Trockenbad und Internetecke

So wohnt die deutsche Nationalelf bei der Fußball-EM

Zwischen Dampfbad und Weinkeller: Ein Blick hinter die Kulissen des Luxushotels "Dwór Oliwski" in Polen, das EM-Hauptquartier der deutschen Nationalmannschaft.

Wer im Juni ein Zimmer im Fünfsternehotel "Dwór Oliwski" in Danzig reservieren will, hat keine Chance – das 70-Zimmer-Haus ist komplett ausgebucht. Hoher Besuch hat sich angekündigt: die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.

Lukas Podolski, Philipp Lahm & Co. werden mit Trainern und Betreuern in dem renovierten Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert im Stadtteil Oliwa absteigen, das Hotel am Rande eines Waldgebiets gleich neben dem Zoo dient als Stammquartier während der Fußball-EM. Von hier aus fliegt die Löw-Elf zu ihren Spielen, von denen die ersten der Gruppe B (zu der neben Holland, Dänemark und Portugal auch Deutschland gehört) in Lemberg und Charkow in der Ukraine stattfinden werden.

Trainieren werden die Nationalspieler auf dem Platz des Städtischen Sport- und Erholungszentrums an der Traugutt-Straße, das dem lokalen Fußballverein Lechia Gdansk lange als Stammstadion diente. Zur Erholung und Erbauung nach Spielen und Training steht der Mannschaft der Hotel-Spa bereit, der laut Hotelwebsite neben Schwimmbad, Massagebad und Dampfbad auch ein Trockenbad bietet, wobei leider nicht erklärt wird, wie ein Bad ohne Wasser funktioniert.

Die Website wirbt noch mit einem weiteren Service: "Die Hotelgäste von 'Dwór Oliwski’ können die Computers und Internet kostenlos im gemütlichen Business Corner benutzen" – man kann sich gut ausmalen, wie Podolski dort seine Mails checkt, während sich Torwart Manuel Neuer online mit Kickerspielen vergnügt.

Das Polnische Fremdenverkehrsamt wiederum, das die Quartierpläne der deutschen Mannschaft ausgeplaudert hat, gibt hinsichtlich des Freizeitverhaltens der deutschen Elf zu Protokoll: "Neben dem Wellnessbereich und dem großzügigen Garten dürfte auch das historische Gewölbe des Weinkellers ein beliebter Treffpunkt für das Team werden."

Wie viel der DFB für die gesamte Anlage bezahlt, ist nicht bekannt, die Preise für ein modern eingerichtetes Einzelzimmer starten bei 409 Zloty, umgerechnet 97 Euro, während eine Juniorsuite (von denen es allerdings nur elf gibt) mit 849 Zloty (202 Euro) zu Buche schlägt.

Welcher Nationalspieler in welchem Bett schlafen wird, ist nicht bekannt, aber man kann schon jetzt davon ausgehen, dass das Zimmer, in dem Lukas Podolski absteigt, nach der EM dauerhaft ausgebucht sein wird, ist der in Schlesien geborene Fußballer doch auch in Polen ein Star mit Kult-Status.

Ein Frühstücksbüffet ist im Zimmerpreis übrigens enthalten. Über dessen Qualität gehen die Meinungen indes auseinander: Während ein früherer Hotelgast auf Holidaycheck.de verlauten lässt, "das Frühstücksbüffet war mehr als ausreichend und nett angerichtet", meckert ein anderer auf dem Portal Ab-in-den-Urlaub.de über das "Bewachen des Buffets" durch das Personal, das benutztes Geschirr nicht abräume, "schmutzige Tischdecken wurden mit Servietten abgedeckt". Sein Fazit: "Fünf Sterne sind zu viel!".

Bleibt zu hoffen, dass das Personal inzwischen ausgetauscht oder besser geschult wurde, denn die gesamte Hotelanlage ist bis einschließlich 4. Juli für den DFB reserviert, man wird also recht lange miteinander auskommen müssen im Hotel und am Frühstücksbüffet.

Das Endspiel findet übrigens am 1. Juli statt – dass die Deutschen das "Dwór Oliwski" bis zum 4. Juli belegen wollen, lässt darauf schließen, dass man vorhat, ins Finale zu kommen. Ein guter Plan!