Torjäger geht

Mladen Petric hat sich beim HSV verzockt

Der HSV hat mit der Trennung von Mladen Petric alles richtig gemacht. Gegen eine Vertragsverlängerung sprachen mehrere Gründe – vor allem fehlendes Vertrauen.

Vor einigen Monaten hat der Hamburger Sportdirektor Frank Arnesen den HSV mal als "größtes Projekt der Bundesliga" bezeichnet. Es war schon damals etwas hochgestochen, an ähnlichen Vorhaben mit ähnlichen Problemen wie die Hanseaten werkeln auch andere Klubs. Etwa der Nordnachbar Werder Bremen.

Die Schlagrichtung aber war damit klar ausgegeben. Weil in der Vergangenheit in Hamburg geprasst wurde, muss in Zukunft umso mehr gespart werden. Und weil das im Grunde nur mit jungen – weil billigen Spielern – geht, ist Geduld gefragt.


Der HSV muss sich neu erfinden

Unter diese Prämisse hat Frank Arnesen sein Handeln in Hamburg stellen müssen. Er musste das alte Dickschiff der Liga abtakeln und zwei bis drei Nummern kleiner wieder vom Stapel laufen lassen. Eine andere Wahl hatte er nicht. Der HSV musste sich neu erfinden. Und er ist immer noch dabei.

Deswegen ist die Trennung von Mladen Petric im Sommer eine logische Konsequenz. Der 31 Jahre alte Kroate hatte es in Hamburg zwar zu so etwas wie einem Liebling gebracht. Geniale Momente und ebenso entscheidende wie spektakuläre Tore öffneten ihm die Herzen der Fans. 60 Tore in 127 Pflichtspielen sind ja alles in allem auch eine gute Quote. Doch sie verstellen den Blick darauf, was Petric noch zum leisten imstande ist. Oder noch leisten will, über seine Leidenschaft für den Fußball lässt sich trefflich streiten.

Petric ist extrem verletztungsanfällig

Kroatiens Trainer Slaven Bilic lud ihn zuletzt nicht mal mehr ein, in den Kreis der Nationalmannschaft zu kommen. Und in dieser Saison kommt er beim HSV gerade mal auf sechs Treffer. In der Wahrnehmung ist er seit Monaten eher Anhängsel als Aushängeschild. Dazu kommt, dass er extrem verletzungsanfällig ist. 125 Bundesliga-Spiele hätte er für die Hamburger bestreiten können, nur 90 sind es geworden. Er hat also unterm Strich mehr als eine Saison lang gefehlt.

Das mag ein Aspekt bei der anberaumten Trennung gewesen sein. Entscheidend aber war, dass Petric kein Zutrauen in das Projekt von Frank Arnesen gehabt hat. Der Däne wollte im vergangenen Sommer den Vertrag des Angreifers verlängern. Zu verbesserten Bezügen sogar, die rund 2,5 Millionen Euro Gehalt sollten noch einmal aufgestockt werden. Arnesen schwebte vor, um den erfahrenen Petric herum die junge Mannschaft aufzubauen. Doch der ließ Arnesen zappeln.

Das hat allem Anschein nach zum Bruch geführt. Denn der HSV kann sich nur noch Spieler leisten, die bedingungslos beim Neuaufbau des Klubs mithelfen. Spieler, die Bedingungen stellen, sind nicht tragbar.

Petric ist ein Relikt aus der Zeit von Arnesens Vorgänger Bernd Hoffmann. Es ist schwer, die Hoffmann-Ära beim HSV zu bewerten. Generell kann wohl gesagt werden, dass der zeitweilige Höhenflug teuer erkauft worden ist. Prinzipiell aber werden Hoffmanns Spuren im Verein mehr und mehr ausradiert. David Jarolim muss im Sommer gehen, im Tor muss Jaroslav Drobny (32) wohl dem avisierten Zugang Rene Adler (27) weichen.


Profis müssen ihren Wert steigern können

Das Neue soll den Reiz ausmachen, weil das Alte nie recht glänzen konnte. Der HSV setzt auf Spieler, die den Zenit noch nicht überschritten haben, sondern ihn in Hamburg erreichen können. Die Profis sollen und müssen im Wert steigen und können keine Abschreibungsmodelle mehr sein. Petric, 31 Jahre und oft verletzt kann dieser Kategorie nicht mehr zugeschrieben werden.

Der HSV hat mit der Trennung alles richtig gemacht. Zumal sie den Anschein erweckt, recht sauber verlaufen zu sein. Vielleicht gibt es Probleme, weil der Klub nun mit Paolo Guerrero einen Stürmer hat, den der DFB bis kurz vor Saisonende zu sperren gedenkt. Und mit Petric einen Angreifer, der sich nicht mehr groß beim HSV einbringen muss. Seine Ankündigung, die Saison nun "vernünftig zu Ende zu bringen", lässt nicht unbedingt darauf schließen, dass in ihm das Feuer noch lodert.


Arnesen hat den nötigen langen Atem

Doch das ist der Preis für das Projekt des HSV. Die Fans der Hamburger haben durch die Trennung von Petric wieder demonstriert bekommen, dass sie sich auf magere Jahre einstellen müssen. Von ihnen wird Geduld gefordert. Projekte wie die des HSV lassen sich nicht in Monaten bemessen, für so etwas müssen eher Jahre angelegt werden. Einer wie Arnesen strahlt aus, dass er dafür einen entsprechend langen Atem hat.

Bei Petric war das nicht zu erkennen. Wer nicht mehr Schritt halten will oder kann, der muss gehen. Auf Namen oder Reputation wird keine Rücksicht mehr genommen. Das ist die Botschaft, die von Petrics Trennung ausgeht.