Bundesliga

Um Herthas Finanzlage kreisen Gerüchte und Machtkämpfe

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Uwe Bremer

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Für das Präsidium ist der Klassenerhalt existenziell. Auch die Diskussion um Michael Preetz reißt nicht ab.

Hertha BSC befindet sich in der entscheidenden Saisonphase. Die kommenden drei Wochen weisen den Weg, wie sich der Hauptstadt-Klub für die Zukunft aufstellt. Sportlich wird am Abend des 15. Mai, nach dem Rückspiel in der Relegation, Klarheit herrschen, ob der Verein 2012/13 weiter erstklassig oder doch nur zweitklassig spielt. Die grundsätzliche Ausrichtung der Blau-Weißen für die kommenden vier Jahre bis 2016 erfolgt auf der Mitgliederversammlung am 29. Mai unterm Funkturm. Wie immer in solchen Fällen werden die Perspektiven an Personen festgemacht. Im Mittelpunkt der Kritik und der Fragen nach dieser ebenso turbulenten wie verkorksten Saison steht Michael Preetz. TV-Kommentator Marcel Reif fasste im „Tagesspiegel“ die Wahrnehmung von Hertha als „Meister des Irrsinns“ so zusammen: „Mehr Inkompetenz hat es in der Geschichte der Bundesliga wohl kaum einmal gegeben.“

Auch intern, im Präsidium von Hertha, gibt es mittlerweile Stimmen gegen Preetz, dessen Vertrag als Geschäftsführer Sport und Medien bis Juni 2014 läuft. Mindestens drei Mitglieder (Jörg Thomas, Christian Wolter, Ingmar Pering) gelten als Kritiker des Managers und versuchen bei diversen Fanclub-Veranstaltungen mit entsprechender Kritik Werbung in eigener Sache zu machen.

Die Mehrheit des aktuellen Präsidiums indessen steht auf der Seite von Preetz. Präsident Werner Gegenbauer ist genervt davon, dass diverse Präsidiumsmitglieder zuletzt mehrfach gegen den selbst auferlegten Verhaltenskodex verstoßen haben. Das Gremium hatte sich einstimmig dafür ausgesprochen, dass intern gern auch kontrovers diskutiert werden darf, in der Öffentlichkeit aber nur der Präsident spricht. „Jetzt ist der falsche Zeitpunkt für Wahlkampf-Getöse“, sagte Gegenbauer. „Spätestens seit Sonnabend hat es sich die Mannschaft verdient, dass im Verein Ruhe herrscht.“ Auf der nächsten Präsidiumssitzung am Mittwoch wird der Präsident darauf drängen, dass diese Geschlossenheit eingehalten wird.

Mehrheiten im Präsidium

Bekanntlich steckt Hertha aber nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich in prekären Verhältnissen. Sowohl aktuelle Sponsoren als auch weitere Interessenten, die in Kürze dazukommen werden, beobachten derzeit sehr genau, wie Hertha mit der schwierigen Phase umgeht: Wird die Krise einigermaßen mit Anstand bewältigt? Oder erfüllt Hertha wieder das Klischee vom „Chaosklub“?

Im Moment scheint diese Frage noch nicht entschieden. Öffentlich gibt es einige Alleingänge einzelner Präsidiumsmitglieder. Die vermeintlich spektakulären oder pikanten Details werden nur hinter vorgehaltener Hand erzählt oder in Foren im Internet verbreitet. Etwa, dass Gegenbauer „ein Sonnenkönig“ sei. Dass er deshalb so unverbrüchlich zum Manager Preetz stehe, weil der mit einer Tochter des Präsidenten verbandelt sei – was de facto Unsinn ist. Wenn sich die Machtverhältnisse jedoch ändern würden, so wird erzählt, gäbe es eine Milliardärsfamilie aus Süddeutschland, die dann 50 Millionen Euro bei Hertha investieren würde.

"Der richtige Mann"

Wer Hertha etwas länger verfolgt, kennt diese Strategien im Machtkampf. Solche Parolen von den angeblichen Mega-Investoren gab es schon in den 1990er-Jahren. Doch selten flossen wirklich Millionen. Gegenbauer und Finanzchef Ingo Schiller haben in Aussicht gestellt, dass Hertha in diesem Monat einen Investor sowie einen weiteren Sponsor, voraussichtlich die arabische Fluggesellschaft Etihad, präsentieren wird. Die Anhänger werden sich zum Monatsende ein Bild machen können, wer mit Fakten vor die Mitgliederversammlung tritt.

In der Schlüsselfrage, die viele Anhänger umtreibt, hat sich Präsident Gegenbauer gegenüber Morgenpost Online erstmals öffentlich festgelegt. Ungeachtet der vielfältigen Kritik am Manager, sagt Gegenbauer: „Michael Preetz ist der richtige Mann, auch für die kommende Saison.“ Warum er das so sieht, will der Unternehmer auf der Versammlung im ICC am 29. Mai darlegen. Er weiß, dass er überzeugende Argumente benötigen wird. Der Verbleib in der Bundesliga wäre ein zentrales. Die Mitglieder entscheiden dann, welche der 16 Bewerber die bis zu neun Präsidiumsplätze einnehmen werden.