Abstiegskampf

Hertha-Manager Preetz bangt um seinen Job

Hertha hat sich zwar eine allerletzte Chance erkämpft. Doch die Kritik an Preetz verhalt nicht: Im Gegenteil: Sie kommt jetzt von innen.

Foto: DAPD

Er kniff die Lippen zusammen, fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, jubelte mit der Becker-Faust Richtung Haupttreppe – und war der erste, der in den Katakomben verschwand: Michael Preetz steht seit Monaten im Fokus. Niemand litt auf der Bank wie der Manager von Hertha BSC. Trainer Otto Rehhagel sagte ihm nach dem zweiten Berliner Tor etwas ins Ohr. Das 3:1 gegen Hoffenheim war ein eminent wichtiger Sieg für Preetz. Aber nur eine Zwischenetappe. Sein Kampf wird auch nicht mit den ausstehenden Relegationsspielen beendet sein. Preetz muss um seinen Job bangen.

Nachdem die Kritik bisher vor allem von außen kam, gibt es nun auch aus dem Verein heraus Angriffe. Mit Blick auf die Präsidiums-Wahlen auf der Mitgliederversammlung am 29. Mai versucht sich Vizepräsident Jörg Thomas als Preetz-Kritiker zu profilieren. Immerhin, so sagte Thomas, werde er davon absehen, die Personalie Preetz auf der Präsidiumssitzung am Mittwoch zur Abstimmung zu stellen. „Das macht so kurz vor einer Neuwahl keinen Sinn“, sagte er im „Berliner Kurier“, „die Mitglieder sollen das neue Präsidium wählen, und jeder Herthaner wird vorab erfahren, für welche Marschroute die einzelnen Kandidaten stehen.“ Thomas gilt neben Christian Wolter und Ingmar Pering als Kritiker von Preetz. Quasi im Nebensatz kritisierte Thomas die starke Position von Präsident Gegenbauer: „Werner Gegenbauer ist unersetzlich für Hertha BSC. Aber im neuen Präsidium hat auch er nur eine von neun Stimmen.“

Vorwürfe gegen den Manager sind derzeit überall zu hören. Am Freitagabend gab es zwei große Fan-Veranstaltungen in Berlin, auf beiden warben Präsidiumsmitglieder um Unterstützung der Basis. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand der Manager. Die Schlammschlacht mit Markus Babbel, die kurz vor Weihnachten zur Beurlaubung des damaligen Trainers führte, wird ihm angelastet. Auch die missglückte Episode mit Michael Skibbe, der nach fünf Niederlagen in fünf Spielen im Februar gehen musste. Die schlechte Außendarstellung von Hertha gehört ebenso zu den Kritikpunkten wie Fehler bei der Team-Zusammenstellung.

Gegenbauer will an Preetz festhalten

In Gegenbauer hat Preetz einen mächtigen Verbündeten. Der Präsident hat intern klar gemacht, dass er an Preetz festhalten will. Kritiker hat Preetz viele, auch Bundestrainer Joachim Löw hat sich dort eingereiht. Nun hat sich ein prominenter Verteidiger gemeldet. Jürgen Klopp sagte der Berliner Morgenpost: „Die Diskussion, die im Moment über Michael Preetz geführt wird, geht so am Thema vorbei, dass es schon Wahnsinn ist. Ich finde, dass er jemand ist, der sich alle Mühe gibt, einen richtig guten Job zu machen, dem der Verein total wichtig ist und der eine ordentliche Mannschaft zusammengestellt hat. Der verdient es nicht, so behandelt zu werden.“ Der Dortmunder Meistertrainer sagte: „Es wird so getan, als könnte es Michael Preetz gar nicht. Es wird alles in Frage gestellt, was vorher gewesen ist. Hertha ist in die Bundesliga aufgestiegen, aber es wird so getan, als ob es das Normalste in der Welt wäre, dass die Hertha die nächsten zwei Jahre in der Bundesliga spielt. Nur weil es Berlin ist und die Stadt ein paar mehr Einwohner hat.“

In den vergangenen Wochen hatte Preetz stets gesagt, er werde sich erst nach Saisonende zur Wehr setzen. Am Sky-Mikrofon wehrte sich Preetz gegen Angriffe von Andreas Schmidt. Der ehemalige Teamkollege, der in Herthas Aufsichtsrat sitzt, hatte in den Tagen vor der Hoffenheim-Partie orakelt: Im Abstiegsfall würden Hertha Jahre als „grauer Zweitligist“ drohen. Dazu sagte Preetz: „Grundsätzlich sollten sich die Leute äußern, die im Verein etwas zu sagen haben! Und nicht die Leute, die an dieser Stelle keine Aussagen zu tätigen haben. Vor einem solchen Spiel mit Endspiel-Charakter mag ich mich nicht über ein solches Szenario unterhalten.“

Eine andere Baustelle immerhin wurde gestern nicht erneut aufgemacht. Im Anschluss an die Pressekonferenz kreuzten sich die Wege von Preetz und Markus Babbel. Beide genügten den Minimal-Regeln des Anstandes, gaben sich die Hand, schauten sich kurz an, Worte wurden nicht gewechselt – die Fotoapparate klackerten. Dann ging jeder seines Weges.

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