Abstiegsangst

Netzer an HSV – wer schönredet, steigt ab

Nach der vierten Pleite in Folge muss der Dino der Liga um den Klassenerhalt fürchten. Die Verantwortlichen verbreiten Zuversicht. Das geht Einigen gegen den Strich.

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In der größten sportlichen Not nimmt Clubchef Carl-Edgar Jarchow die Fußball-Profis des Hamburger SV in die Pflicht. „Wir wissen, dass wir sieben Endspiele vor uns haben und erwarten von der Mannschaft, dass sie erkennt, wo wir stehen, und sich mit vollem Einsatz für das Ziel Klassenverbleib einsetzt“, sagte Jarchow am Sonntag im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens.

Jarchow: „Über den Trainer müssen wir nicht diskutieren.“

Und drohte mit Konsequenzen: „Wer das nicht tut, der muss das auch zu spüren bekommen.“ Zugleich erklärte der Vorstandschef, dass Thorsten Fink nicht zur Disposition steht: „Über den Trainer müssen wir nicht diskutieren.“

Unterdessen glauben die HSV-Idole Uwe Seeler und Willi Schulz an ein Happy End für den Bundesliga-Dino.

„Mannschaft und Verein haben erkannt, dass es zwölf Uhr geschlagen hat. Dieser Situation wird sich der HSV stellen. Deshalb glaube ich, dass es am Ende reicht, auch wenn es knapp wird“, sagte der ehemalige Nationalspieler Schulz.

Auch Ex-Stürmerstar Seeler ist sicher, dass der einzige seit Liga-Gründung dem Oberhaus zugehörige Club "unabsteigbar" ist. In der „Bild“-Zeitung (Montag) tippte er für die letzten sieben Saisonspiele auf vier HSV-Siege und drei Unentschieden und wurde so zitiert: „Mein HSV bleibt drin.“

Skeptischer äußerte sich „Kaiser Franz“ Beckenbauer, der von 1980 bis 1982 auch das HSV-Trikot getragen hat. „Es schaut nicht so rosig aus. Ich würde es (Abstieg) bedauern. Aber ich drücke dem HSV die Daumen.“

Netzer: Platz 16 positiv verkaufen ist absurd

EX-HSV-Manager Günter Netzer forderte angesichts der prekären Tabellenlage ein Ende der Durchhalteparolen. «Ich halte es geradezu für absurd und fahrlässig, wenn man den jetzigen Tabellenplatz positiv verkauft», schrieb der ehemalige HSV-Manager in seiner Kolumne für die «Bild am Sonntag» über den Liga-Dino.

Die prekäre Lage sei nicht allein mit Schönreden zu bewältigen. «Es ist gefährlich, wenn dieses unterschwellige Denken Einzug hält in die Mannschaft, dass man zu gut sei für den Abstieg. Das hat viele Teams schon absteigen lassen», warnte Netzer.