"Auszeit"

Bahn frei für Tschechiens zugfahrende Nationalelf

Die Auswahl der tschechischen Fußballspieler wird bei der Europameisterschaft 2012 auf Busfahrten verzichten. Stattdessen freuen sich die Nationalkicker auf einen eigenen Sonderzug.

Vergangenes Jahr summierten sich die Staus auf deutschen Straßen auf 450.000 Kilometer, wie der ADAC errechnet hat. 60.000 Staus entfielen allein auf Nordrhein-Westfalen. Glück gehabt, wem das erspart blieb.

Gerade bei Fernreisen mit kleinen Kindern empfiehlt sich das Meiden von Autobahnen. Stundenlanges „Ich sehe was, was du nicht siehst“ und „Benjamin Blümchen“ oder „Bibi Blocksberg“ in der Dauerschleife erträgt im angeschnallten Zustand schließlich selbst das sonnigste Gemüt nur mit Mühe.

Und: Es droht der Fragenkoller. „Wannsindwirendlichdaaaaaaaaaaaaaa?“

Einen Koller hat die tschechische Fußball-Nationalmannschaft auch mal gehabt. Der hieß Jan und war 2,02 Meter groß. Wir stellen uns vor, dass einer wie Koller auf der Anreise zu einem Spiel im Mannschaftsbus immer auf der Rückbank in der Mitte sitzen musste. Beinfreiheit und so. Von dort lässt sich der Stau auch besser beobachten. Dabei fällt uns ein: Wie halten sich umhätschelte Fußballprofis bei Laune?

Nun haben die Tschechen zwar kein Nordrhein-Westfalen in ihrem Land. Zur EM nach Breslau in Polen wollen sie von Prag aus dennoch lieber mit dem Zug anreisen – auf einer Route mit rund einem 350-km-Umweg und zwei Stunden mehr Fahrtzeit als im Bus. Die Kicker hat offensichtlich die Aussicht auf einen Sonderzug der nationalen Bahn mit einem Schlaf-, einem Speise- sowie zwei Wagen erster Klasse und einem Konferenzwaggon gejuckt, in dem sich noch Freistoßvarianten probieren lassen.

Wir horchen mal in die Zukunft: „Dschentlmen, wi will nau arreif Breslau. Ausstieg im Turnier bitte nicht vor Halbfinale. Sänk ju for träwelling wis tschechische Bahn!“