Remis gegen Augsburg

Hannovers Fans pfeifen das eigene Team aus

Nach dem Unentschieden zu Hause gegen Aufsteiger FC Augsburg rappelte es in der Kabine von Hannover 96. Trainer Mirko Slomka hatte einigen Gesprächsbedarf nach dem gellenden Pfeifkonzert.

Als nach 45 entsetzlichen Minuten gegen den FC Augsburg der erste Vorhang fiel und 42.300 enttäuschte Zuschauer ein Pfeifkonzert anstimmten, rappelte es mächtig in der Mannschaftskabine von Hannover 96. „Da musste einiges angesprochen werden, die Spieler haben sich überhaupt nicht an die taktischen Vorgaben gehalten“, berichtete 96-Trainer Mirko Slomka, nachdem gegen den kecken Neuling wenigstens die erste Heimniederlage abgewendet worden war. Dennoch war das 2:2 (1:1)-Unentschieden gegen den Aufsteiger für die Niedersachsen ein Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten.

„Die ersten 25 Minuten waren katastrophal, wir haben uns von den Augsburgern wie Anfänger überraschen lassen“, klagte Karim Haggui, der mit einem Kopfballtreffer aus dem Nichts in der 33. Minute seine Kollegen und sich im Spiel halten konnte. In einer Partie, in der zunächst nur die frechen Gäste den Ton angaben und nach dem Führungstor von Axel Bellinghausen (12.) reihenweise beste Torchancen versiebten. Der Mittelfeldspieler war entsprechend verärgert: „Hannover hätte mausetot sein müssen.“

War es aber nicht und nachdem Mame Diouf in der 69. Minute zum 2:1 eingeköpft hatte, schien es doch auf den dritten Heimsieg der Norddeutschen in Serie hinauszulaufen. Doch der Kampfgeist der Schwaben wurde am Ende belohnt: Jan-Ingwer Callsen-Bracker hämmerte 120 Sekunden vor dem Abpfiff einen Foulelfmeter ins Tor der Hannoveraner. Bellinghausen sah nicht nur dieses Resultat positiv: „Die erste Halbzeit war unsere beste Saisonleistung.“

Was FCA-Coach Jos Luhukay die willkommene Gelegenheit gab, auch die mentalen Tugenden seiner Spieler vollmundig zu loben. „Die Mannschaft hat einen starken Willen und einen guten Charakter“, sagte der Niederländer, der auf diese Stärken auch in den kommenden Wochen im Abstiegskampf baut: „Unser Weg ist noch weit und lang, aber wir gehen ihn voller Hoffnung an.“ Derzeit nehmen die Augsburger „Puppenkicker“ Relegationsplatz 16 ein.

Für Manager Andreas Rettig noch nicht das Ende aller Wunschvorstellungen. „Dieses Spiel war der erneute Beweis, dass die Mannschaft immer an sich glaubt. Ich bin zuversichtlich, dass wir den Kopf bis zum Ende über Wasser halten können“, sagte der 48-Jährige. Da schreckt auch der nächste Gegner Borussia Dortmund nicht. Torhüter Simon Jentzsch: „In so einem Match hat man doch nichts zu verlieren. Vielleicht dürfen wir ja ein positives Märchen träumen.“


Streckenweise konfuser Auftritt

In Hannover konzentrieren sich die Wünsche hingegen auf ein achtbares Resultat im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League am Donnerstag bei Standard Lüttich. „Das ist eine Herausforderung, der ich mit großer Zuversicht entgegensehe“, erklärte 96-Präsident Martin Kind unabhängig vom streckenweise konfusen Auftritt der „Roten“ gegen Augsburg.

Die dank des 0:1-Ausrutschers des Tabellennachbarn Werder Bremen in Berlin bei Hertha BSC sogar bis auf einen Zähler an die Hanseaten heranrückten. Eine spannende Konstellation vor dem Nordderby am kommenden Wochenende im Weserstadion. Und für Slomka eine gute Gelegenheit, am Rivalen um einen Europa-League-Platz vorbeizuziehen: „Es wird schwer genug, aber wir müssen dort eigentlich nur gewinnen.“ Ohne den Ex-Bremer Christian Schulz allerdings, der Außenverteidiger ist in der Hansestadt nach fünf Gelben Karten gesperrt.