Rasen-Posse

Uefa sperrt Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam

Der Finaleinzug in der Champions League ist für Turbine Potsdam fast schon geplatzt. Nun droht dem Verein auch noch ein Imageschaden.

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Eine unwürdige Rasen-Posse hat den deutschen Frauen-Meister 1. FFC Turbine und die Stadt Potsdam in Aufregung versetzt. Wegen katastrophaler Rasen-Bedingungen und Verletzungsgefahren hat der Europäische Fußball-Verband Uefa das Karl-Liebknecht-Stadion vor dem Rückspiel im Champions-League-Halbfinale am Sonntag gegen Cup-Verteidiger Olympique Lyon gesperrt.

In der Nacht zum Dienstag liefen zwischen dem Potsdamer Rathaus und dem prominentesten Verein der brandenburgischen Landeshauptstadt die Drähte heiß, um eine vernünftige Lösung zu finden. „Wir bedauern die Situation, sehen aber im Moment keine Möglichkeit, den Spielbetrieb abzusichern“, hatte Rathaussprecher Jan Brunzlow noch am Montagabend der „Märkischen Allgemeinen“ erklärt. Voraussichtlich 150 000 Euro kostet die blitzschnelle Neuverlegung des Rasens, der Verein sieht sich damit vollkommen überfordert. Am Dienstag setzten sich alle Seiten zu Krisengesprächen an einen Tisch und suchten nach Lösungswegen aus der Misere.

Zunächst waren auch das „Waldstadion“ im benachbarten Ludwigsfelde sowie die Alte Försterei in Berlin als Ausweichspielstätten in Betracht gekommen. „Bei uns hat niemand angefragt. Und ich glaube auch nicht, dass wir in der Kürze der Zeit die Anforderungen für ein Spiel der Champions League erfüllen könnten“, sagte Christian Arbeit, der Pressesprecher des in der „Försterei“ beheimateten Zweitligisten 1. FC Union Berlin am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Turbine-Geschäftsstellenleiter Mathias Morack brachte Argumente ins Spiel, die gegen die Austragung in Ludwigsfelde sprechen. Der Verein habe schon 2000 Karten verkauft, davon rund 1000 Sitzplatz-Tickets. Aber in Ludwigsfelde gebe es nur 368 Sitzplätze, begründete er. Zudem kämen logistische Probleme mit der Live-Übertragung durch den TV-Sender rrb hinzu. Auf jeden Fall drängt die Zeit, denn ein frisch verlegter Rasen muss einige Tage anwachsen, bevor ein Match möglich ist.

Bereits in den zurückliegenden Wochen hatte sich die Gegner des gleichfalls im Liebknecht-Stadion spielenden Drittligisten SV Babelsberg 03 regelmäßig über den schrecklichen Zustand des Platzes beschwert, der an vielen Stellen keine Grasnarbe mehr hat und durch Regenfälle der vergangenen Wochen stark aufgeweicht war. Für die Vorbereitung der Turbine-Mannschaft auf das Rückspiel ist das Rasen-Chaos wenig förderlich. Die Hoffnungen auf das dritte Erreichen des Champions-League-Finals hatten durch das bittere 1:5 am Sonntag in Lyon bereits einen kräftigen Dämpfer erhalten.