Europa League

Für Trainer Stevens ist Schalke kein Spitzenteam

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Oliver Müller

Foto: dpa/DPA

Nachdem für Schalke 04 die deutsche Meisterschaft abgehakt ist, soll ein Sieg in der Europa League in der "Hölle von Enschede" die Harmonie zurückbringen.

Es ist nicht vergnügungsteuerpflichtig, in bestimmten Situationen bei Huub Stevens nachzufragen. Besonders dann nicht, wenn es um sogenannt Reizthemen geht. Ob das Saisonziel denn nun die Qualifikation für die Europa League oder für die Champions League sei, wollte ein Fernsehreporter von dem Trainer von Schalke 04 wissen.

Eine berechtigte Frage, schließlich waren Stevens und Manager Horst Heldt in dieser Hinsicht zuletzt uneins. Während Heldt die Zielsetzung Champions-League-Qualifikation propagiert, wäre Stevens auch zufrieden, wenn Schalke in der kommenden Saison wieder in Europa League spielen würde.

„Unser Ziel ist der internationale Fußball“ , knurrte Huub Stevens in Richtung des Reporters und verwies darauf, dass sein Team am Donnerstag (19.00 Uhr, Kabel 1) in der Europa League bei Twente Enschede spielen würde – nur das zähle.

„Was gestern war, interessiert mich nicht“, sagte der Niederländer. Heldt und er lassen sich sowieso nicht auseinanderdividieren. Auch den Einwand, dass zwischen der Europa League und Champions League ein gewisser Unterschied bestehe, ließ der Niederländer, der sich mit seiner bisweilen barschen Art den Spitznamen „Knurrer von Kerkrade“ eingehandelt hat, nicht gelten: „Ist das etwa nicht international?“

Stevens weiß um die Gefahr, die auf Schalke schnell entsteht, wenn Anspruch und Wirklichkeit aufeinandertreffen. Mit der daraus entstehenden Ungeduld konnten viele seiner Vorgänger nicht umgehen. Stevens will es deshalb gar nicht erst darauf ankommen lassen.

"Wir spielen nicht um den Titel“

„Ich glaube nicht, dass die Welt untergegangen ist“, sagte er deshalb in Bezug auf die Probleme, die der Tabellenvierte der Bundesliga derzeit hat. Nach zwei Niederlagen in Folge hat sich Schalke aus dem nationalen Titelrennen verabschiedet. Nicht, dass Stevens sein Team jemals für einen ernsthaften Meisterschaftskandidaten gehalten hat.

Selbst als die Elf von Stevens’ Dienstantritt Ende September an bis Ende Januar aus zwölf Bundesligaspielen 28 Punkte holte und sich für das Achtelfinale der Europa League qualifizierte, blieb der Niederländer dabei: „Wir sind in der Entwicklung, wir spielen nicht um den Titel.“

Denn der 58-Jährige war sich der Mängel seiner Elf stets bewusst. Der Kader bietet in der Breite nur unzureichende Möglichkeiten, das zeigte die Leistung beim 1:2 in Freiburg deutlich. Dort fehlten in Jefferson Farfan, Klaas-Jan Huntelaar und Benedikt Höwedes drei Leistungsträger. Erschwerend kommen nun atmosphärische Störungen hinzu.

Da sind einerseits die Querelen um Farfan. Der Peruaner war in Freiburg nicht für den Kader berücksichtigt worden, weil er sich nach der Rückkehr vom Länderspiel aus Tunesien müde gefühlt hatte.

„Wir werden jetzt bei jedem Spieler die Leistungsbereitschaft überprüfen“, kündigte Heldt daraufhin eine härtere Gangart an. Bei einer Teamsitzung am Sonntag musste sich der Peruaner, der Schalke im Sommer wohl verlassen wird, auch einige Vorwürfe von den Teamkollegen gefallen lassen.

Unruhe wegen Vertragsverlängerungen

Für Unruhe sorgt auch die Hängepartie um die Vertragsverlängerung mit Raul . Der Spanier konnte sich bislang immer noch nicht mit Heldt auf einen neuen Vertrag verständigen. Gleichzeitig haben seine Leistungen nachgelassen. „Wir müssen überprüfen, welche Spieler sich der schwierigen Situation stellen und schauen: Wer ist bereit, alles zu geben“, sagte Heldt und machte damit klar: Im Kader mangelt es an Homogenität.

Speziell Farfan und Raul sind wichtig für die Hierarchie des Teams. Ihre Probleme belasten die ganze Mannschaft. Chinedu Obasi, Teemu Pukki und Julian Draxler, die Schalke auf Sicht von den Offensivstars emanzipieren sollen, fehlt es noch an Konstanz und Erfahrung.

Um die Saison doch noch zu einem Happy End zu bringen, hofft Stevens auf ein (Wieder-)Erweckungserlebnis in Enschede. „Wir fahren mit großem Respekt dorthin“, sagte der Trainer und warnte vor dem Tabellenzweiten der Ehrendivision, der zuletzt den PSV Eindhoven mit 6:2 aus dessen Stadion gefegt hatte: „Auch unsere Mannschaft weiß, auf welche Tugenden es ankommt.“ Zuletzt appellierte Stevens in seinen Ansprachen verstärkt an die Einstellung der Spieler.

Die wird die Mannschaft benötigen. Zumal in der „Hölle von Enschede“, wie das Stadion „de Grolsch Veste“ wegen der heißblütigen Twente-Fans genannt wird, Huntelaar fehlen wird. Nach seiner Gehirnerschütterung wäre ein Einsatz zu riskant.

Und Farfan, dem sein Verzicht auf das Freiburg-Spiel erneut den Spitznamen „Null-Bock-Profi“ eingebracht hat, kann auch nicht helfen. Diesmal ist er allerdings entschuldigt: Er muss eine Gelbsperre absitzen.