Remis gegen Freiburg

Minikrise – Gladbacher Fans pfeifen eigenes Team aus

Nach dem dritten Spiel in Folge ohne Sieg werden die Spieler des Überraschungsteams Borussia Mönchengladbach ausgepfiffen. "Viele müssen aufhören, Dummheiten zu erzählen", sagt Trainer Lucien Favre.

Die Leichtigkeit ist abhanden gekommen, der spielerische Glanz verflogen - doch Trainer Lucien Favre und seine Spieler wollen von einer Mini-Krise nichts wissen. „Bei uns geht gar nichts flöten“, sagte Nationalspieler Marco Reus nach dem enttäuschenden 0:0 von Champions-League-Anwärter Borussia Mönchengladbach gegen Kellerkind SC Freiburg fast trotzig.

Auch wenn Favre im Gegensatz zu den Spielen gegen den Hamburger SV (1:1) und beim 1. FC Nürnberg (0:1) „eine Leistungssteigerung“ erkannt haben wollte, wurde das sich schon in der so grandiosen Hinrunde andeutende Gladbacher Problem sichtbar: Gegen defensiv agierende Mannschaften hat der Tabellendritte große Probleme. „Wenn der Gegner tief und kompakt steht, muss man mehr Lösungen finden. Das ist ein Lernprozess“, erklärte Innenverteidiger Martin Stranzl und stellte trotz 68 Prozent Ballbesitz fest: „Tief stehende Gegner haben sich auf uns sehr gut eingestellt.“

Gegen kampfstarke Freiburger mangelte es dem fünfmaligen deutschen Meister trotz einiger guter Torchancen an Tempo und Überraschungsmomenten. Das sei aber kein Beinbruch. Ein Punkt sei schließlich besser als keiner, so U21-Nationaltorhüter Marc-Andre ter Stegen, während Reus in Bezug auf die Großchancen von Mike Hanke und des eingewechselten Igor de Camargo lapidar anmerkte: „Wenn man die Tore nicht macht, kann man nicht gewinnen.“

Die in den vergangenen Wochen und Monaten verwöhnten Fans blieben nicht so gelassen. Nach langer Zeit begleiteten im Borussia-Park mal wieder deutlich hörbare Pfiffe den Schlusspfiff von Schiedsrichter Peter Sippel. Favre hatte für die Unmutsäußerungen kein Verständnis. „Ich muss klar sagen: Das Publikum ist super, aber es muss aufhören zu träumen. Viele müssen aufhören, Dummheiten zu erzählen“, rügte der Schweizer und fügte hinzu: „Wir haben seit Ende September auf sehr hohem Niveau gespielt. Wir waren heute ein wenig Favorit, aber wir übertreiben unsere Qualitäten. Wir sind zwar gut, aber wir haben noch viel zu tun.“


Acht Punkte Vorsprung auf Leverkusen

Trotz des erneuten Rückschlags ist die Gladbach Ausgangslage immer noch äußerst komfortabel. Acht Punkte beträgt der Vorsprung auf den Tabellenfünften Bayer Leverkusen. „Wir müssen einfach mit Überzeugung weiter arbeiten“, so Favre.

Freiburgs Trainer Christian Streich war derweil nach Spielschluss erst einmal außer Atem. In einem 40-m-Sprint stürmte er auf seinen starken Torhüter Oliver Baumann zu und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Ich habe nur gedacht, hoffentlich fällt er nicht hin“, kommentierte Baumann die Szene.

Nach den Spielen gegen Bayern München (0:0) und Schalke 04 (2:1) ärgerte der SC erneut ein Topteam und setzte im Abstiegskampf ein Zeichen. „Wir haben in der Winterpause den Trainer und viele Spieler getauscht. Aber wir entwickeln uns von Spiel zu Spiel weiter“, sagte Cedrick Makiadi, obwohl die Freiburger weiterhin auf Abstiegsplatz 17 stehen. „Wir sind auf Tuchfühlung. Es wird bis zum Ende ganz eng bleiben“, meinte Johannes Flum.