Europa League

Für Hannovers Fans ist Lüttich eine Sperrzone

Wie schon Ende November dürfen die 96-Anhänger die Lütticher Innenstadt vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Europa League bei Standard nicht betreten.

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Die Vorfreude der zuständigen Busfahrer hält sich in Grenzen. Wieder nach Belgien, noch einmal Lüttich – es bleibt eine logistische Herausforderung, jene rund 1000 Fans von Hannover 96 in eine Stadt zu chauffieren, deren City sie nicht betreten dürfen. Das Achtelfinalhinspiel der Europa League, zu dem die Niedersachsen am Donnerstag wie schon während der Gruppenphase bei Standard Lüttich antreten, wird zum Kuriosum.

Aus Angst vor Ausschreitungen hat Bürgermeister Willi Demeyer Lüttichs Innenstadt erneut zur Sperrzone für Hannovers Fußballfans erklärt. Busfahrer dürfen das Stadion nicht vor 19.30 Uhr ansteuern. „Hannover 96 rät dringend davon ab, individuell und ohne Eintrittskarten anzureisen“, heißt es in einer warnenden Mitteilung des Klubs, die Besorgnis erregend klingt.

Der Blick zurück auf den ersten Ausflug nach Lüttich, als das 96-Team Ende November seine bisher einzige Niederlage in der Europa League kassiert hat , tut allen Beteiligten weh. Das Team, das mit dem Einzug in das Achtelfinale den größten internationalen Erfolg in der Vereinsgeschichte geschafft hat, war beim 0:2 chancenlos geblieben. Und die Fans waren nach dem Schlusspfiff mit belgischen Polizisten aneinander geraten, die sich durch Becher- und Steinwürfe bedroht gefühlt hatten und deshalb Wasserwerfer, Pfefferspray sowie Schlagstöcke einsetzten.

Auf der Suche nach ein wenig mehr Gastfreundschaft haben die Entscheider in Hannover diesmal fleißig Briefe geschrieben, viel telefoniert und freundlich appelliert. Aber weder Bürgermeister Stephan Weil noch Klubchef Martin Kind konnten etwas daran ändern, dass Lüttichs Innenstadt aus Furcht vor Krawall zu einer Sperrzone der besonderen Art erklärt wird.

Was Hannover 96 bei seinen bisherigen Auftritten in der Europa League so bemerkenswert stark gemacht hat, war auch ein besonderer Rückhalt aus der eigenen Fankurve. Nach einer 19-jährigen Abstinenz auf der europäischen Bühne lechzen die Anhänger nach großen Taten. Tausende von ihnen haben das Team schon nach Sevilla, Kopenhagen und zuletzt nach Brügge begleitet. Dass rund um die Partie in Lüttich ihre Reisefreiheit als EU-Bürger grundlegend eingeschränkt wird, empfinden viele als Provokation.

Rund 400 von ihnen dürften darauf verzichtet haben, sich um eine Eintrittskarte inklusive Busreise zu bemühen und sind entsprechend frustriert. Die Uefa, die als Ausrichter der Europa League gern für ein friedliches Miteinander wirbt, zieht sich darauf zurück, dass eine größtmögliche Sicherheit immer Priorität besitze. „Ich erwarte ein kompliziertes und schwieriges Spiel in heißer Atmosphäre“, sagt 96-Manager Jörg Schmadtke.

„Lüttich reloaded“ steht auf einem T-Shirt, das Hannover 96 eigens für den Ausflug nach Wallonien kreiert und in den Verkauf gebracht hat. Bei dem Bemühen, sich kämpferisch zu geben, steht auch 96-Trainer Mirko Slomka vor einer kniffligen Aufgabe. Jan Schlaudraff, in der Offensive der bisher überragende Mann, ist für das Hinspiel gesperrt. In Manuel Schmiedebach (Muskelfaserriss) und Mohammed Abdellaoue (Grippe) fallen zwei weitere Stammspieler aus. Und in der Bundesliga hat sich 96 mit dem 2:2 gegen Augsburg zuletzt einen Ausrutscher erlaubt, den Slomka auch damit begründet hat, dass „bei uns alle nur an Donnerstag gedacht haben“.

Der Trainer steht Donnerstag und Sonntag, wenn sein Team in der Bundesliga in Bremen um den erneuten Einzug in die Europa League streitet, vor einer wichtigen Reifeprüfung. Keiner hatte es 96 zugetraut, aber Hannover ist auf dem besten Weg, seinen Aufwärtstrend aus dem Vorjahr zu wiederholen.

Um den gehobenen internationalen Anforderungen gerecht zu werden, hat sich der klamme Klub in Mame Diouf (1,8 Mio. Euro/Manchester United) in der Winterpause einen für seine Verhältnisse ungewöhnlich teuren Stürmer geleistet. Spieler und Fans jedenfalls träumen von dem Ende ihrer eher lästigen Ausflüge nach Belgien und einem Viertelfinaleinzug, der mit attraktiveren Reisen nach Manchester oder Lissabon verbunden sein könnte.