7:1 gegen Hoffenheim

Bayerns Tor-Gala – "Who the f*** is Barcelona?"

Beim Kantersieg über miserable Hoffenheimer schonen die Münchner ihre Nerven für den Champions-League-Showdown am Dienstag gegen Basel.

Nach fünf Minuten konnte Uli Hoeneß oben auf der Tribüne zum ersten Mal aufstehen und klatschen. Es blieb in der Folge bei einer beachtlichen Frequenz, der Bayern-Präsident und alle anderen, die Tore ihres Teams mit beherztem Applaus zu würdigen pflegen, hatten an diesem Nachmittag Schwerstarbeit zu verrichten. Nach 35 Minuten führte der Tabellenzweite gegen Hoffenheim 5:0, am Ende siegte er 7:1. War da was mit Krise?

Ja, durchaus, auch wenn Verantwortliche wie Hoeneß, Trainer Jupp Heynckes oder Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge („Ihr müsst böse werden!“) ausdauernd betont hatten, es fehle nur an Details, etwa an der letzten Entschlossenheit. Beim furiosen Erfolg gegen allerdings miserable Hoffenheimer gab es sie zu sehen. Franck Ribery holte bereits nach neun Sekunden den ersten Eckball heraus, Mario Gomez rauschte in einen freiliegenden Ball und erzielte so das 1:0 (5. Minute), Philipp Lahm setzte nach und provozierte so den Elfmeter zum 2:0, den Arjen Robben nutzte (12.).

Danach war übermäßiger Einsatz gar nicht mehr nötig, die Tore fielen – meist eingeleitet vom überragenden Franck Ribery – wie von selbst. Toni Kroos (18.), Robben (29.), Gomez (35., 48.) und Ribery (58.) trafen. Das Schützenfest bestätigte Heynckes in seiner bereits vor dem Anpfiff geäußerten Weigerung, die Meisterschaft abzuschreiben („Ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen!“). Zumal der Rückstand nach dem Dortmunder Remis am Abend in Augsburg jetzt nur noch fünf Punkte beträgt. Für Heynckes' Gegenüber Markus Babbel dagegen war es die erste Niederlage als Hoffenheim-Trainer – und bereits die zweite Packung innerhalb einer Saison in München nach einem 0:4 mit Hertha BSC. Es passte ins Bild, dass sich die Bayern den einzigen Gegentreffer in Person von Luiz Gustavo selbst ins Tor setzten (85.).

„Who the f*** is Barcelona?“, hatten die Fans zuvor, als es noch 7:0 stand, scherzhaft gesungen, wer ist schon Barcelona? Die Katalanen hatten am Mittwoch bekanntlich Bayer Leverkusen mit 7:1 nach Hause geschickt. Als die Bayern im vorigen Herbst noch reihenweise souveräne Siege feierten, wähnten sie sich in München tatsächlich schon fast auf Augenhöhe mit den Jahrhundertkönnern um Lionel Messi und träumten von einem Gigantenduell in der Champions League. Doch ob es überhaupt noch dazu kommen kann, muss sich am Dienstag erst einmal erweisen.

Den großen Traum aufrecht erhalten

Denn das war ja ein mehr als angenehmer Nebenaspekt des Hoffenheim-Spiels: Es schonte die Nerven vor dem wegweisenden Abend, der bevorsteht. Am Dienstagabend, 20.45 Uhr, empfängt der deutsche Rekordmeister den FC Basel zum Rückspiel im Achtelfinale der Champions League. Es geht für die Bayern darum, ihren großen Traum von der Teilnahme am Finale in München (19. Mai) aufrechtzuerhalten. Nach dem 0:1 im Hinspiel ist der Druck riesig.

Es geht um die Ehre des Klubs – ein Ausscheiden gegen Basel wäre eine Blamage. Der geschätzte Marktwert der Schweizer Mannschaft beträgt mit 50 Millionen Euro gerade einmal ein Siebtel desjenigen der Bayern (360 Mio.). Schon in der vergangenen Saison war für die Münchner im Achtelfinale Schluss, da scheiterten sie an Inter Mailand. „Es ist sehr wichtig für den FC Bayern, unter die letzten acht Teams der Champions League zu kommen“, sagt Bastian Schweinsteiger, der wieder genesene Mittelfeldspieler. Er prophezeit ein schwieriges Spiel. „Selbst wenn wir 1:0 oder 2:0 führen, sieht es mit einem Tor für Basel wieder ganz anders aus.“ Eine Forderung an die Defensive, konzentrierter aufzutreten.


Mutmacher, aber kein Härtetest

Auch insofern diente Hoffenheim zwar als Mutmacher, nicht aber als wirklicher Härtetest. „Das war heute das richtige Signal, dass wir Tore erzielen können“, sagte Heynckes. „Nur: Basel wird es uns natürlich nicht so leicht machen.“ Der zweimalige Torschütze Robben plädierte unterdessen fast flehentlich für mehr Beständigkeit. „So muss es sein“, sagte er nach dem hohen Sieg: „Aber so muss es immer sein. Es kann nicht sein, dass wir am Dienstag und nächste Woche wieder anders spielen.“

Präsident Hoeneß hat angekündigt, im Sommer „eine Bombe“ für den Sturm verpflichten zu wollen. Dazu soll ein zweiter Star kommen. Das Geld aus der Champions League würde dabei helfen: Bislang haben die Münchner in dieser Champions-League-Saison rund 14 Millionen Euro eingenommen. Für den Einzug ins Viertelfinale würde sie weitere 3,3 Millionen erhalten. Als Sieger der Königsklasse hätten sie in dem Wettbewerb rund 30 Millionen Euro verdient.

Doch gerade für Hoeneß geht es um mehr als Geld: Er ist ja der Architekt des Vereins, der sich mit dem Champions-League-Titel im eigenen Stadion ein Denkmal für die Ewigkeit setzen könnte. Nach dem vielen Aufstehen und Klatschen gegen Hoffenheim darf die Bayern-Familie dem Dienstag wieder ein wenig entspannter entgegenblicken.