Spuckattacke, Ohrfeige, Prügel

Boxrüpel Chisora steht vor dem endgültigen K.o.

Boxer Dereck Chisora wird am Mittwoch vom britischen Verband angehört – wegen seiner Ausraster vor, während und nach dem WM-Kampf gegen Vitali Klitschko.

Reumütig werden die meisten Menschen in der Not, da bildet Muskelprotz Dereck Chisora (28) keine Ausnahme. Kein Wunder, bangt doch der britische Skandalboxer um seinen Job als Preiskämpfer, den er angeblich über alles liebt.

„Ich bedauere alles, was ich gesagt und getan habe. Mir tut alles leid. Ich hoffe auf Nachsicht“, winselte der schwergewichtige Rüpel vor seiner Anhörung am Mittwochnachmittag vor dem British Boxing Board of Control (BBBofC).

Bevor die Herren des nationalen Verbandes ihr Strafmaß festlegen, wollen sie von Chisora aber erst einmal wissen, was er zu seinen Ausrastern vor, während und nach dem Kampf gegen Weltmeister Vitali Klitschko vor drei Wochen in München zu sagen hat.

Butlin ins Ohr gebissen

Es ist schwer zu glauben, dass Chisora tatsächlich einen Sinneswandel vollzogen hat. Sein Leben ist geprägt von regelmäßigem Fehlverhalten – und das nicht nur bei der Ausübung seines Berufs. Der Sohn millionenschwerer Eltern, der als 16-Jähriger mit seiner Mutter aus Simbabwe nach London übersiedelte, wurde schon als Teenager wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet.

Sein Glück war, dass er statt im Gefängnis in die Obhut eines Bewährungshelfers kam, der ihn als Disziplinarmaßnahme zum Boxen schickte. Der Faustkampf wurde so zu seiner Leidenschaft.


„Es hätte nicht mehr lange gedauert, dann hätte ich sicher eine Kugel abbekommen, und niemand würde heute mehr über mich reden“, sagt Chisora, der sich im November 2010 erneut vor einem Zivilgericht wiederfand. Er hatte seine damalige Freundin verprügelt, woraufhin er eine Bewährungsstrafe erhielt.

Im Jahr davor hatte er im Kampf gegen seinen Landsmann Paul Butlin diesen ohne erkennbaren Grund in der fünften Runde ins linke Ohr gebissen. Die nationale Boxbehörde sperrte ihn vier Monate und verhängte eine Geldstrafe von 2500 Pfund.

Nach jeder Verurteilung gelobte Chisora Besserung. Seine Rückfälle zeigen jedoch, was von seinen Gelübden zu halten ist. Was er sich in München geleistet hatte, übertraf alles bisher Erlebte. Erst ohrfeigte er Vitali Klitschko, dann bespuckte er dessen Bruder Wladimir, und schließlich zettelte er eine Prügelei mit Landsmann David Haye an, dem er auch noch drohte, ihn zu ermorden.

In seinem 83-jährigen Bestehen sprach der britische Boxverband nur wenige Bestrafungen aus. 1987 verhängte er das einzige lebenslängliche Boxverbot. Es traf Cruisergewichtler Bobby Frankham wegen Schlagens des Ringrichters. Chisora könnte nun auch k.o. gehen.