Ex-Capitano

Ballack manövriert sich in eine dunkle Ecke

Nach langem Schweigen in deutschen Medien hat Michael Ballack sein Herz ausgeschüttet und kreiert Verschwörungstheorien. Ein unwürdiger Abgang.

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Normalerweise redet Michael Ballack nicht mehr mit deutschen Medien. Er hat Interviews in französischen, englischen und italienischen Zeitungen gegeben. Nur gegenüber den einheimischen Publikationen schmollt er. Ihm habe die Unterstützung gefehlt, als er am Boden lag, hört man aus seinem Umfeld. Unterstützung zu einer Zeit, als seine große Karriere den Bach runter ging.

Vor der Weltmeisterschaft 2010 war das, Kevin Boateng hatte ihn verletzt, er konnte nicht antreten. Ohne ihn entwickelte die Mannschaft eine nie gekannte Dynamik.

Philipp Lahm trotzte ihm dann auch noch die Kapitänsbinde ab, Bundestrainer Joachim Löw teilte ihm mehr oder weniger deutlich mit, dass er ohne ihn plane. Und dann noch der Trubel um sein Abschiedsspiel, zu dem der Deutsche Fußball-Bund ein schon terminiertes Länderspiel umfunktionieren wollte, was Ballack ablehnte.

Ballack stilisiert sich als Märtyrer

Nein, es lief nicht gut, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Bei Bayer Leverkusen haben sie gar das „Projekt Ballack“ offiziell für gescheitert erklärt. Aktuell kuriert Ballack eine Wadenzerrung aus. Ob er überhaupt noch einmal für den Werksklub auflaufen wird, ist fraglich. Ballack hat also allen Grund, unzufrieden mit sich und der Welt zu sein. Nun allerdings verkündet er das auch lautstark.

Er hat eine Ausnahme gemacht in seinem Medienboykott und sich in die Talkshow „Sky 90“ gesetzt. Und dort hat er mal so richtig abgerechnet. Philipp Lahm habe bei seinem Sturz "Doppelpass gespielt" mit Bundestrainer Löw, behauptet Ballack. In Sachen Abschiedsspiel habe der DFB nicht mit offenen Karten gespielt. Und bei Bayer Leverkusen seien die Trainer Schuld , dass er nicht zum Stammpersonal zähle.

Alle Kritikpunkte mögen einen wahren Kern haben . Doch darum geht es nicht.

Ballack ist dabei, sich in eine dunkle Ecke zu manövrieren . Er stilisiert sich als Märtyrer, dessen Leistungen für das Vaterland völlig verkannt werden. Das ist allerdings nicht so: Niemand stellt in Abrede, dass Ballack über nahezu zehn Jahre der Alleinunterhalter im deutschen Team war.

Im Schmollwinkel

Ohne sein Ausnahmekönnen wäre die Krise, die den Fußball hierzulande nach dem Raubbau der 90er-Jahre ergriffen hatte, noch wesentlich krasser ausgefallen. Er war Herz, Seele und Gesicht des deutschen Spiels. Nur seinen Abgang hat er völlig verpatzt.

Statt mit der Grandezza eines Weltstars aufzutreten, der nach einer großen Karriere nun langsam die Bühne verlässt, hockte er sich in seinen Schmollwinkel und spann Verschwörungstheorien. Er hat den Zeitpunkt verpasst, reinen Tisch zu machen mit dem DFB und Bayer Leverkusen. Nun droht ihm ein Abgang, der eines Michael Ballack unwürdig ist. Wo ein Fest stattfinden sollte, steht die Flucht. Schade!