DFB-Pokal

Vize-Bayern lecken ihren Wunden beim Verlierer-Bankett

Bayern München droht nach der Pleite im Pokalfinale eine Saison ohne Titel. Rummenigge spricht von „Blamage und Watschn“.

Es war 0.25 Uhr, als sich Karl-Heinz Rummenigge beim Verlierer-Bankett seine „Vize-Bayern“ zur Brust nahm. „Das 5:2 war nicht Zufall, das war nicht Pech, sondern eine Blamage, die wir erlebt haben. Jedes Tor war wie eine Watsch'n“, sagte der Vorstandschef nach einer der bittersten Niederlagen in der Vereinsgeschichte des ruhmreichen FC Bayern München.

Und Rummenigge nahm das Team mit Blick auf das Champions-League-Finale „dahoam“ am kommenden Sonnabend in die Pflicht: „Nur, wenn wir bereit sind, uns kritisch zu hinterfragen, haben wir eine Chance zumindest mit dem einen, wichtigsten Titel dazustehen. Wir müssen korrigieren, was wir uns da eingebrockt haben.“

Nach der Ohrfeige im Pokalfinale gegen Angstgegner Borussia Dortmund ging bei Lachs, Spargel und Kartoffelpüree im noblen Bankettsaal in der Französischen Straße die Angst vor dem „Vizekusen-Syndrom“ um. Vor zehn Jahren hatte Bayer Leverkusen mit dem heutigen Bayern-Co-Trainer Peter Hermann als Assistent auf der Bank mit dem Triple vor Augen jeweils nur Platz zwei in Meisterschaft, Pokal und Champions League belegt.

Dazu fehlt bei den Bayern nur noch die Pleite im Endspiel der europäischen Königsklasse, die nun auch Bundestrainer Joachim Löw mit Blick auf die EM fürchtet: „Wenn sie aber alles verlieren sollten, nach der Meisterschaft und dem Pokal auch noch die Champions League, dann glaube ich schon, dass einige Spieler einen Knacks bekommen.“

Anfall von Realitätsverlust

Bei einigen hatte man diesen Eindruck schon nach dem bitteren Finalabend in Berlin, an dem es die zweithöchste Pokalpleite aller Zeiten nach dem 1:5 gegen den 1. FC Köln vom 12. April 1972 zu verdauen galt. Kapitän Philipp Lahm etwa hatte in einem Anfall von Realitätsverlust seine Bayern über 90 Minuten als „bessere Mannschaft“ gesehen. Torhüter Manuel Neuer, der bei vier der fünf Gegentreffer nicht glücklich aussah, verschwand wortlos. Und selbst Trainer Jupp Heynckes hatte streckenweise „überragenden Fußball“ seiner Mannschaft gesehen.

Allerdings auch ein „katastrophales Defensivverhalten: “Alle drei Spieler, die nächsten Sonnabend gesperrt sind, haben nicht ihre beste Leistung gezeigt.„ Gemeint waren Alaba, Gustavo und Badstuber. Es klang fast wie Erleichterung, dass der Coach den Abwehrverbund für das Königsspiel gegen den FC Chelsea umbauen muss.

Als einzig positive Nachricht an diesem Abend meldete sich Daniel van Buyten wieder fit – allerdings verlor auch er mit Bayerns Zweiter 0:3 gegen den FC Ingolstadt II. Gegen Dortmund enttäuschten auch Neuer und der an den entscheidenden beiden Gegentoren vor der Pause beteiligte Innenverteidiger Jerome Boateng. “Mit eklatanten Fehlern“, wie Bastian Schweinsteiger bemerkte.

Tipps vom Titan

Der hart an einer Roten Karten wandelnde Vizekapitän war einer der wenigen, die sich auf dem Spielfeld gegen die fünfte Pleite gegen Dortmund in Serie gewehrt hatten. Beim Bankett sprach Schweinsteigerer minutenlang mit Oliver Kahn, dessen Siegeswille immer noch legendär ist. Der „Titan“ war beim letzten Champions-League-Triumph der Bayern im Jahr 2001 der entscheidende Spieler gewesen. Sicher wird er Schweinsteiger Tipps gegeben haben, wie man die Mannschaft nach so einer Pleite wieder aufbaut. Denn national sind die Bayern zwar nur noch zweite Wahl, in Europa wollen sie aber die Nummer eins werden.

„Fehler sind menschlich, es bringt nichts auf die Spieler draufzuhauen. Wir kriegen das in den Griff“, meinte Schweinsteiger. Rummenigge verlangte „Mut, Leidenschaft, Willen und Aggressivität“ - all das, was im DFB-Pokalfinale gefehlt hatte. Die Woche vor dem Endspiel wird sicher auch wegen der öffentlichen Kritik hart werden. Vielleicht rückt die Mannschaft aber noch enger zusammen – so wie nach der letzten Pleitenserie kurz nach der Winterpause.

„Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Wir sind eine ganz starke Mannschaft“, sagte Arjen Robben: „Es tut weh, aber wir müssen Profis sein und nächste Woche gewinnen.“ Sonst wird man die Saison ganz sicher mit dem zweifelhaften Titel „Vize-Bayern“ beenden. Und zudem noch mit dem Makel, selbst schlechter als die Bayern-Frauen zu sein - die gewannen nämlich wenige Stunden vor der historischen Pleite zum ersten Mal den DFB-Pokal.