Biathlon

Letzter Schuss kostet Andreas Birnbacher WM-Gold

Beim letzten Schießen vergaben Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer und auch Michael Greis eine Medaille über die 20 Kilometer. Es siegte der Slowene Jakov Fak.

Foto: Bongarts/Getty Images/Getty

Die Rechnung, die Cheftrainer Uwe Müssiggang aufmachte, klang banal verglichen mit dem Drama, das sich in der Chiemgau-Arena unterm Zirmberg um die deutsche Männermannschaft entsponnen hatte. „Das war dreimal einer zuviel.“

Arnd Peiffer, Andreas Birnbacher und Michael Greis lagen im Einzelrennen auf Goldkurs, als sie die Gewehre zum letzten Schießen anlegten. Das Resultat war in drei Fällen dasselbe: Ihnen entglitt mit jeweils einem Fehlschuss nicht nur der mögliche Titel, ihnen glitt auch eine Medaille aus den Händen.

Im Ziel wusste man gar nicht, wen man mehr bedauern sollte. Olympiasieger Greis, dessen erster Schuss der letzten Serie nur haarscharf neben der schwarzen Scheibe einschlug. Oder Andreas Birnbacher, der 19-mal schnell und sicher traf, bevor er die letzte Patrone um zwei Zentimeter zu weit nach unten setzte, als Dritter ins Ziel kam, dann aber noch um 0,8 Sekunden durch den Tschechen Jaroslav Soukup vom Bronzeplatz verdrängt wurde.

"Natürlich bin ich enttäuscht"

„Ich habe im Ziel gehört, da kommt keiner mehr und dann kam doch noch einer. Alle haben gesagt, dass es reicht, und dann reicht es eben doch nicht“, murrte Birnbacher. „Natürlich bin ich enttäuscht. Bei der Heim-WM hängt man sich gern eine Medaille um den Hals.“

Oder verdiente Arnd Peiffer das meiste Mitgefühl, der Niedersachse, der schon in der Mixedstaffel am Schießstand die Nerven verloren und somit die Goldmedaille vergeben hatte? Am Dienstag lag er vor dem letzten Schießen klar in Führung.

Doch der Sprintweltmeister von 2011 feuerte nicht nur den ersten Schuss, sondern auch beim letzten daneben und kam mit 36,5 Sekunden Rückstand auf Rang sieben ins Ziel. Männer-Bundestrainer Fritz Fischer fasste die Katerstimmung zusammen: „Welche Mannschaft kann es sich schon leisten, drei Weltmeistertitel herzuschenken.“

Fischers Kollege Mark Kirchner stellte fest: „Wenn ich bei der WM bin, und vor dem letzten Schießen die Chance auf Gold habe, und dann ohne Medaille zufrieden bin, dann wäre ich als Trainer fehl am Platz.“

Ein Trio hatte den Konjunktiv besiegt. Weltmeister wurde Jakov Fak aus Slowenien, der bei den letzten olympischen Winterspielen noch Sprint-Bronze für Kroatien gewonnen hatte. Silber ging an den Franzosen Simon Fourcade vor Soukup.

Medzinisches Wunder Fak

Der gebürtige Kroate Fak nahm Ende 2010 eine neue Staatsbürgerschaft an, weil er in einem größeren Team trainieren wollte. Noch nie rangierte er bei einem Weltcuprennen besser als auf Platz drei. Dass er seine Karriere überhaupt fortsetzen konnte, ist ein kleines medizinisches Wunder.

Seinen Start bei der WM 2011 musste er absagen, weil er sich zuvor bei einem Rennen in den USA Erfrierungen dritten Grades an seinem Abzugfinger zugezogen hatte und sogar eine Amputation drohte.

Die deutschen Athleten hatten zahlreiche Leidensgenossen. Nach Arnd Peiffers Schätzungen hatten sich 30 Läufer über „den einen entscheidenden Fehlschuss geärgert“, der sie mutmaßlich eine Medaille kostete, so eng lagen die Teilnehmer aufgrund ihrer Laufleistungen zusammen.

Greis wird Elfter

Die ersten zwölf Athleten hatten weniger als eine Minute Rückstand auf den Sieger. Selbst für den schwächelnden Greis hätte es fast zu einem sensationellen Comeback als Champion gereicht. Ihm fehlten als Elfter 58,2 Sekunden zum Titel.

Doch bei seinem 16. Schuss habe er „vielleicht ein bisschen zu lang gewartet“, bilanzierte Greis, der aber auch nicht gerade mit einer Wildwest-Taktik an den Start des Klassikers gegangen war: „Ich wollte viel treffen und habe mir deshalb beim Schießen auch viel Zeit gelassen.“

Auch für Peiffer hätte es ein großer Tag werden können. „Es ist bitter, dass ich den letzten weggeschossen habe. Ich war ein bisschen unkonzentriert“, haderte er. Nach 16 Kilometern stand der Laufbeste mit „wackligen Beinen“ auf der grünen Matte und versuchte die Gedanken an eine mögliche Medaille auszublenden.

„Ich wusste, dass ich mit einem Schießfehler noch gut dabei bin, im Einzelrennen ist das einfach so. Dann habe ich um jeden Schuss gekämpft, und der letzte Schuss war am schwersten. Es wäre heute so leicht gewesen, eine Medaille zu gewinnen.“

Das beste Ergebnis in einem Einzelrennen seiner Karriere wertete er als „positives Zeichen“. Auch im Hinblick auf die lang ersehnte erste Medaille der deutschen Männer. Mit drei Topten-Platzierungen gehört Deutschland am Freitag in der Staffel zu den Titelfavoriten. Der letzte Platz im Quartett ist noch offen. Simon Schempp, beim Weltcupauftakt in Östersund Dritter, leistete sich sieben Fehlschüsse und rangierte auf Rang 90.

Davor bleibt die Hoffnung auf Magdalena Neuner , die am Mittwoch im Einzelrennen die vierte Medaille bei ihrem vierten WM-Start holen kann. „Wir haben keinen Konkurrenzkampf mit den Frauen“, versicherte Andreas Birnbacher. „Wir werden auch noch unsere Medaille holen.“