BR Volleys

Wie Berlin zur Volleyball-Hauptstadt werden soll

Seit dem Sommer heißen die Volleyballer vom SC Charlottenburg Recycling Volleys und spielen in der Max-Schmeling-Halle. Im Schnitt kommen 3500 Besucher – dreimal so viel wie 2009. Die Sportart boomt. Jetzt will das Team gegen Meister Friedrichshafen Schritt halten.

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Die Zahl berauscht Kaweh Niroomand geradezu. 3459 Zuschauer im Durchschnitt haben in dieser Saison bisher die Spiele der BR Volleys in der Max-Schmeling-Halle besucht. „Vor drei Jahren hätte ich mich gekniffen oder mir links und rechts ins Gesicht gehauen, um sicher zu sein, dass ich nicht träume“, jubelt der 59-Jährige. Zu der Zeit fanden noch alle Partien in der Sömmeringhalle statt. Nicht mal ein Drittel an Fans kamen. „Heute brauchen wir uns in Berlin nicht mehr zu verstecken“, fügt der Manager des Volleyball-Bundesligisten stolz hinzu, der seit 30 Jahren versucht, seinen Sport in Berlin aus dem Nischendasein zu führen. Und der sich jetzt auf gutem Wege wähnt.

Lokomotive des deutschen Volleyballs

Die wachsenden Besucherscharen, die in der Bundesliga sowieso nicht, doch selbst in Europa nur noch von einer Handvoll Klubs in Polen, Russland oder Slowenien übertroffen werden, sind dafür ein wichtiges Indiz. „Die Zahl ist bemerkenswert“, bestätigt Thomas Endres, Geschäftsführer des kontinentalen Verbandes CEV, „damit gehören die BR Volleys zu den Topteams in Europa.“

Es gibt weitere Indizien. Dass sich im Volleyball etwas tut, hat inzwischen auch das Fernsehen gemerkt. So zeigte die ARD im Morgenmagazin Bilder vom Play-off-Viertelfinale der BR Volleys in Königs Wusterhausen. Niroomand spricht gern von der „Lokomotive des deutschen Volleyballs“, als die sich sein Verein sieht.

Der Saisonetat ist auf über eine Million Euro gestiegen, die Zahl der Sponsoren um 20 Prozent auf über 50. Die Organisation des Vereins wurde ausgebaut, starke Spieler verpflichtet und trotzdem nicht alles Geld in die Mannschaft gesteckt, denn: „Unser Projekt ist langfristig angelegt.“ Der Umzug nach Prenzlauer Berg bringt neben mehr Fans nämlich auch höhere Kosten mit sich. Bedauert hat den Schritt bei den Volleys dennoch niemand.

Lob von der Bundesliga

Dafür gibt es Lob, auch von der Liga. „Es bringt den Volleyball erheblich nach vorn, wenn einmal ein Verein sein Herz in beide Hände nimmt und einen solchen Schritt wagt. Es wäre gigantisch, wenn andere diesem Beispiel folgen würden“, findet Marko Beens, Geschäftsführer der Bundesliga (VBL). „Es ist zu begrüßen, was die Berliner gemacht haben“, sagt sogar Stelian Moculescu, Trainer des Deutschen Meisters VfB Friedrichshafen.

Andererseits stellt gerade er sich mit seiner Mannschaft der Lokomotive ab Mittwoch in den Weg. Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft treffen beide Teams aufeinander, am Mittwochabend zunächst am Bodensee , am Sonntag im zweiten Spiel der Serie nach dem Modus „Best of five“ in der Schmeling-Halle. Es herrscht starke Rivalität zwischen beiden Vereinen, aber auch Respekt vor der sportlichen Leistung des anderen. „Friedrichshafen gehört zu den besten Teams in Europa“, erkennt Berlins Trainer Mark Lebedew an, „sie haben gerade den deutschen Pokal gewonnen und siebenmal in Folge den Meistertitel. Die sind zumindest so lange Favorit, bis ein anderer gewinnt.“ Und so lange, wie der Etat des VfB mit rund zweieinhalb Millionen Euro immer noch doppelt so hoch ist wie der des Konkurrenten aus der Hauptstadt.

Auf der Suche nach Sponsoren

Aber auch daran arbeiten die Berliner. Einen Großteil seiner sportlichen Überlegenheit, glaubt Niroomand, zieht Friedrichshafen aus seiner Dauerpräsenz in der Champions League, Lohn der Meisterschaften. „Wir müssen mal Meister werden und auch eine Situation schaffen, dass wir längere Zeit in der höchsten Klasse Europa spielen.“

Dafür suchen die Volleys mit ihrer Aktion „80 +“ weitere Kleinsponsoren, aber auch zwei größere, die neben Namensgeber Berlin Recycling und der DKB Bank die Basis verbessern sollen. Niroomand will das aktuelle Team zusammenhalten, höchstens auf ein oder zwei Positionen verändern. „Ziel ist es“, sagt er, „einen guten deutschen Spieler dazuzuholen.“ Solche Leute kommen eher, wenn sie wissen, dass ihr neuer Verein auch in der Champions League dabei ist. Dass dies jetzt gelingt, ist eher unwahrscheinlich. Sicher scheint dagegen, dass der Zuschauerschnitt von 3459 schon am Sonntag beim zweiten Halbfinale erneut steigen wird.