Fünf Punkte Vorsprung

Borussia Dortmund gebührt die Favoritenrolle

Spielstark und selbstbewusst kontert Dortmund die verbalen Attacken der Bayern im Kampf um die Meisterschaft. "Was sollen die Münchner denn auch anderes machen?", meint Kapitän Sebastian Kehl.

Am späten Montagvormittag gab es die nächste gute Nachricht für Borussia Dortmund. Als die Sieger von Köln den Trainingsplatz wieder verlassen hatten, kam Mario Götze und trainierte über drei Monate nach seiner Verletzung und vielen Stunden im Rehazentrum zum ersten Mal wieder in Dortmund.

Zusammen mit Andreas Schlumberger, dem Reha-Trainer des BVB, absolvierte er einige Übungen mit dem Ball. Wenn es gut läuft, soll Götze wieder mitwirken können, wenn die Saison auf die Zielgrade einbiegt: am 11. April, beim Gipfeltreffen mit dem FC Bayern in Dortmund.

Klopp gibt sich gelassen

Diese Aussicht trug dazu bei, dass sich die Laune bei Jürgen Klopp noch einmal erheblich verbesserte. Als der BVB-Trainer am Montag das Trainingsgelände verließ, stoppte er seinen Wagen noch einmal kurz vor der Ausfahrt, fuhr das Seitenfenster herunter und flachste mit den Journalisten: „Na, seid ihr die drei von Tankstelle?“

Der Aufforderung der Reporter, doch schnell noch einmal in Richtung der Münchner Bayern zu sticheln , kam er jedoch nicht nach. Im Gegenteil. „Die meisten Sachen, die da aus München kommen, kriege ich eh nicht mit“, sagte er und lachte: „Und die paar, die ich mitbekommen habe, finde ich eher lustig.“

Am Tag zuvor, nach dem sensationellen 6:1 (1:1) beim 1. FC Köln hatte er jedoch auch verbal ausgeteilt. Die Zielscheibe von Klopps Ironie war der Münchener Sportdirektor gewesen.

„Wenn Christian Nerlinger demnächst an der Fachhochschule ein Seminar ‚Wie komme ich sympathisch und authentisch rüber?’ anbietet, dann würde ich mich auch mal in den Hörsaal setzen“, hatte Klopp in der Fernsehsendung „Liga total Lounge“ gesagt – eine Reaktion auf die Aussagen Nerlingers, der das Gebaren der Dortmunder nach dem glücklichen Einzug ins Finale des DFB-Pokals , als Klopp und Kevin Großkreutz auf provozierende Art gejubelt hatten, als „hoch sympathisch“ verhöhnt hatte.

Beim Tabellenführer waren die Sprüche, die der Verfolger in den vergangenen Wochen immer wieder in Richtung Dortmund losgelassen hatte, bislang auf taube Ohren gestoßen. Doch nach dem überzeugenden Auftritt vom Sonntag schlugen die Borussen auch verbal zurück.

Nachdem sie auf dem Platz den Beweis geführt hatten, dass sie vom Druck, den die Münchener ausüben wollten, unbeeindruckt sind, gingen sie auch vor den Mikrofonen in die Offensive. „Dieser Psychoquatsch ist doch Kindergarten“, sagte Hans-Joachim Watzke, nachdem Bayern-Präsident Uli Hoeneß den Dortmundern zuvor einen „Zermürbungskampf“ angekündigt hatte: „Nur mit Reden gewinnst du keine Spiele.“

Spielerische Leichtigkeit

Auch die Versuche Nerlingers, das Image des BVB in Frage zu stellen, seien wenig überzeugend, befand der Geschäftsführer. Er jedenfalls könne sich dessen Aussagen nur so erklären, „dass Uli Hoeneß zu ihm gesagt hat: ‚Jetzt musst du aber mal richtig böse zu den Dortmunder sein!’“

Das Selbstvertrauen, das aus solchen Sätzen spricht, basiert auf der Leistungssteigerung, die in der zweiten Hälfte in Köln zu erkennen war. Nach mehreren Spielen, in denen sich der BVB kompakt aber wenig kreativ gezeigt hatte, war endlich wieder die spielerische Leichtigkeit zu erkennen, die den BVB über weite Strecken der aktuellen und vergangenen Saison ausgezeichnet hatte.

Es sei wieder zu sehen gewesen, „wie die Mannschaft Fußball spielen kann“, sagte Klopp. Und: „Falls das jemand vergessen haben sollte, haben meine Jungs das nun wieder in Erinnerung gerufen.“

Renaissance der Tugenden

Es wirkte wie eine Renaissance der Tugenden, für die das Team steht: Minutenlang wurde der Ball mit hohem Tempo und hoher Präzision durch die Reihen der überforderten Kölner gespielt – angetrieben vom überragenden Shinji Kagawa, der zwei Tore erzielte und ein weiteres vorbereite.

Und von Ilkay Gündogan, der die Aufgabe als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive immer effektiver löst. Überrascht hätte ihn die Leistungssteigerung jedoch keineswegs, erklärte Klopp. Schließlich sei zuletzt viel geübt worden, Standartsituationen etwa. Auch wurde darauf hingewirkt, die Anzahl der langen Pässe zu verringern.

Ein durchaus mühsamer Prozess, schließlich sei die Mannschaft sogar in der ersten Hälfte in Köln, als sie nach einem der seltenen Fehler von Torwart Roman Weidenfeller in Rückstand geraten war (13. Minute), noch „weit davon entfernt“ gewesen, den Fußball zu spielen, den sie sich vorgenommen habe, sagte Klopp. Erst nach der Pause sei der Knoten geplatzt.

BVB in der Favoritenrolle

Das hohe Endergebnis belegt zusätzlich, dass die Favoritenrolle im Endspurt weiterhin dem Titelverteidiger gebührt. Es sei durchaus als Reaktion auf die klaren Siege der Bayern zuletzt zu sehen, sagte Klopp: „Wer das als Antwort werten will, soll das tun.“

Die Deutlichkeit der sportlichen Antwort hat auch dazu geführt, dass das Monopol der Bayern auf selbstbewusste Aussagen und kernige Sprüche gebrochen ist. „Es interessiert uns in keiner Weise, was da alle zehn Tage für eine Parole aus dem Süden der Republik kommt“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Nur ein gewisses Verständnis haben sie derzeit für die verbalen Anstrengungen der Münchener übrig. „Sie wollen halt Unruhe stiften. Was sollen die auch anderes machen?“, fragte Kapitän Sebastian Kehl, als er das Trainingsgelände verließ.