Wunderhengst

Michael Jackson lässt Totilas tanzen

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Alexandra Gross

Foto: DPA

Nach acht Monaten Pause kehrt Reiter Matthias Alexander Rath mit dem Wunderhengst Totilas ins Dressurviereck zurück - mit einer neuen Kür.

Das Gut Kasselmann hat sich herausgeputzt. Tagelang haben die Helfer fleißig auf der idyllischen Anlage am Fuße des Teutoburger Waldes gewerkelt, um Mensch und Tier den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Ihre Gäste sollen es gut haben – und natürlich großen Sport zeigen. Das Teilnehmerfeld ist erlesen, und das Motto der Veranstaltung kommt nicht von ungefähr. „Horses and Dreams“ (Pferde und Träume) lautet das Credo des Dressur- und Springturniers, das zugleich auch der Start in die Freiluftsaison ist.

Absturz bei der EM 2011

In einem Jahr, in dem es wie in diesem Sommer um olympische Medaillen geht, scheuen die Favoriten im Vorfeld mitunter das Aufeinandertreffen. Nicht so in Hagen. Für die verschiedenen Prüfungen haben sämtliche Reiter gemeldet, die voraussichtlich auch im August im Greenwich Park zu London auf dem Podest stehen. Und seit sich mit Totilas das teuerste Dressurpferd in deutschem Besitz befindet, verbinden sich hierzulande die Pferdeträume vor allem mit olympischem Gold für dessen Reiter Matthias Alexander Rath. Im Sommer 2011 piaffierte das Duo auch furios los, siegte in Aachen in allen drei großen Prüfungen. Dann aber kam bei der EM der Absturz, im Einzel erreichte das hochgelobte Paar lediglich Rang fünf. Die Blamage für den Goldfavoriten war groß, hatte sich der edle Rappe aus königlich-niederländischer Zucht doch unter seinem Vorgänger, dem Niederländer Edward Gal, stets in Höchstform präsentiert und mit Traumwertungen den Beinamen „Wunderpferd“ verdient. Acht Monate nach den europäischen Titelkämpfen feiert Rath mit Totilas in Hagen nun sein Comeback.

„Wir haben sehr gut trainiert und ich freue mich, dass es wieder losgeht“, sagt Rath vor dem Start im Viereck, „es wurde ja viel spekuliert wegen der langen Pause, aber das ist keine neue Situation.“ Schon nach dem Kauf von Totilas war der Hengst viele Monate keine Turniere gegangen. Und Rath ist zuversichtlich: „Wir haben uns jetzt noch besser kennengelernt und sind weiter zusammengewachsen. Ich weiß jetzt, wie Totilas in bestimmten Situationen reagiert.“

Aufgrund von Verletzungen hatte Rath den Saisoneinstieg mehrmals verschieben müssen, zudem war eine Hengstvorführung im Februar in Vechta völlig daneben gegangen, weil sich Totilas mehrmals seinem Reiter widersetzte. „Jeder, der Ahnung hat, weiß, dass das nichts mit einem Wettkampf zu tun hat“, sagt Rath. Dennoch wuchsen die Sorgen in der Szene, es wurde gemunkelt, Rath kriege den Hengst nicht in den Griff, der Reiter wurde gar verspottet als „Mann mit Knopf im Ohr“, weil ihm Vater Klaus-Martin Rath bei öffentlichen Auftritten über technische Hilfsmittel die Instruktionen gab. Rath nimmt die Kritik und Skepsis gelassen auf. „Wir wollten uns Zeit nehmen, damit Totilas die Blessuren richtig auskurieren kann“, sagt der Reiter, „jetzt ist Totilas gesund und fit und es macht enorm viel Spaß, ihn zu reiten.“

Neue Choreographie in der Kür

Die Pause hat Rath auch dazu genutzt, um eine neue Kür zu entwickeln. „Das ist eine ganz neue Choreographie“, sagt der Blondschopf und lächelt, wenn er an die Musik denkt, denn die sorge für gute Laune. So hat er sich für die Kür-Begleitung keinen geringen als mit Michael Jackson den „King of Pop“ ausgesucht, mit den Liedern „Beat it“ und „Man in the Mirror“. Der Elektro-Sound von Star-DJ Paul van Dyk von der Kür 2011 ist passé. „Ich bin glücklich, dass die Musik rechtzeitig fertig geworden ist und wir unsere neue Kür in Hagen präsentieren können“, sagt Rath. Dabei war bis zuletzt unklar gewesen, ob der 27-Jährige bei seinem Saisoneinstieg die Special- oder die Kür-Tour reitet. „Ich wusste nicht, dass Matthias in Hagen die Kür reitet. Die Entscheidung stand den Reitern frei“, sagte der neue Bundestrainer Jonny Hilberath, der den Job kurzfristig übernommen hat, nachdem in der vergangenen Woche Holger Schmezer überraschend verstorben war. Für den Coach hat der Special Priorität, weil dieser bei Olympia über den Mannschaftstitel entscheidet. Spätestens bei den Deutschen Meisterschaften Anfang Juni müsse Rath den Special präsentieren, sagte Hilberath, der sich diplomatisch gab: „Wichtig ist erst mal, dass Matthias hier überhaupt reitet. Und wichtig ist, dass er nach der langen Pause erst mal einen Grand Prix reitet.“ Dieser findet am Sonnabend statt, die Kür dann am Sonntag.

Gelingt der Auftritt in Hagen, sollen weitere Turnierstarts folgen, ehe dann die wichtigen Sichtungen für Olympia anstehen. Und die Experten werden ganz genau hinschauen, ob Rath und Totilas doch noch zum Traumpaar der Dressur werden können. Zumal der Rappe als Deckhengst weiterhin einen anstrengenden Nebenjob hat. „Für mich zählt jetzt jedes Turnier als Vorbereitung auf Olympia“, sagt Rath, „es liefe