Boxen

Die hammerharte Lektion des Dr. Steelhammer

50. Sieg in einem Duell, das nicht auf Augenhöhe stattfand: Wladimir Klitschko schickte den Franzosen Jean-Marc Mormeck in der vierten Runde zum Duschen.

Die Siegesserie der schwergewichtigen Klitschkos hat gehalten. Zwei Wochen nach Vitalis Titelverteidigung des Weltmeistergürtels des Boxing World Councils (WBC) hat auch dessen fünf Jahre jüngerer Bruder Wladimir seinen Status als Dreifach-Weltmeister erneut zementiert.

Und das mit einem selbst in der Königsklasse, wo am härtesten zugeschlagen wird, nicht alltäglichen Jubiläum.

In seinem 60. Kampf als Preisboxer glückte Dr. Steelhammer in der Nacht zum Sonntag in der ausverkauften Düsseldorfer Fußballarena gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck der 50. K.o.-Erfolg.

Elfte Titelverteidigung seit April 2006

Nach genau 72 Sekunden in Runde vier brach der Ringrichter das ungleiche Duell ab, nach dem Wladimir seinen Widersacher mit einer Links-rechts-links-Kombination in den Ringstaub befördert hatte,

Die Freude beim 35 Jahre alten Champion der World Boxing Association (WBA), World Boxing Organization (WBO) und der Internationalen Boxing Federation (IBF) war nach der elften Titelverteidigung seit April 2006 verständlicherweise groß. Als ein unvergesslicher Kampf wird der Vergleich allerdings nicht in die Annalen eingehen. Dazu braucht es immer zwei Rivalen auf Augenhöhe. Und davon konnte keine Rede.

Der vier Jahre ältere Mormeck wollte als erster Schwergewichts-Weltmeister seines Landes nach Hause reisen. Sein Ansinnen erwies sich jedoch als Hirngespinst. Er präsentierte sich als wehrloses Opfer denn als ein ernsthafter Kontrahent.

Mehr Angst als Vaterlandsliebe

Vor dem 1,98 Meter großen Hünen aus der Ukraine hatte der 17 Zentimeter kleinere und 13 Kilogramm leichtere Monsieur mehr Angst als Vaterlandsliebe. Sein Gesicht hinter der Doppeldeckung versteckend, versuchte der einstige Weltmeister im Cruisergewicht sich abgeduckt wie ein griechisch-römischer Wrestler in den Nahkampf zu stürzen.

Einmal habe er Wladimir angeblich mit seiner Rechten am linken Auge getroffen. Zu sehen war davon in dessen Gesicht allerdings nichts.

Als Mormeck in Runde zwei die erste Rechte von Wladimir einfing, lag er gleich am Boden. Er kam zwar noch einmal auf die Beine. Doch spätestens zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass sich Mormeck vor Ende der 12 Runden zum Duschen verabschieden wird.

So genannte Mismatches, also ungleiche Duelle, sind bei den Klitschkos an der Tagesordnung. Schuld daran tragen die K.o.-Könige nicht.

Man kann ihnen nicht nachsagen, dass sie vor irgendeinem Gegner kneifen würden. Sie stellen sich jedem, der ihnen vor die Fäuste tritt. Allmählich jedoch haben sie den Markt leer geboxt.

Ihrer Zugkraft schadet das aber offenbar genauso wenig wie die skandalösen Vorfälle vor zwei Wochen rund um den WM-Kampf von Vitali gegen den britischen Rüpel Dereck Chisora. Wenn das anders wäre, würden nicht - wie am Samstag - 50.000 Menschen für etwas bezahlen, was es nicht wert ist.