Spitzenspiel gegen Bayer

Huntelaars Doppelpack – Schalke ist jetzt Dritter

Hoch verdient gewinnt Schalke 04 das Topspiel gegen Verfolger Bayer Leverkusen. Torjäger Klaas-Jan Huntelaar zeigt sich weiter in Topform.

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Schalke 04 hat den Patzer von Mönchengladbach gegen Hoffenheim genutzt und die Borussia von Platz drei der Tabelle verdrängt. Und das hochverdient. Was die Gelsenkirchener beim 2:0 (1:0) gegen Bayer Leverkusen zeigten, war phasenweise fantastischer Fußball. Das Ergebnis drückt nicht annähernd die Überlegenheit der Gastgeber aus, die sich an diesem Abend Chancen herausspielten, die für vier Spiele hätten reichen können.

Leverkusen, das die vierte Pflichtspielniederlage in Serie beklagt, konnte nur zu Beginn mithalten. Nach 18 Minuten aber mündete die ausgeglichene Anfangsphase ins erste Tor des Abends. Julian Draxler wurde auf der linken Seite von Christian Fuchs überlaufen. Der Österreicher bekam den Ball und markierte seine achte Torvorlage der Saison. In der Mitte veredelte nämlich Klaas-Jan Huntelaar die scharfe Flanke mit dem Kopf zum 1:0. Schon erstaunlich, wie frei der Stürmer angesichts seiner Vorgeschichte zum Ball gehen durfte.

Huntelaars Torausbeute in dieser Saison ist schlicht phänomenal. Es war bereits der 39. Treffer im 38. Pflichtspiel für den Niederländer. Eine Statistik, die die Schalker einerseits jubeln, sie andererseits aber auch nachdenken lässt. Verschiebt sich in den laufenden Vertragsverhandlungen die Macht doch Woche für Woche weiter in Richtung des Spielers. Dessen Kontrakt läuft noch bis 2013. Schalke muss ihn also verlängern oder im Sommer mit einem Verkauf Kasse machen. Unter der Woche hatte der Klub dem Spieler ein erstes Angebot unterbreitet. Schalke soll bereit sein, Huntelaar bis zu sieben Millionen Euro Jahresgehalt zu zahlen.

„Wir haben Huntelaars Berater gesagt, dass wir sehr gern verlängern würden und es unser Wunsch ist, noch in dieser Saison Klarheit zu haben“, sagte Sportdirektor Horst Heldt. Er habe seine Wünsche platziert und sei dabei nicht auf komplette Ablehnung gestoßen: „Wir sind aber noch nicht ans Eingemachte gegangen.“ Dies dürfte nötig sein, auch wenn Huntelaar durchaus positive Signale sendet. „Ich bin zu 100 Prozent glücklich hier und habe alles, was ich brauche“, sagte der Niederländer. Entscheidend seien Erfolge: „Die Champions League ist wichtig. Aber noch wichtiger ist es mir, Titel zu gewinnen.“


Am Donnerstag gegen Bilbao

Das ist diese Saison ja durchaus möglich. Noch an die Meisterschaft zu glauben, wäre zwar tollkühn, aber in der Europa League haben die Schalker alle Chancen. Am Donnerstag werden sie im Viertelfinal-Hinspiel im eigenen Stadion gegen Athletic Bilbao antreten. Ein Selbstläufer wird es nicht: Die Spanier hatten im Achtelfinale Manchester United mit zwei Siegen ausgeschaltet. In der Liga hingegen sind sie weniger dominant. Vor dem Spiel am Sonntag gegen Gijon standen sie auf Rang neun der Tabelle.



Ihre Europapokal-Gegner hätten schon in der Pause mit den Gedanken bei den Spaniern sein können – wenn sie gegen Leverkusen ihre Überlegenheit ausgespielt hätten. Nach dem 1:0 übernahm Schalke komplett die Kontrolle und führte Leverkusen streckenweise so vor, dass sich Trainer Robin Dutt wohl am liebsten die Augen zugehalten hätte. Allein es sprang nichts dabei heraus. Entweder strichen die Schüsse am Tor vorbei, es wurde ein Haken zu viel gemacht oder der Schiedsrichter entschied auf Abseits. Wie in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als Huntelaar nach einem Freistoß den Ball erneut ins Tor geköpft hatte. So konnte sich Bayer nach dem Wechsel weiter eine Chance ausrechen, ohne viel dafür getan zu haben.


Schürrle schoss den Ball Richtung Dortmund

Ein Zustand, der bis tief in die zweite Hälfte anhielt. Zum Teil, weil die Leverkusener jetzt ein wenig besser ins Spiel kamen. Simon Rolfes scheiterte mit einem Schuss an Torwart Timo Hildebrand (47.), und André Schürrle bekam den Ball elf Meter frei vor dem Tor, drosch ihn aber derart hoch in den Nachthimmel, dass er wahrscheinlich bis nach Dortmund flog.

Hauptsächlich aber lag das knappe Ergebnis an den Schalkern. Was diese auch nach dem Wechsel an Tormöglichkeiten liegen ließ, war schon phänomenal. Sie hier auch nur aufnähernd aufzuzählen, ist wegen des begrenzten Platzes leider nicht möglich. Sinnbildlich mag die 66. Minute stehen, in der nacheinander Raul, Huntelaar und Draxler hundertprozentige Chancen vergaben.

Die Erlösung kam dann in der 86. Minute, als Huntelaar nach einer Farfan-Flanke mit dem Kopf seinen 40. Saisontreffer erzielte. „Wir haben einen großen Schritt in Richtung Champions League gemacht“, sagte Jermain Jones recht treffend. Weniger richtig war allerdings seine Spielanalyse: „Wir haben unsere Torchancen eiskalt genutzt.“ Trainer Huub Stevens rückte diese Einschätzung anschließend gerade: „Den einzigen Vorwurf, den ich der Mannschaft machen kann, ist, dass wir heute nur zwei Tore geschossen haben.“