Einzug ins Pokalfinale

Manuel Neuer hilft den Bayern auf die Sprünge

Manuel Neuer sorgte dafür, dass die Bayern im Pokalfinale stehen. Paul Breitner sieht den Torhüter schon jetzt auf einer Stufe mit Sepp Maier und Oliver Kahn.

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Kaum hatte das Training begonnen, da waren sie auch schon wieder weg. Ausradeln hieß es Donnerstagmittag für die Profis des FC Bayern am Tag nach dem Krimi im Halbfinale des DFB-Pokals, den sie auswärts gegen Borussia Mönchengladbach nach torlosen 120 Minuten mit 4:2 im Elfmeterschießen für sich entschieden hatten.

Dadurch kommt es am 12. Mai in Berlin nun zum großen Finalduell mit Borussia Dortmund. Auf ihren schicken Mountainbikes strampelten die Spieler also vom Vereinsgelände an der Säbener Straße. Thomas Müller vorneweg, Franck Ribery hintendran. Und mittendrin Manuel Neuer.

Mittendrin im Kreis der Mannschaft war der Torwart auch 14 Stunden zuvor. Als ihn die Mitspieler feierten und aller Welt zeigten, ganz demonstrativ, wem sie die Reise nach Berlin zum Endspiel zu verdanken hatten.

Franck Ribery, der sagte, es sei „super für die Bayern und super für Manuel“, fiel seinem Torwart um den Hals, genau wie Mario Gomez – er war nach 100 glücklosen Minuten ausgewechselt worden –, der mit dem Zeigefinger auf Neuers Haupt deutete.

Auch Sportdirektor Christian Nerlinger frohlockte: „Ich freue mich wahnsinnig, dass Manuel Neuer den entscheidenden Elfmeter gehalten hat“, die Betonung schien dabei auf den beiden Worten „Manuel“ und „Neuer“ zu liegen.

"Manuel war der Matchwinner“

Seine Qualitäten zu zeigen, für Manuel Neuer gab es keinen besseren Zeitpunkt als den Mittwochabend. „Manuel war der Matchwinner“, sagte Trainer Jupp Heynckes überglücklich, „da hat er gezeigt, dass er sich von all dem nicht beirren ließ.“

Von all’ dem, damit meinte der Trainer das Nörgeln in den vergangenen Wochen. Die immer lauter werdenden Zweifel, ob Neuer wirklich die 25 Millionen Euro wert war, die die Bayern im Sommer als Ablöse an den FC Schalke 04 überwiesen hatten. Schließlich müsse so einer wie Neuer, hatte es geheißen, doch auch einmal die sogenannten unhaltbaren Bälle halten.

Zudem habe der Nationaltorhüter zu wenig physische Präsenz, um die Gegenspieler einzuschüchtern. Er sei zu brav und still, anders als einst Oliver Kahn, der Mitspieler oftmals lautstark zusammengefaltet hatte. Kritiker hatten über Neuers Fehler in den Ligaspielen gegen Mönchengladbach diskutiert, auch über den beim 1:2 zuletzt in Leverkusen.

Genau das richtige Spiel

Noch vor der Pokalpartie hatte Matthias Sammer, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei Sky über Neuer gesagt: „Ich bin der Meinung, dass er noch ein bisschen Zeit braucht, um richtig anzukommen.“ Vielleicht hatte Sammer ja sogar ein stückweit Recht. Vielleicht brauchte Neuer ja genau dieses eine Spiel in Mönchengladbach, um zu zeigen, wie wertvoll er für die Bayern sein und noch werden kann.

Vor einem Jahr, Anfang März 2011, stand Manuel Neuer auch im Halbfinale des DFB-Pokals. Damals aber trug er noch das Trikot von Schalke 04, und er spielte in München gegen die Bayern. Es war die Zeit der Schmähungen, viele Fans hielten Schilder hoch, auf denen „Koan Neuer“ stand, er wurde beschimpft und angepöbelt.

Schalke gewann damals, Neuer vermasselte den Bayern den Finaleinzug – an diesem Mittwochabend nun ermöglichte er ihn. Und nur er. Denn diesmal gab es für den FC Bayern kein Torfestival wie in den drei Spielen zuvor mit insgesamt 20 Treffern.

Erleichterung

Fast wirkten die Bayern erleichtert, wie Sportchef Nerlinger meinte, endlich wieder einen „Gegner auf Augenhöhe“ zu haben, nachdem es gegen 1899 Hoffenheim 7:1 , den FC Basel 7:0 und Hertha BSC 6:0 geheißen hatte.

In Mönchengladbach aber, wo die Bayern auch ihre Chancen hatten, sie aber nicht nutzten, benötigte die Mannschaft einen guten Torwart. Einen wie Manuel Neuer, der erst im Spiel einige Torschüsse der Borussia parierte – und im Elfmeterschießen schließlich den entscheidenden Schuss von Havard Nordtveit.

Von Neuers Weltklasse war Paul Breitner immer schon überzeugt. Der Weltmeister von 1974 hegte nie Zweifel, weshalb er sich am Tag nach dem Halbfinale über die Kritiker genauso entrüsten konnte wie am Dienstag in der ZDF-Talkshow bei „Markus Lanz“ über billiges Trash-TV.

Unsinnige Diskussion

„Die Diskussion zu Manuel Neuer war schon immer unsinnig“, sagte Breitner am Donnerstag „Morgenpost Online“: „Ich weiß nicht, was die Leute da fantasieren, ich krieg’ da echt einen Vogel. Wir haben bei den Bayern einen der besten Torhüter der Welt, seine Qualitäten sind überragend.“

Kritik, ergänzte Breitner, gäbe es nur deswegen, weil ein „Neuer im Spiel fünf Bälle aufs Tor bekommt und ein ter Stegen 50“. Da würden Fehler mehr ins Gewicht fallen. „Aber das war beim Sepp Maier und beim Olli Kahn auch schon so, das ist das Problem, wenn du bei den Bayern im Tor stehst.“ Für Breitner ist Neuer schon jetzt in einer Reihe mit einem Maier und einem Kahn zu nennen.

Nun hoffen die Verantwortlichen der Bayern, dass dies künftig auch alle Fans in München so sehen. Noch immer hat Manuel Neuer, der auf Grund seiner Schalke-Vergangenheit in von einigen Fans angefeindet wurde, nicht jeden Bayern-Sympathisanten von sich überzeugt.

Bis zum Karriereende

Auf Neuers Leistung in Mönchengladbach angesprochen sagte der Bayern-Präsident Uli Hoeneß deshalb auch: „Das ist ein wichtiges Signal, weil wir nach wie vor das eine oder andere Problem mit der Südkurve haben. Da sollte sich der eine oder andere überlegen, ob er das aufrechterhalten will.“

Allerdings hat der Großteil der Fans Neuer längst akzeptiert. Für den kleinen Rest bedarf es eben noch etwas Zeit – und einiger weiterer Glanzleistungen. Geht es nach Paul Breitner sollte Neuer die Zeit auch bekommen. Am besten bis zum Ende seiner Karriere. So lange würde er den Nationaltorwart gern bei den Bayern sehen.