampelkarte in Köln (0:1 im März), Rote Karte in Leverkusen im April. Und nun die ungeheuren Vorwürfe von Stark, der zudem noch bei der Polizei Anzeige gegen Kobiashvili erstattet hat.

Am Freitag joggte der georgische Rekordnationalspieler ein wenig, spielte Fünf-gegen-Zwei und verschwand nach 45 Minuten, als das Training beendet wurde, ebenso wie Lell kommentarlos in Richtung Kabine. Keiner der Spieler, auch Trainer Rehhagel nicht, gaben auf Nachfragen irgendeinen Kommentar von sich. Gegen 16.10 Uhr wurde Herthas Sicherheitsdienst tätig: Es passiere jetzt nichts mehr, Fans und Medienvertreter mögen das Gelände bitte umgehend verlassen.

Düsseldorfer Mannschaft trifft sich mit Trainer und Manager

550 Kilometer weiter westlich spielten sich ähnliche Szenen ab. Obwohl Fortuna Düsseldorf erklärt hatte, die Saison sei mit dem 2:1 und 2:2 in der Relegation erfolgreich beendet – auch der Hertha-Gegner muss sich auf die veränderte, sprich ungewisse, Lage einstellen. So fuhren am Freitag um 15.30 Uhr außerplanmäßig die gesamte Mannschaft sowie Trainer Norbert Meier und Manager Wolf Werner vor dem Trainingsgelände vor.

Das liegt nur einen Steinwurf von der EspritArena entfernt, wo das unwürdige Geschehen am Dienstagabend stattgefunden hatte. Die Fortunen verbarrikadierten sich auf der Geschäftsstelle, mutmaßlich gab es eine Aussprache. Auch hier ging der Sicherheitsdienst gegen die Journalisten vor Ort vor und forderte sie auf, umgehend das Vereinsgelände zu verlassen.

Alle Hertha-Information im Morgenpost-Online-Blog immerhertha.de – hier