"Auszeit"

Unter Hempels Sofa lauern Keime und Bakterien

Hände schütteln verboten: Aus Angst vor Erkrankungen folgen Großbritanniens Olympiasportler einem Reinlichkeitsgebot, gegen das kein Kraut gewachsen ist. Die Gastgeber überlassen nichts dem Zufall.

Foto: REUTERS

Wenn's zu Hause mal wieder aussieht wie bei Hempels unterm Sofa, lindern vielleicht Putzfimmelpillen die Psycho-Pein. Zitronen-Bonbons sind das, mit Beipackzettel. 20 Gramm für 3,50 Euro: „Tief durchatmen und los geht's“, schlägt der Hersteller vor. Reinlichkeit statt Peinlichkeit. Wer weiß, ob nicht unerwartet Besuch naht?

Ums Putzen kommen viele Normalverdiener daheim nicht herum. Außer man ist Messi. (Dann kann man sich Reinigungskräfte leisten.) Umfragen ergaben, dass 41 Prozent der gemeinsam lebenden deutschen Paare über die Arbeit im Haushalt streiten.

Elf Prozent geben an, sich sogar trennen zu wollen, wenn der Göttergatte/die Holde partout keinen Handschlag tun mag. Hat eben nicht jeder so eine reinliche bessere Hälfte wie Nathalie Santer-Bjørndalen. Ihr Mann Ole Einar wäscht sich stets eifrig die Hände und verpönt sogar Staub auf Hotelzimmerteppichen: „Ich habe immer meinen eigenen Staubsauger dabei.“

Hände schütteln ist verboten!

Mysophobie nennt sich übrigens die krankhafte Form der Angst vor Unsauberkeit, Keimen, Bakterien etc., die in Waschzwang ausarten kann. Wobei nicht jeder Putzfimmel gleich pathologische Ausmaße annimmt. Wer so etwas Curlern gegenüber behauptet, kann schnell eine gewischt kriegen.

Ein Reinlichkeitsgebot haben gut 140 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele Großbritanniens Sportler auferlegt bekommen. Während der Spiele sollen sie, Stichwort Bazillen, Gegnern und Offiziellen die Hände nicht schütteln. Das könnte zwar unhöflich wirken. Aber sich Krankheiten einzufangen, ist genauso wenig nett – und im Zweifel der Medaillenbilanz abträglich. Putzfimmelpillen helfen dann auch nicht mehr.