Schiedsrichter-Kritik

Heldts berechtigte "Pappnasen"-Schelte gegen die Uefa

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Lars Gartenschläger

Großes Ärgernis für Schalke: Dass der spielentscheidende Elfmeter in Enschede keinem Foul, sondern einem Stolperer entsprang, hätte der Schiedsrichter sehen müssen.

Nun werden die Schiedsrichter wieder sagen, so geht man nicht mit uns um. So darf man nicht über uns reden, so darf man uns nicht attackieren und – ja, auch das dürfen sie beklagen – so darf man uns nicht beschimpfen. Da haben sie auch Recht, die Unparteiischen. Gilt doch auch für sie und den Umgang mit ihnen, dass am Ende immer noch der Ton die Musik macht und die Wortwahl gut überlegt und „gentleman-like“ sein sollte.

Aber sie mögen bitte auch verstehen, dass man in der Hitze des Gefechts und vor allem dann, wenn sie eklatante Fehler machen, schon mal die Contenance und den Blick für die sonst so guten Manieren verlieren kann.


Ein Elfmeter, der keiner war

Horst Heldt ist genau das passiert. Über „Pappnasen“ und „Heinis“ hat er sich beklagt und adressierte das unverblümt an die Schiedsrichter. Aber – und dafür muss man nicht einmal Anhänger des FC Schalke 04 sein – da kann man den Sportdirektor auch ein stückweit verstehen. Augenzeuge eines Elfmeters war er am Donnerstagabend in Enschede. Eines Elfmeters, der keiner war. Das hat nicht nur die Zeitlupe aus verschiedenen Kameraperspektiven belegt, das hätte der Schiedsrichter auch auf dem Platz sehen müssen.

Und nicht nur er, sondern auch zwei seiner vier Assistenten – der eine an der Seitenlinie, der andere an der Linie neben dem Tor. Ihnen hätte nicht entgehen dürfen, dass der Niederländer Luuk de Jong über sein eigenes Bein gestolpert und nicht durch ein Foul von Joel Matip zu Fall gekommen ist. Der Schiedsrichter hat auf Foul erkannt, dem angeblichen Übeltäter Matip Rot gegeben und Enschede einen Elfmeter. Der zu allem Übel auch noch die Schalker Niederlage besiegelte – 0:1, wie bitter.

Schalkes Sportdirektor Heldt hat die Leistung des Schiedsrichters getadelt. Aber wer will es ihm verübeln? In einem Geschäft, in dem alle Beteiligten vor Fehlern nicht gefeit sind, geht es um viel Geld. Das 0:1 ist zwar keine schlechte Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche, aber der Vorteil liegt dennoch bei Twente Enschede.

Irren ist menschlich, klar. Und es bringt auch nichts, nun wieder eine Diskussion über den Videobeweis oder andere technische Neuerungen anzufangen. Denn der Fußball lebt nun mal auch von den Debatten über unkorrekte Tatsachenentscheidungen, von Heldt "Tatsachengeschiss" genannt.

Wer ist noch Herr des Geschehens?

Allerdings sollte der Europäische Fußballverband (Uefa) die Auswahl seiner Unparteischen hin und wieder überdenken und bei den Leistungstest auch mal darauf achten, ob der eine oder andere bei zunehmender körperlicher Belastung noch Herr des Geschehens ist. Herrn Thomson war es am Donnerstagabend offenbar nicht mehr. Gut möglich, dass der Referee aus Schottland ja eine Brille benötigt. Es ist nur schlimm, dass es für diese Erkenntnis einer Fehlentscheidung wie der vom Donnerstagabend bedarf.

Also: volles Verständnis für Horst Heldt, Wortwahl hin oder her.