Werder und HSV

Zumindest am Klopapier wird künftig nicht gespart

Bremen wie Hamburg müssen in der Fußball-Bundesliga den Rotstift ansetzen. Warum es berauschende Erfolge im Norden so bald wohl nicht mehr geben wird.

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An einem abgeschobenen Brasilianer lässt sich ganz gut das Leid und die Hoffnung des Bundesligaklubs Werder Bremen festmachen. Wesley hat bei Werder nie eine große Rolle gespielt. Nur weil er mit etwa 7,5 Millionen Euro einer der teuersten Einkäufe des Vereins war, sportlich aber nicht mal ansatzweise so viel Wert hatte, geisterte er dann und wann noch durch den Verein.

Weil der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler nicht recht taugte, hatte das leidig funktionierende Mittelfeld der Bremer einen Problemlöser weniger zur Verfügung. Finanziell aber ist Wesley ein Heilsbringer für Werders Handlungsspielraum. Der Transfer hakt nach Darstellung seines zukünftigen Klubs Palmeiras Sao Paulo zwar noch etwas. Präsident Arnaldo Tirone sagte am Freitag, nach dem von Werder bereits als perfekt vermeldeten Verkauf, dass „die Bremer etwas verwechselt haben müssen, weil wir dem Geld immer noch hinterher laufen“.

Aber die sechs Millionen Euro öffnen den Bremern bescheidene Möglichkeiten für Sommereinkäufe. Der Transfer von Wesley, sagt Aufsichtsratschef Willi Lemke sei „positiv für die Bilanz und die neue Aufstellung“. Denn genau darum geht es. So viel wie möglich sparen und das Haus möglichst billig neu bestellen. Zu beobachten ist das bei Werder, wo in der Rückrunde unerfahrene Akteure wie Trybull, Hartherz oder Füllkrug auf die Bundesligabühne losgelassen wurden.

120 Kilometer nordöstlich ist das Renovierungsmodell ähnlich angelegt. „Bei beiden Klubs ist es eine ökonomische Notwendigkeit“, sagt Frank Arnesen, Sportchef des Hamburger SV. Nachdem auf sein Betreiben hin vergangenen Sommer 16 Spieler gehen mussten , weil die Mannschaft zu alt und viel zu teuer war, müssen nun Akteure wie Jacopo Sala oder Michael Mancienne den Laden zusammen halten.

Doch das Experiment "Jugend forscht" verläuft äußerst bescheiden. Der auf Rang 13 dümpelnde HSV, der am Sonntag bei Schalke 04 gastiert, muss nach wie vor die abstiegsbedrohte Region im Blick behalten. Und bei den Bremern geht es am Sonntag im Spiel gegen Hannover 96 schon darum, den auf einen Punkt herangerückten Verfolger aus Niedersachen nicht vorbeiziehen zu lassen und damit den Platz für den internationalen Wettbewerb einzubüßen.

Nur sieben Punkte konnte Werder in den sieben Partien der Rückrunde verbuchen. 2012 gelang zu Hause noch kein Sieg. „Natürlich sollte man gegen den direkten Konkurrenten um die Europa League gewinnen, wenn man ins internationale Geschäft will. Das Spiel gegen Hannover wird zu einer richtungsweisenden Begegnung für uns“, sagt Manager Klaus Allofs.

Leicht aber fällt das den beiden Traditionsklubs nach ihrer Rosskur nichts mehr. Die einstigen norddeutschen Dickschiffe liegen momentan in der Werft zur Rundumerneuerung. „Wir werden windschnittiger und flexibler. Wir haben ja auch gar keine andere Möglichkeit“, sagt Lemke.

Beim HSV wurde in der Vergangenheit zu viel geprasst, deswegen ist jetzt nichts mehr da. In der kommenden Saison soll der bereits in dieser Spielzeit um 13 Millionen Euro zusammengestrichene Etat noch einmal gekürzt werden. Und Werder war in der Vergangenheit zu erfolgreich. Weil nun die Millionen aus der Champions League nicht mehr da sind, muss jeder Euro doppelt umgedreht werden.

Bereits im Januar durchleuchteten Wirtschaftsprüfer alle Abteilungen bei Werder auf Einsparpotenziale hin. „Man muss sich wundern, was man alles einsparen kann, wenn das effizient durchgerechnet ist. Natürlich wird bei uns nicht das Klopapier halbiert, aber wo es früher, als wir noch in der Champions League gespielt haben, nur eine Lösung gab, gibt es auf einmal mehrere. Und die sind nicht schlechter, als eine Variante, die teurer ist“, sagt Allofs.

Dennoch wird sie aller Voraussicht nach von den Fans viel Geduld erfordern, bei Werder wie beim HSV. Auf Dauer berauschende Erfolge wird es wohl so schnell nicht mehr geben, zumal sich weitere, einschneidende Abschiede wohl nur noch schwer vermeiden lassen. Der HSV hat sich gerade von einem seiner Gutverdiener getrennt, Stürmer Mladen Petric verlässt im Sommer den Klub .

Werder will zwar den teuren Torjäger Claudio Pizarro (cirka 4,2 Millionen Euro Gehalt) unbedingt halten, weil der sportliche Verlust wohl nicht zum kompensieren wäre. Doch der Peruaner will gern international spielen, was ihm die Bremer nach Stand der Dinge natürlich nicht garantieren können. Bis Ende März soll Pizarro die Option haben, seinen Vertrag im Sommer auslaufen zu lassen.

Bei Werder ist zudem fraglich, ob die nach der Saison endenden Verträge von hochdotierten Spielern wie Torwart Tim Wiese (Verdienst: etwa drei Millionen Euro) und Defensivspieler Clemens Fritz (rund 2,8 Millionen Euro) noch verlängert werden können. Beide drängen auf baldige Klärung, müssten sich aber wohl mit weniger Gehalt als bisher zufrieden geben. Werders Spieleretat ist mit 50 Millionen Euro in Relation zu den sportlichen Leistungen viel zu hoch und kaum noch zu finanzieren.

Beim HSV sieht es kaum anders aus. Ob gut bezahlte Spieler wie Marcell Jansen (Vertrag bis 2013), Marcus Berg (2014) oder Gojko Kacar (2015) bleiben können oder nicht lieber zu Geld gemacht werden sollten, wird in Hamburg gerade diskutiert. Trainer Thorsten Fink scheint sich bereits mit Alternativen anfreunden zu können. „Natürlich braucht man Säulen in der Mannschaft. Aber ich gucke nicht aufs Alter.“

Das sollten sowohl Fink wie auch Schaaf in Zukunft auch nicht tun, denn der Schlüssel zur Zukunft soll die Jugend sein. Junge Spieler kosten wenig, das ist die Prämisse im Norden. Profis vom Kaliber eines Rafael van der Vaart werden in Hamburg so schnell nicht wieder dazugekauft werden können. „Die müssen wir schon selber entwickeln“, sagt HSV-Sportdirektor Arnesen. Und in Bremen hat Priorität, Fehleinkäufe wie Wesley in Zukunft zu vermeiden.