Ballacks Verschwörungstheorie

"Lahm hat mit Löw Doppelpass gespielt"

Deutschlands früherer Capitano erhebt Vorwürfe gegen Bundestrainer Löw. Bei Bayer Leverkusen kritisiert Ballack "interne Kommunikationsprobleme".

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Michael Ballack hat nach langem Schweigen erstmals wieder über seine Situation bei Bayer Leverkusen, sein Ausscheiden aus der Nationalmannschaft und seine Zukunftspläne gesprochen. Der 35-jährige Fußballprofi, der zum Ende der Saison Leverkusen verlassen wird, übte dabei gegenüber dem TV-Sender "Sky" auch deutliche Kritik im Zusammenhang mit dem Ende seiner Karriere in der Nationalmannschaft.

Wegen einer Verletzung hatte der damalige Kapitän die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika verpasst. Danach war er nicht mehr in die Nationalelf zurückgekehrt. Er bemängelte, es sei von Seiten von Bundestrainer Joachim Löw „nicht mit offenen Karten gespielt worden“. Lange Zeit wurde offengelassen, ob es für Ballack noch eine Rückkehr in die DFB-Elf geben könnte. „Man hat mich elf Monate lang hingehalten“, warf er den Verantwortlichen vor.

"Der Zeitpunkt war völlig unpassend"

Dass sich Bayern Münchens Verteidiger Philipp Lahm bereits während der WM massiv als Nachfolger fürs Kapitänsamt in Position gebracht hatte, dazu formulierte Ballack seine ganz eigene Theorie: „ Da hat er Doppelpass mit dem Bundestrainer gespielt. Das sagt mir mein Gefühl.“ Für ihn sei das Thema aber „vorbei, abgehakt“. Mit Blick auf Löw schloss er allerdings nicht aus , „dass man sich mal treffen, die Hand geben und aussprechen wird“. Von Ballack dürfte in dieser Hinsicht jedoch wohl keine Initiative ausgehen.

Klare Worte gab es auch in Richtung von Leverkusens kaufmännischem Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der bereits vor einigen Wochen erklärt hatte: „Das Projekt Ballack ist gescheitert.“ Ballack, der seit vier Wochen wegen einer Wadenzerrung nicht spielen kann und in einigen Tagen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen will, meinte: „Der Zeitpunkt war völlig unpassend. Das hat mich schon getroffen.“

"Verschiedene Sprachen" in Leverkusen

Er machte bei Bayer „interne Kommunikationsprobleme“ aus. „Verschiedene Sprachen“ würden wohl gesprochen . Das zielte auf Sportdirektor Rudi Völler und Trainer Robin Dutt ab. Unter Dutt war Ballack in dieser Spielzeit oftmals nur sporadisch zum Einsatz gekommen. Wie schon in der Saison 2010/2011, damals noch unter Coach Jupp Heynckes, habe er wie jetzt unter Dutt den Eindruck gehabt, es werde eher mit jungen Spielern geplant. Bei seinem Wechsel von Chelsea zu Bayer im Sommer 2010 habe Völler allerdings „andere Sachen gesagt“.

In Bezug auf sein Verhältnis zu Dutt blieb er im Ungefähren: „Ich habe mit vielen großartigen Trainern zusammengearbeitet, jetzt ist Dutt da – und ich kann mich auch da anpassen.“ Für ihn gelte: „Ich bin Spieler und Angestellter des Klubs.“

Zu Bayer zurückzukehren, wo er einst drei Jahre lang unter Vertrag gestanden hatte, sei für ihn „eine Herzensangelegenheit“ gewesen. Nun hoffe er, dass er noch einige Spiele für Bayer machen könne, um die Sache „professionell zu Ende zu führen“. Was danach kommt, vielleicht die USA? „Wenn ich noch einmal eine sportliche Herausforderung annehme, dann im Ausland“, erklärte er. „Es könnte in diese Richtung gehen.“