Europapokal

Bayern und Schalke sind den Fans einen Titel schuldig

Die letzten beiden deutschen Erfolge in den Europapokal-Wettbewerben sind Ewigkeiten her. Es wird Zeit, dass sich das ändert.

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Herrlich aufregen lässt sich über Arbeitsverweigerung deutscher Klubs im Europapokal. Alle Jahre wieder. Doch machen wir unter die ängstlichen Schlaffis von Bayer Leverkusen und ihre 1:7-Schlappe gegen den FC Barcelona einfach mal einen Strich und schauen, was der Rest noch veranstalten kann. Stolze Vertreter wie der FC Bayern, Schalke 04 und Hannover 96.

Die Münchener müssen beispielsweise im Viertelfinale gegen Olympique Marseille ran. Einem Klub also, der schon mit dem Erreichen des Viertelfinales mehr erreicht hat, als er sich erträumen konnte. Wir sehen, es ist noch eine Menge drin. In der Champions League wie in der Europa League. Und es lässt sich ein Trend erkennen.



Der deutsche Fußball ist zwar sportlich (noch) nicht top, aber mittlerweile immerhin solide. Bereits zum fünften Mal in den vergangenen zehn Spielzeiten stehen mindestens drei Bundesliga-Klubs im Viertelfinale der europäischen Wettbewerbe. Vor allem die Konstanz seit 2006 kann sich sehen lassen. Mit Ausnahme der vergangenen Saison kamen immer mindestens drei deutsche Vertreter in die Runde der besten Acht.

Das zahlt sich aus: Die Bundesliga hat nach dem erfolgreichen Abschneiden der drei verbliebenen deutschen Teams den wichtigen dritten Platz in der Fünfjahreswertung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gefestigt. Im Vergleich zu den viertplatzierten Italienern (59,837 Punkte), die nur noch durch den AC Mailand vertreten sind, stieg der Vorsprung noch einmal um 0,929 Punkte an. Mit 73,519 Zählern liegt Deutschland weiter auf dem dritten Rang hinter Spitzenreiter England (83,160) und Spanien (79,328). Deutschland kann dadurch auf Sicht mit vier Startern (drei Direktstarter und ein Qualifikant) in der Champions League starten.



Die Bundesliga ist wie ein Schwellenland. Wirtschaftlich recht gut aufgestellt, aber noch nicht ganz auf Augenhöhe mit den großen Fußball-Nationen. Die garantierten Millionen aus der Champions League könnten eine weitere Entwicklungshilfe sein, um den Großen näher zu kommen.

Geld schießt zwar keine Tore, das hat das armselige Beispiel des schwerreichen Klubs Manchester City und Manchester United gezeigt – deren Aus im Achtelfinale der Europa League gehört zu den bemerkenswertesten Kapiteln dieses Europapokal-Wettbewerbes. Aber Geld hilft, um sich entwickeln zu können. Es steht zu erwarten, dass die meist vernünftig wirtschaftenden Vertreter der Bundesliga es vernünftig anzulegen wissen.



Doch der Erfolg im Fußball bemisst sich am Ergebnis, nicht an einer beeindruckenden Wirtschaftsbilanz. Was zählt sind Titel, um Emotionen schüren zu können, von dem der Sport lebt. Der letzte deutsche Titelgewinn in der Champions League liegt mehr als zehn Jahre zurück. 2001 gelang es letztmals dem FC Bayern. Beim Vorgänger der Europa League, dem Uefa-Pokal, müssen wir schon weiter zurück denken. 1997 feierte Schalke 04 den letzten Triumph.

Im Klubfußball sind das gefühlte Ewigkeiten. Es wird also Zeit, dass sich das ändert. Das Selbstverständnis von Klubs wie dem FC Bayern und nun auch dem FC Schalke 04 ist auf einen Erfolg in Europa programmiert. Vor allem aber können wir erwarten, dass mal wieder ein deutscher Klub triumphiert. Das ist der deutsche Fußball den Fans schuldig.