Köln besiegt Hertha

Platzverweis – Würgte Podolski seinen Gegenspieler?

Tumulte beim Heimerfolg der Rheinländer gegen Hertha: Drei Rote Karten, darunter eine für den Nationalstürmer Lukas Podolski. Er soll Levan Kobiashvili gewürgt haben

Sollte der 1. FC Köln am Saisonende den Klassenverbleib bejubeln können, wird das Duell mit Hertha BSC wohl als Schlüsselspiel gelten. Sollte Hertha absteigen, gilt dasselbe für die Berliner. 1:0 (1:0) besiegten die Rheinländer den Rivalen im Abstiegskampf, haben nun fünf Punkte Vorsprung vor den Berlinern. Für deren Trainer Otto Rehhagel war es die zweite Niederlage im dritten Spiel. Vor allem aber war es eine Partie voll brodelnder Emotionen, an dessen Ende die Nerven mit FC-Trainer Stale Solbakken durchgingen.

Der 1. FC Köln ist der verlässlichste Verein der Bundesliga: Immer, wenn die Wogen der Diskussionen hochschlagen, geht es um Lukas Podolski. Der Mann ist Segen und Fluch des Traditionsklubs. Drei Jahre litten die Kölner an schweren Entzugserscheinungen, als ihr „Poldi“ beim FC Bayern spielte. 2009 holten sie ihn zurück in seine Heimatstadt.

Doch nun scheint die (un-)heilige Allianz zwischen Podolski und dem 1. FC Köln wieder aufzubrechen. Unter der Woche wurde sein Wechsel zum FC Arsenal von mehreren Zeitungen als perfekt vermeldet worden. Ganz so weit ist es allerdings noch nicht. „Es gibt noch keine Vereinbarung. Podolski ist ein guter Spieler, mehr kann ich dazu nicht sagen“, berichtete Arsenal-Trainer Arsene Wenger, und Volker Finke, Kölns Sportdirektor, betonte bei „Liga total“: „Es ist noch nicht fix.“ Doch die Unterschrift scheint in der Tat nur noch Formsache zu sein. 13 Millionen Euro werden die Engländer dann ins Rheinland überweisen , und Podolski wird dann beweisen müssen, dass er doch außerhalb seines kölschen Biotops leistungsfähig ist.

Stale Solbakken hätte sich und seiner Mannschaft das Theater trotzdem gern erspart. Schließlich gibt es derzeit Themen, die er für wichtiger hält. Den Abstiegskampf zum Beispiel, in den sich die Kölner eingeschaltet haben. Wenn da nicht Mannschaften wie Hertha BSC wären, die sich bisher noch ungeschickter angestellt hätten – es würde wohl noch schlimmer stehen um den 1. FC Köln.


Rehhagel im Retterstatus

Doch die Berliner schafften erst am vergangenen Wochenende den ersten Sieg nach sechs Niederlagen in Folge. Das reicht allerdings, um in der schnelllebigen Hauptstadt Euphorie zu entfachen und den neuen Trainer Otto Rehhagel, der nach seiner Auftaktniederlage gegen Augsburg noch skeptisch beäugt worden war, in den Retterstatus zu erheben.

Doch der musste nach 36 Minuten schon wieder infrage gestellt werden. Denn da trafen die Kölner zum 1:0: Ein Querschläger des Hertha-Verteidigers Roman Hubnik landete bei Miso Brecko. Der legte schnell quer zu Christian Clemens, der den Ball aus sechs Metern in den rechten Torwinkel chippte. Die Halbzeitführung war verdient, die Gastgeber waren die bessere Mannschaft, auch wenn Hertha durch Hubnik (31.) und Pierre-Michel Lasogga (42.) gute Torchancen hatten und jeweils an Torwart Michael Rensing scheiterte.

Nach der Pause wurden die Berliner besser – und sie bekamen einen Vorteil zugespielt. In der 66. Minute traf der acht Minuten zuvor eingewechselte Mato Jajalo Gegenspieler Levan Kobiashvili am Knöchel. Weil er dies mit viel Wucht und ohne dabei den Ball zu spielen tat, zückte Guido Winkmann die Rote Karte. Hart, aber zu vertreten.


Schiedsrichter verliert die Übersicht

Dann allerdings verlor der Schiedsrichter die Übersicht. Als Kobiashvili nach einem Foul Gelb sah, sagte Podolski ihm einige offenbar wenig charmante Worte. Kobiashvili griff ihm in den Nacken, der Kölner machte sich frei. Als sich der Tumult gelegt hatte, zückte Winkmann gegen Kobiashvili Gelb-Rot – und zeigte dem völlig verdutzten Podolski die Rote Karte. „Das hat er exklusiv. Der Schiri hat mir gesagt, ich hätte einen Gegenspieler am Hals gewürgt. Aber das stimmt nicht, ich bin ganz ruhig geblieben“, sagte Podolski.

Die Volksseele kochte, doch als Herthas Änis Ben-Hatira kurz vor dem Abpfiff aus Nahdistanz nur an das Außennetz schoss, war der Kölner Sieg besiegelt. Für Trainer Solbakken das Startschuss zu einem Jubellauf in die Fankurve – das hatten die Kölner von ihrem Trainer auch noch nicht gesehen. Die Gäste ließen hingegen die Köpfe hängen. „Extrem bitter. Wir hatten reichlich Chancen, hier zumindest ein Unentschieden zu holen“; sagte der Berliner Christian Lell. Und Otto Rehhagel ergänzte: „Mir war immer klar, dass wir bis zum Schluss kämpfen müssen.“