Mönchengladbach

Nach drei Opfern trifft Bayern jetzt auf einen Gegner

Die vergangenen drei Spiele waren für die Münchner mit insgesamt 20 Toren eine lockere Sache. Borussia Mönchengladbach ist da ein ganz anderes Kaliber.

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Die Bande ist gnadenlos und will mehr. Dreimal in Folge hat sie zuletzt zugeschlagen. Es gab viele Schaulustige, aber keinen, der sie aufhielt. Tatorte: Zweimal München, einmal Berlin. Der FC Bayern ging mit der TSG Hoffenheim (7:1) , dem FC Basel (7:0) und Hertha BSC (6:0) brutal um. Ihr Motiv: Der Traum vom Tripel .

Verängstigte Bundesligavereine haben die Hoffnung, dass das Treiben am Mittwochabend ein Ende hat. Am Niederrhein stellt sich die Sonderkommission „Borussia Mönchengladbach“ dem Rekordmeister mutig entgegen. Leiter ist Lucien Favre , und er hat seine Mannschaft sehr gut auf den FC Bayern eingestellt.

Sie hat ihm in dieser Bundesliga-Saison schon zweimal das Handwerk gelegt (1:0 und 3:1) – und will es im Halbfinale des DFB-Pokals am Mittwoch (20.30 Uhr, ARD und Sky) wieder schaffen.

Die Bayern haben sich auf das Einbrechen in Strafräume spezialisiert. Sie durchwühlen ganze Abwehrketten und lassen verstörte Verteidiger zurück. Die Täter haben es immer auf dieselbe Beute abgesehen: Tore.

64 haben sie in dieser Saison schon geschossen, 20 in den vergangenen drei Spielen, „das gelingt abgesehen vom FC Barcelona und Real Madrid nicht vielen Mannschaft“, sagt Gladbachs Mittelfeldspieler Roman Neustädter.

Starke Gladbacher Abwehr

Er und seine Kollegen sind die erfolgreichsten Objektschützer im deutschen Fußball, ihr Strafraum die sicherste Zone. Nur 16 Gegentore ließen sie zu, dass schaffte sonst nur Dortmund, und zuhause sind sie seit rund einem Jahr ungeschlagen. Die beste Defensive trifft auf die beste Offensive. Am Mittwoch zeigt sich, was mehr wert ist. „Die Wochen der Wahrheit stehen an“, sagt Thomas Müller, einer der Anführer der Bayern-Bande.

Die Münchner wollen zum 16. Mal den Pokal gewinnen, Samstag mit einem Sieg gegen Hannover 96 den Meisterschaftskampf spannend halten, und am Mittwoch nächster Woche das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Olympique Marseille gewinnen. Die Spiele werden die Frage beantworten, die sich viele stellen: Wie gut sind die Bayern wirklich?

Drei Siege in Serie gegen den Rekordmeister, das ist zuletzt Eintracht Frankfurt gelungen (1977/1978). „Wir haben aus den Niederlagen gelernt. Ein drittes Mal verlieren wir nicht“, sagt Bayern-Trainer Jupp Heynckes, der gegen Gladbach auf den verletzten Bastian Schweinsteiger verzichten muss.

Opfer statt Gegner

Ein richtiges Spiel hatte seine Mannschaft lange nicht, zuletzt waren es eher Trainingseinheiten über 90 Minuten. Statt Gegner gab es nur Opfer. Hoffenheim war zu schlecht, der FC Basel zu mutlos, Hertha BSC zu schlecht und zu mutlos. „In Gladbach wird es sicherlich deutlich schwerer, jedoch brauchen wir uns in der derzeitigen Form vor keinem Team verstecken. Wir wollen ins Pokalfinale, egal wie“, so Müller.

Das Gelingen der nächsten Coups entscheidet darüber, ob es eine gute Saison für den FC Bay-ern wird. Siege könnten dabei helfen, dass Offensivstar Arjen Robben seinen Vertrag beim Rekordmeister verlängert. Dieser endet 2013, und der Verein hat in mehrere Gespräche mit Robben und seinem Vater und Berater Hans geführt, das letzte vor knapp zwei Wochen.

Es seien gute Gespräche gewesen, sagt Sportchef Christian Nerlinger. Ein Ergebnis gibt es trotzdem (noch) nicht. „Ich kann nicht zu hundert Pro-zent sagen, dass ich bleibe“, sagt Robben. „Fußball ist manchmal komisch, das hat man in den vergangenen Wochen gesehen.“

Den Stolz getroffen

Was er meint: Dreimal in Folge saß er zu Beginn des Jahres auf der Ersatzbank. Das hat den Star in seinem Stolz getroffen. „Es war nicht die schönste Zeit“, sagt er. Mit 28 Jahren will er noch einmal einen großen Vertrag unterschreiben. Die Höhe des Gehalts dürfte in den Verhandlungen eine entscheidende Rolle spielen.

Und vielleicht auch, wie lange Heynckes Trainer ist? Robben zeigt sich ganz gelassen und setzt sich keine Frist. „Ich habe keine Eile.“ Bleibt er Stammspieler und gewinnt mit dem FC Bayern Titel, dürfte er bleiben. Allerdings haben angeblich mehrere englische Klubs Interesse an ihm, unter anderem sein Ex-Verein FC Chelsea. „Es kann sein, dass die manchmal anrufen. Aber ich rede mit keinen anderen Klubs“, so Robben.