Borussia Dortmund

Sieben Punkte Vorsprung, doch keiner sagt das M-Wort

Borussia Dortmund nutzte die Gunst der Stunde und setzte sich weiter von den Bayern ab. Trotzdem spricht beim BVB (noch) keiner von der Titelverteidigung.

Der Meister meidet das M-Wort, den Titel im Understatement hat Borussia Dortmund bereits verteidigt. Nicht einmal nach dem perfekten Samstag mit dem Patzer von Bayern München und einem Sieben-Punkte-Vorsprung auf den vermeintlich härtesten Konkurrenten im Kampf um die „Schale“ ließ sich der souveräne Tabellenführer aus der Reserve locken.

„Man hat mir schon was von einer Vorentscheidung oder solch einen Mist ins Ohr gesäuselt. Das ist alles Quatsch und Geplänkel. Wir wissen wie schwer das noch wird und wollen nur unseren Fußball weiter spielen“, konterte Trainer Jürgen Klopp nach dem 2:1 (1:0) über seinen Ex-Klub FSV Mainz 05 die Frust-Aussage der Bayern, die den Titel angeblich abgeschrieben haben.

Seit 18 Spielen ungeschlagen

So selbstbewusst wie die Westfalen derzeit die Liga dominieren, seit nunmehr 18 Spielen (15 Siege) ungeschlagen sind und mit acht Siegen in Folge einen Vereinsrekord aufstellten, so defensiv präsentieren sie sich nach dem Blick auf die Tabelle. „Die Bayern hatten in der Hinrunde auch schon einmal einen Vorsprung von acht Punkten, der dann geschmolzen ist. Daran sieht man wie schnell das geht“, warnte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Selbst die Erinnerung an den 24. Spieltag der letzten Saison, als die BVB-Verantwortlichen zur gleichen Zeit nach dem 3:1 in München ihre Zurückhaltung ablegten und erstmals offen vom Titel sprachen, nützte nichts. Man habe zum gleichen Zeitpunt des letzten Jahres immerhin mit 12 Punkten geführt und diese nicht ins Ziel gebracht, erinnerte Klopp.


Gänsehaut-Feeling in Dortmund

Den Fans war’s egal, sie sangen nicht nur von der Meisterschaft, sondern lautstark „Wir hol'n den DFB-Pokal, und wir werden deutschen Meister!“ Gänsehaut-Feeling war angesagt nach der erneut meisterlichen Vorstellung. Eine Gänsehaut wie vor dem Anpfiff bei der offiziellen Verabschiedung von Mohamed Zidan. Der Ex-Dortmunder und Meister von 2011 war sich sicher: „Wenn die Borussia weiter so gut spielt, dann sind sie kaum noch zu stoppen.“

Dass er dem BVB mit seinem fünften Treffer (74.) im fünften Einsatz für den FSV zum 1:1 beinahe um den wohl verdienten Lohn gebracht hätte, interessierte nach dem Abpfiff niemand mehr. 80.720 Zuschauer verabschiedeten die Mannschaft mit Standing Ovations.

Die Fans sind offenbar ebenso heiß auf die achte Meisterschaft wie ihre Idole. „Wir sind noch immer hungrig, das zeichnet uns aus“, bestätigte Kevin Großkreutz. „Unsere Maschinerie läuft weiter. Jetzt müssen wir in Augsburg nachlegen. Wir dürfen nicht nachlassen“, appellierte Torschütze Jakub Blaszczykowski (26.).

Wenn allein dessen polnischer Landsmann Robert Lewandowski nur drei seiner vier hundertprozentigen Chancen genutzt hätte, stünde er nunmehr an der Spitze der Torjägerliste. So blieb es bei einem weiteren Treffer des überragenden Shinji Kagawa (77.), der zugleich auf den vorentscheidenden Monat April verwies: „Wir spielen noch gegen alle Konkurrenten, und das wird noch sehr schwer.“ Soll heißen: Die Bayern kommen und auch Verfolger Borussia Mönchengladbach.


Große Anspannung vor dem Spiel

Danach wissen die Borussen definitiv, wohin die Reise geht. “Es ist natürlich ein Super-Gefühl, wenn die Konkurrenz Punkte lässt. Doch für alle sind die Bayern weiter Favorit", bestätigte Nationalspieler Mats Hummels und gab nach dem 0:2 des Verfolgers drei Stunden zuvor in Leverkusen zu: “Die Anspannung vor dem Spiel war sehr groß."

BVB-Chef Watzke hatte vor dem Anpfiff “schlimmere Magenschmerzen als sonst". Doch Klopps 100. Sieg in der Bundesliga zeigte heilende Wirkung.

FSV-Trainer Thomas Tuchel hatte den Schuldigen schnell ausgemacht: “Die erste Halbzeit geht auf meine Kappe, weil ich die Grundordnung verändert habe. In der Pause habe ich umgestellt und es lief besser." Sorgen um den Klassenerhalt muss er sich in dieser Verfassung seiner Truppe jedoch nicht machen.