Vorwurf der Lustlosigkeit

HSV-Stürmer Petric stand kurz vor einem "Ausraster"

Der Angreifer des HSV wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, in Gedanken schon bei einem anderen Klub zu sein. Den Wandel vom Fanliebling zum Feindbild empfindet der 31-jährige Mladen Petric als ungerecht.

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Sein Fehlschuss im letzten Heimspiel gegen Freiburg (1:3) verfolgt Mladen Petric noch immer. Aus zwei Metern hatte er den Ball völlig unbedrängt am Kasten vorbei geschossen. Es war eine Szene, die ihm einen Platz in jedem Rückblick auf diese Bundesliga-Saison garantieren dürfte. Als der Stürmer des HSV nun den Kabinentrakt verließ und über den Parkplatz zu seinem Auto ging, löste sich ein wütender Fan aus einer Gruppe und brüllte zu ihm herüber: „Zwei Tore hättest du machen müssen, hörst du? Zwei Tore!“ Petric antwortete nicht, er stieg in seinen Wagen und brauste davon. Der Anhänger baute sich am Absperrgitter auf und streckte ihm zwei Finger entgegen.

Anfang des Monats hatte Sportdirektor Frank Arnesen vermeldet, dass der im Sommer auslaufende Vertrag des Kroaten nicht verlängert werden würde. Seither, so scheint es, steckt Petric in einer Schaffenskrise. Zumindest hat er seither nicht mehr getroffen – und daher rückte er ins Zentrum der Kritik. „Es gibt immer wieder Leute, die mit solchen Sprüchen kommen. Ich werde auf der Straße häufig angesprochen. Manche teilen einem mit, dass sie sehr unzufrieden sind, um es diplomatisch auszudrücken. Andere sprechen Mut zu, spornen an. Die Stimmung ist geteilt.“


"Zuletzt haben wir nicht gezeigt, was wir können"

Petric ist es wichtig, mit den Anhängern zu kommunizieren, ihre Fragen zu beantworten und dazu aufzurufen, ihn und die übrigen Spieler weiterhin zu unterstützen. „Vielleicht gab es bis vor kurzem den einen oder anderen, dem nicht bewusst war, in welcher prekären Lage wir uns befinden. Aber jetzt ist es auch dem Letzten klar geworden. Das ist in der Kabine und auf dem Trainingsplatz zu spüren, es wird Spannung aufgebaut“, sagte der 31-Jährige, der sich am Sonnabend in Kaiserslautern in der Pflicht sieht: „Es ist ein Spiel, das den Weg weist. Dort müssen wir uns beweisen. Ich erwarte mehr von mir, so wie jeder mehr von sich erwartet. Zuletzt haben wir nicht gezeigt, was wir können.“

Dass er von einem Publikumsliebling zu einer Art Feindbild geworden ist, empfindet Petric als ungerecht. Er befinde sich in einer schwierigen Phase, habe einen „Antilauf“, aber keinesfalls würde er sich hängen lassen: „Im Moment läuft es alles andere als rund. Aber ich werde alles geben, um der Mannschaft zu helfen. Der Ball muss einfach mal wieder reinflutschen, dann platzt der Knoten – und das versuche ich zu erzwingen.“

Der Vorwurf, dass er mit dem HSV abgeschlossen und mit seinen Gedanken bereits bei einem anderen Klub sei, ärgert Petric jedoch noch mehr als die eigene Formkrise. „Es gibt keinen, dem die Situation in Hamburg egal ist. Wenn ich höre, dass darüber spekuliert wird, dass ich schon woanders unterschrieben habe, dann brodelt es in mir. Ich stand kurz vor einem Ausraster, weil das eine absolute Frechheit ist. Ich bin seit vier Jahren beim HSV, das ist die zweitlängste Station in meiner Karriere. Da ist es doch klar, wie viel mir der Verein bedeutet. Ich habe mitgeholfen, etwas aufzubauen. Und jetzt geht es darum, mich positiv zu verabschieden. Mittlerweile habe ich mich wieder in den Griff bekommen, ich habe gelernt, mit solchen Aussagen umzugehen.“

Noch bei keinem anderen Klub unterschrieben

In dieser Hinsicht störte sich Petric an einigen Medienberichten ebenso wie an den Äußerungen früherer Helden des Vereins. Wie zum Beispiel Uwe Seeler, der kritisiert hatte, dass der Angreifer nicht bereit war, einen Vertrag über nur ein Jahr zu unterschreiben.

„Sie werden gefragt und sie geben antworten, denn jeder hat zu allem eine Meinung. Doch außer dem HSV-Vorstand und mir kennt niemand die Hintergründe. Die Situation ist so, wie sie ist, dazu wurde von beiden Seiten alles gesagt. Deshalb werde ich das Thema nicht wieder aufrollen“, sagte Petric, der lediglich betonte, dass er bislang bei keinem anderen Verein unterschrieben hätte: „Ich konzentriere mich zu 100 Prozent auf den HSV. Alles andere ist jetzt nicht wichtig für mich.“